Mangelnde Unabhängigkeit der Schweizer Buchpreis-Jury?

Veranstalter weisen die Vorwürfe von Lukas Bärfuss zurück

In einem Beitrag in der heutigen Ausgabe der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" kritisiert Schriftsteller Lukas Bärfuss den Schweizer Buchpreis scharf und wirft der Jury fehlende Unabhängigkeit vor. Die Veranstalter, LiteraturBasel und der SBVV, weisen dies entschieden zurück.

Dani Landolf und Lukas Bärfuss (rechts) bei einer Diskussion bei der Leipziger Buchmesse (2014)

Dani Landolf und Lukas Bärfuss (rechts) bei einer Diskussion bei der Leipziger Buchmesse (2014) © Monique Wüstenhagen

Lukas Bärfuss, der die Auszeichnung 2014 gewonnen hat, spricht in seinem Artikel "Mehr als nur ein missglückter Abend", der am 21. November in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erschienen ist (online nur als F.A.Z.-PLUS-Artikel) in Bezug auf die Feier am Vorabend der Preisverleihung vom 12. November von "einer literarischen Veranstaltung auf Kanalisationsniveau". Gewichtiger ist sein Vorwurf, bei der Besetzung der Jury sei gegen "das Unabhängigkeitsgebot offenbar mehrfach verstoßen" worden. So dürften laut Charta keine Verbandsvertreter in dem Gremium sitzen − jedoch hätten Dani Landolf, Geschäftsführer des Schweizer Buchhändler- und Verlegerverbands (SBVV), und Katrin Eckert, Leiterin der BuchBasel, in verschiedenen Jahren in Preissitzungen gesessen und bei den Nominierungen mitgeredet, kritisiert Bärfuss ("Alle sind beschädigt"). Den Buchpreis in der heutigen Form müsse man für tot erklären, so sein Fazit. Für einen Neustart benötige es zunächst "ein klares, öffentliches Reglement" − und neue Köpfe.

Stellungnahme der Veranstalter: "Der Schweizer Buchpreis ist aller Ehren wert"

In einer Stellungnahme gehen die Veranstalter des Schweizer Buchpreises, der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband SBVV und der Verein LiteraturBasel unter anderem auf Lukas Bärfuss' Vorwurf einer mangelnden Unabhängigkeit der Jury ein: "Unhaltbar sind alle Vorwürfe, die die Unabhängigkeit der Jury und ihres Urteils in Frage stellen. LiteraturBasel verfolgt mit der Mitträgerschaft keine ökonomischen Absichten und ebenso wenig spezifische Verlags-, Buchhandel- oder Autoreninteressen. LiteraturBasel hat nur eine Aufgabe: Literaturvermittlung im Literaturhaus, am Literaturfestival BuchBasel und bei der Verleihung des Schweizer Buchpreises. Der Schweizerische Buchhändler- und Verleger-Verband SBVV hat gewiss darüber hinaus ein ökonomisches Interesse: Es gibt keine öffentliche Literatur ohne verkaufte Bücher. Es ist aber völlig abwegig, dem SBVV Druckversuche zu unterstellen; die Verbandsmitglieder, welche die Bücher einreichen, wären die ersten, die sich das verbieten würden. Der Geschäftsführer des SBVV und die Leiterin von LiteraturBasel sind als Veranstalter seit zehn Jahren als Beisitzer an den Jury-Sitzungen dabei, mischen sich inhaltlich nicht ein und stimmen nicht ab."

Es sei festzuhalten, dass in den zehn Jahren des Schweizer Buchpreises von keinem der bisherigen 21 Jurymitglieder "auch nur ein einziger Vorwurf ungebührlicher Einmischung oder Stimmungsmache" gegen die beisitzenden Veranstalter erhoben worden sei, und: "Wir Veranstalter verkennen nicht, dass die missglückte Jubiläumsveranstaltung Anlass gegeben hat zum Einwurf von Lukas Bärfuss. Wir bedauern dies sehr und haben uns dafür entschuldigt. Dass Lukas Bärfuss das Kind nun mit dem Bade ausschüttet und alle bisherigen Juryentscheide infrage stellt, haben weder die bisherigen Preisträger noch die Nominierten und die Jurymitglieder verdient. Der Schweizer Buchpreis ist aller Ehren wert."

Zu starke Polarisierung vor der Preisverleihung

In einer Sache geben sie Bärfuss eingangs ihrer Stellungnahme recht: "Die Feier zur zehnten Verleihung des Schweizer Buchpreises, am Vorabend der Preisverleihung vom 12. November 2017 ausgerichtet, war missglückt." Hintergrund des Eklats war eine der Preisverleihung vorgelagerte Podiumsdiskussion, in der die Moderatorin Nicola Steiner den Kritiker Martin Ebel fragte, ob sein Verriss des für den Schweizer Buchpreis 2010 nominierten Romans von Urs Faes richtig gewesen sei, da er gerade vor der Preisverleihung veröffentlicht worden sei − zumal Ebel auch in der Jury saß. Steiner vermisste Zurückhaltung an dieser sensiblen Stelle, Ebel sah kein Problem, Steiner zitierte heftige Verrisspassagen und favorisierte vor der Verleihung Jonas Lüscher − all das, führte zu Misstimmungen und dazu, dass der im Publikum sitzende Faes von der Teilnahme an der Preisverleihung Abstand nahm.

Das Rahmenprogramm habe "zu stark polarisiert", räumten die Veranstalter des Schweizer Buchpreises ein,, "und die willkürlich vom Zaun gebrochene Konfrontation des hochgeschätzten Urs Faes mit einem Kritikerverriss aus dem Jahr 2010 war für den anwesenden Autor verletzend." Die Moderatorin Nicola Steiner habe sich im Anschluss bei Urs Faes entschuldigt, ebenso die Veranstalter, die den Beteiligten, Urs Faes sowie Melinda Nadji Abonji und Lukas Bärfuss, eine Aussprache angeboten hätten.

Unterzeichnet wurde die Stellungnahme für LiteraturBasel von Hans Georg Signer (Präsident) und Katrin Eckert (Leiterin von LiteraturBasel und Co-Geschäftsführerin SBP) und für den SBVV von Thomas Kramer (Präsident) und Dani Landolf (Geschäftsführer SBVV und Co-Geschäftsführer SBP).

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