Karin Plötz empfiehlt Fußball-Bücher

Der erste moderne Torwart

Seit Mitte der fünfziger Jahre erlebte der sowjetische Fußball eine Blüte, die Mannschaft holte 1956 den Olympiasieg und vier Jahre später den EM-Titel. Maßgeblichen Anteil daran hatte der Keeper Lew Jaschin. LitCam-Direktorin Karin Plötz empfiehlt in ihrem Monatstipp eine Biografie des Jahrhunderttorwarts.

Russland wird 2018 Austragungsort der FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft. Die Diskussionen dazu sind groß, weniger groß ist aber (in Deutschland) das Wissen über die russische Fußballgeschichte und die Bedeutung des Fußballs in Russland.

Auch Lew Jaschin werden nicht sehr viele Fußballfans in Deutschland kennen. Er ist aber bis heute der berühmteste russische Fußballer und hat als bislang einziger Torwart 1963 den Ballon d'Or als "Europas Fußballer des Jahres" erhalten. Er wurde von der FIFA sogar zum Torwart des 20. Jahrhunderts gewählt und gilt als erster moderner Torwart und Vorläufer der Spielart von Manuel Neuer. Und nicht nur in Russland, sondern auch in Brasilien gibt es ein Denkmal für ihn.

Dietrich Schulze-Marmeling versucht diese Wissenslücke zu schließen. Er beschreibt in seinem Buch über den "Löwen von Moskau" nicht nur das Leben des 1929 geborenen Lew Jaschin, sondern gibt auch einen Überblick über die russische und sowjetische Fußballgeschichte.

So begann Lew Jaschin seine Karriere eigentlich als Eishockey-Spieler und gewann als Torhüter von Dynamo Moskau 1953 den sowjetischen Pokal, ehe er im folgenden Jahr 1954 – diesmal als Fußballtorwart – mit Dynamo Moskau sowjetischer Fußballmeister wurde. Einer der Gründe war, dass es zu damaligen Zeiten kaum Winterspielplätze für Fußball gab, so dass im Winter Eishockey und im Sommer Fußball gespielt wurde.  

Nebenbei war Jaschin auch ein hervorragender Schachspieler. Schach galt in der Sowjetunion seit den 20er Jahren als Volkssport. Für seine erfolgreiche Torwartkarriere galt das Antizipieren von Spielzügen – wie beim Schach – als eine der Erfolgsformeln.

Von 1950 bis 1970 spielte Jaschin bei Dynamo Moskau und gewann mit der sowjetischen Fußballnationalmannschaft 1956 olympisches Gold und 1960 die Europameisterschaft. Diese Zeit gilt auch als eine der erfolgreichsten des sowjetischen Fußballs. Schulze-Marmeling beschreibt dabei auch den Einfluss der sowjetischen Politik auf den Fußball sowohl zu Jaschins aktiver Sportlerzeit als auch nach Jaschins Rückzug aus der Fußballwelt und den Umbruch in Russland.

Wer mehr über einen der herausragenden Fußballer des letzten Jahrhunderts aber auch Einblicke in die politischen und sozialen Dimensionen des Fußballs in der früheren Sowjetunion und im heutigen Russland erfahren will, kommt mit diesem Buch voll auf seine Kosten.

Bibliografie

Dietrich Schulze-Marmeling:
"Lew Jaschin − Der Löwe von Moskau"
Verlag Die Werkstatt
Hardcover, 272 Seiten
19,90 Euro
ISBN 978-3-7307-0331-1

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