Österreichischer Buchpreis

Friederike Mayröcker ausgezeichnet

Der Österreichische Buchpreis hat am Vorabend des Lesefests Buch Wien eine gelungene Premiere gefeiert: Am gestrigen Dienstag fand die Verleihung vor rund 300 geladenen Gästen im Kasino am Wiener Schwarzenbergplatz statt. Mit dem Hauptpreis wurde Friederike Mayröcker ausgezeichnet, den Debütpreis gewann Friederike Gösweiner.

Die Jury lobte an Friederike Mayröckers Notaten "fleurs" (Suhrkamp) das "faszinierend freie Spiel der Worte und Assoziationen, … ein Gedankenstöbern, das auf fast schon verstörende Weise wunderschön und gelungen ist. 'fleurs' öffnet einen Resonanzraum, bildet einen ganz eigenen poetischen Raum".  Auch der Suhrkamp Verlag darf sich ausgezeichnet fühlen, denn die Jury führte weiter aus: "Das sich allen Zwängen der Syntax entziehende, unbändig wuchernde florale Textgeflecht wird darüber hinaus durch Typografie, Satz und Druck zu einem auffällig schönen Buch, das zum Blättern und Staunen verführt."

Der Debütpreis ging an Friederike Gösweiners "Traurige Freiheit" (Droschl). Ihr Roman, so die Jury, sei "so wahr und literarisch so souverän", "ein sensibles, in seiner emotionalen und sozialen Genauigkeit überzeugendes und, vor allem, ein ans Herz greifendes Porträt einer jungen Frau, … und auch das Porträt einer neuen 'verlorenen Generation' zwischen Praktikum und Prekariat".

Die Veranstaltung war, da am Vorabend des Buch- und Lesefestivals "Buch Wien" platziert, ein frohes Branchentreffen. Durch den Abend führten die Schauspieler Dorothee Hartinger und Philipp Hauß, die abwechselnd Kostproben aus den Werken der Shortlist vorlasen. Das Streicherensemble BartolomeyBittmann sorgte mit kurzen, engagiert vorgetragenen Eigenkompositionen für das musikalische i-Tüpfelchen auf der Preisverleihung.

Bei der Preisverleihung standen die Literatur und ihre Autoren im Mittelpunkt – ganz in Sinne von Österreichs Kulturminister Thomas Drozda, der sich sehr erfreut über die enorme Resonanz zum ersten Österreichischen Buchpreis zeigte: "Der große Gewinner am heutigen Abend ist die österreichische Gegenwartsliteratur und die österreichischen Autorinnen und Autoren". Der literarische Nachwuchs liegt einem der Partner, der Arbeiterkammer Wien, besonders am Herzen. Deren Präsident Rudi Kaske erläuterte deshalb den Fördergedanken beim finanziellen Engagement der Körperschaft: "Mit dem Österreichischen Buchpreis ist es nun erstmals gelungen, die Vielfalt und den Reichtum der österreichischen Literatur sichtbar zu machen. Daher freuen wir uns umso mehr, dass die AK junge Künstlerinnen und Künstler mit ihren literarischen Debüts fördert."

Ein bewegender Moment war die spontane Lesung der fast 92-jährigen Preisträgerin Friederike Mayröcker, sicher auch für ihre Lektorin Doris Plöschberger, die ebenso wie Suhrkamp-Pressesprecherin Tanja Postpischil im Publikum zuhörte.

Benedikt Föger, Präsident des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels, zeigte sich mit der Premiere zufrieden. "Man kann die Wichtigkeit eines solchen Preises für die österreichische Literaturlandschaft nicht oft genug betonen: Es ist erfreulich zu sehen, dass diese beiden neu geschaffenen Preise von der Öffentlichkeit so gut aufgenommen wurden", so Föger.  

Somit darf man auf die Fortsetzung des Preises 2017 gespannt sein.

Hintergrund: Der Österreichische Buchpreis wurde 2016 zum ersten Mal verliehen. Partner sind das Bundeskanzleramt der Republik Österreich, der Hauptverband des Österreichischen Buchhandels und die Arbeiterkammer Wien. Die Jury wechselt jährlich und bestand 2016 aus dem Germanist Klaus Amann, der Journalistin Sandra Kegel von der "FAZ", Kurt Reissnegger (Leiter des Literturbereichs bei Ö1), Rotraut Schöberl (Buchhandlung Leporello), und der Feuilletonleiterin der "Furche", Brigitte Schwens-Harrant).

Die Jury wählte aus den 95 eingereichten Büchern zehn Titel für die Longlist, später fünf für die Shortlist (bei dem Debütpreis drei Titel).

Dotierung: Der Sieger des Hauptreises bekommt 20.000 Euro, der Gewinner des Debütpreises 10.000 Euro. Die nicht ausgezeichneten, aber nominierten Titel erhalten je 2.500 Euro.

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