KNV-Insolvenz: Interview mit Umbreit-Geschäftsführer Clemens Birk

"Wir haben einen Notfallplan in der Schublade"

Umbreit und KNV sind nicht nur Wettbewerber im Barsortimentsgeschäft, sondern auch Kooperationspartner: Seit 2017 arbeiten sie beim Bücherwagendienst zusammen. Umbreit-Geschäftsführer Clemens Birk hofft, dass der Betrieb bei KNV trotz Insolvenz weiterläuft - und die Verlage gut genug versichert sind. INTERVIEW: SABINE CRONAU

Clemens Birk

Clemens Birk © Umbreit

Wann haben Sie davon erfahren, dass KNV Insolvenz angemeldet hat?

Gerüchte machen in der Branche ja schon lange die Runde, aber dass KNV jetzt so schnell Insolvenz anmelden musste, hat mich dann doch überrascht. Die aktuelle Entwicklung ist dramatisch – und tut mir persönlich sehr leid. Umbreit ist als Barsortiment zwar auch Wettbewerber von KNV, doch wir sind alles andere als schadenfroh. Ich hoffe sehr, dass der Betrieb trotz Insolvenzverfahren aufrechterhalten werden kann. Sonst hat nicht nur KNV, sondern die gesamte Branche ein Riesenproblem.

Könnten Umbreit und Libri den Ausfall des Barsortiments auffangen?

Nein, dafür hätten wir gar nicht die notwendigen Kapazitäten. Das Gleiche dürfte für den Bereich Verlagsauslieferung gelten. Hier stemmt KNV schätzungsweise ein Marktvolumen von über 20 Prozent. Wie soll diese Ware in den Handel kommen, wenn der Betrieb bei KNV/KNO eingestellt wird?

Fürchten Sie auch einen Domino-Effekt bei den Verlagen – weil ihre offenen Forderungen von KNV nicht mehr beglichen werden können?

Ja, das ist durchaus denkbar, gerade bei kleineren Verlagen, die kein großes finanzielles Polster haben. Das hängt natürlich auch davon ab, ob die Verlage für solche Fälle versichert sind – und in welcher Höhe. Das kann ich nicht einschätzen.

Die Suche nach einem Investor für KNV ist offenbar gescheitert. Ist die Buchlogistik so unattraktiv?

Ich denke, dass die Suche nach einem Investor nicht zuletzt durch den Konzentrationsprozess im Buchhandel erschwert worden ist. Nehmen Sie die Fusion von Thalia und der Mayerschen, die ja vom Kartellamt noch genehmigt werden muss: Es ist kein Geheimnis, dass KNV Hauptlieferant der  Mayerschen ist und den zentralen Wareneingang organisiert – und das Thalia-Lager nur 50 Kilometer entfernt in Hörselgau liegt. Was passiert, wenn der laufende Vertrag endet? Potenzielle Investoren informieren sich sehr genau über die Marktlage und die Gefahr, dass weitere Umsätze verlorengehen könnten, ist kein gutes Signal für Geldgeber.

Was bedeutet die Insolvenz für Ihre Transportkooperation?

Glücklicherweise sind wir firmenrechtlich nicht verbunden, sondern nur über einen Kooperationsvertrag. KNV übernimmt die Touren der Bücherwagendienste zum Beispiel im Norden, wir im Südwesten. Wie und ob diese Kooperation fortgeführt werden kann, ist derzeit offen. Im Norden könnte es also durchaus Probleme geben. Wir haben natürlich einen Notfallplan in der Schublade, aber bis dieser greift, wird es eine Weile dauern.

Was raten Sie den Branchenkollegen in Verlagen und im Buchhandel?

Wir alle werden Geduld und einen kühlen Kopf brauchen, damit es keine Kettenreaktionen gibt. Es wird eine Zeit dauern, bis die Situation geklärt werden kann  und mögliche Auffanglösungen in Sicht sind. Glücklicherweise ist das Weihnachtsgeschäft vorbei und bis zur Schulbuchsaison ist noch etwas Zeit. Aber ganz ehrlich: Eigentlich kann es an einer so schlechten Nachricht keine guten Aspekte geben.

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