42. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt

Bachmannpreis an Tanja Maljartschuk

Die in der Ukraine geborene und in Wien lebende Autorin Tanja Maljartschuk hat den mit 25.000 Euro dotierten Ingeborg-Bachmann-Preis 2018 auf den 42. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt gewonnen. Zudem wurden weitere Preise vergeben.

Die Ukrainerin Tanja Maljartschuk schreibt auf Deutsch und gewann mit dem Text "Frösche im Meer", so die Information auf der Website zu den Tagen der deutschsprachigen Literatur. Sie wurde von Stefan Gmünder zum diesjährigen Bewerb eingeladen, er hielt auch die Laudatio. Maljartschuk thematisiere in ihrem Text das zuweilen fehlende Interesse der jüngeren Generation an ihren betagten Verwandten und die Probleme einer sozial ungleichen, von der Natur entrückten und xenophoben Gesellschaft, heißt es weiter.

In einer ersten Reaktion sagte Maljartschuk laut Mitteiliung, sie sei geschockt, sie habe nicht damit gerechnet und keine Worte. Es sei ihr von Anfang an klar gewesen, welche Geschichte sie für den Bachmannpreis schreiben würde. Das Thema Flüchtlinge und verlassene Menschen beschäftige sie. Sie sei selbst emigriert, das sei ihr Thema.

Tanja Maljartschuk studierte Ukrainische Philologie an der Prykarpattia National Universität und arbeitete einige Jahre als Fernsehjournalistin in Kiew. Seit 2011 lebt sie in Österreich und seit 2014 schreibt sie in deutscher Sprache.

Lieferbare Bücher (laut VLB) von Tanja Maljartschuk:

  • "Überflutet" (Edition Thannhäuser, 2016)
  • "Von Hasen und anderen Europäern" (Edition.fotoTAPETA Berlin, 2014)
  • "Biografie eines zufälligen Wunders" (Residenz, 2013)
  • "Neunprozentiger Haushaltsessig" (Residenz, 2009)
  • Beiträge in den Antologien "Skype Mama" (Edition.fotoTAPETA Berlin, 2013) und "Wodka für den Torwart" (Edition.fotoTAPETA Berlin, 2012)

Ein neuer Roman der Autorin, der allerdings nichts mit ihrem Text zum Bachmann-Preis zu tun hat, erscheint im Februar 2019 bei Kiepenheuer & Witsch, wie die Kölner auf Anfrage bestätigen. Darin verknüpfe Maljartschuk auf kunstvolle Weise das Leben des Politikers Wjatscheslaw Lypynskyj, der die Geschichte der Ukraine wesentlich prägte, mit dem der Ich-Erzählerin, die sich auf die Spuren Lypynskyjs begibt. Einen Titel gebe es noch nicht. Es handle sich in diesem Fall um eine Übersetzung aus dem Ukrainischen.

Weitere Preise

Auf den Tagen der deutschsprachigen Literatur werden neben dem Bachmannpreis weitere Auszeichnungen vergeben. Die Preisträger 2018 sind:

  • Deutschlandfunkpreis (12.500 Euro) − an Bov Bjerg (Deutschland) für "SERPENTINEN". Darin werden Episoden aus dem Leben des Ich-Erzählers Höppner und dessen siebenjährigen Sohnes dargestellt. Die Abschnitte des Texts bieten wenig Orientierung, jedoch würden nach und nach Zusammenhänge erkennbar. Dem gegenüber stünden einerseits die klare Sprache und andererseits ganz konkrete Situationen in der Vater-Sohn-Beziehung. − "Serpentinen" bildet den Anfang des neuen Romans von Bov Berg, der im Ullstein Verlag erscheinen wird, wie die Berliner in einer separaten Presseinformation ankündigen.
  • KELAG-Preis (10.000 Euro) − an Özlem Özgül Dündar (Türkei/Deutschland), der seinen Textauszug "und ich brenne" las. Im Mttelpunkt stehen vier Ich-Erzählerinnen, allesamt Mütter. Die Jury habe Gefallen an dem Text gefunden, der durch vollkommende Abwesenheit von Großbuchstaben und Satzzeichen hervorsticht.
  • 3sat-Preis (7.500 Euro) − an Anna Stern (Schweiz) für "Warten auf Ava". Im Text wird die für Angehörige und Freunde belastende Erfahrung geschildert, die darauf warten, dass die zuvor vermisste Wanderin Ava, nun in einem Krankenhausbett liegend, wieder zu Bewusstsein kommt.
  • BKS Bank Publikumspreis (7.000 Euro) − an Raphaela Edelbauer (Österreich) für ihren Text "Das Loch". Er handelt von einem ehemaligen Bergwerk, in dem ursprünglich Kalk abgebaut wurde und das später zur Vertuschung von NS-Verbrechen diente. Nun soll es, um der Statik Willen, aufgefüllt und stabilisiert werden, fasst die Mitteilung zusammen. Dieses Thema werde auch im vermutlich 2019 erscheinenden ersten Roman "Das flüssige Land" im Zentrum stehen.

Die Jury-Diskussion wird jeweils auf der Website zum Bachmannpreis zusammengefasst.

Stadtschreiberstipendium

Seit 2009 vergibt die Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee ein Stadtschreiberstipendium in der Höhe von 5.000 Euro. Stadtschreiber wird der Gewinner des BKS-Bank-Publikumpreises.

Die Bachmannpreis-Teilnehmerin Ally Klein hatte aus ihrem Debütroman "Carter" gelesen. Dieser wird am 10. August im Literaturverlag Droschl erscheinen, wie der Verlag informiert.

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