Aktuelle Analyse von Torsten Casimir zur KNV-Insolvenz

Es braucht einen starken Insolvenzverwalter

KNV hält die Branche in Atem. Noch ist es dem vorläufigen Insolvenzverwalter nicht gelungen, zögernde Verlage zur Weiterbelieferung des Erfurter Logistikzentrums zu bewegen. Die Unruhe wächst. – Anmerkungen zu einer hoch brisanten Situation.

Seit einer Woche operieren Verlage und Buchhandlungen im Krisenmodus. So ziemlich jedes Unternehmen ist mit der KNV-Insolvenz befasst. Wenn Systemrelevanz heißt, dass der Kollaps eines einzigen Marktteilnehmers den Schwächeanfall einer ganzen Branche auslöst, darf die Diagnose "systemrelevant" für den traditionsreichen Logistiker als gesichert gelten. Bücher haben gerade ein akutes Kreislaufproblem.

Vor der Diskussion der Therapie lohnt eine kurze Anamnese. Etwa seit 2012 entwickelt sich der Barsortimentsmarkt rückläufig. Insider beklagen das seit längerem. Der Gesamtumsatz der Barsortimente hat schätzungsweise die Grenze von einer Milliarde Euro unterschritten. Konzentrationsbewegungen im stationären und Online-Buchhandel begünstigten den Abwärtstrend. Händler wie Amazon und Thalia führen ihre eigenen Zentrallager. Die Verschiebung von Volumen hin zur Direktbelieferung des Sortiments ist die logische Folge. Im Zuge dieses Wandels hat sich das Rabattwesen aus Sicht der Barsortimente – vorsichtig ausgedrückt – nicht zum Besseren entwickelt. An Paragraf 6 Absatz 3 hat man sich souverän gewöhnt: "Verlage dürfen für Zwischenbuchhändler keine höheren Preise oder schlechtere Konditionen festsetzen als für Letztverkäufer, die sie direkt beliefern." Gesetz ist Gesetz. Nichts hat sich geändert – am Paragrafen…

Vor neun Jahren starb Jürgen Voerster, Chef des familiengeführten Buchlogistikers KNV (zu seiner Zeit noch KNO und KV) in fünfter Generation. Im selben Jahr traf die sechste Generation eine Entscheidung zu dem anstrengendsten, mutigsten, aber auch riskantesten Schritt in der bis dahin 181-jährigen Firmengeschichte: dem Bau einer europaweit Maßstäbe setzen wollenden Medienlogistik mitten in Deutschland. Jetzt, da in Erfurt ein Insolvenzverwalter das Kommando führt, fragen sich viele: War der Aufbruch ins Thüringische der Anfang vom Ende? Hat KNV sich damit übernommen? Ein einfaches Ja würde der Komplexität dessen, was danach geschah, nicht gerecht.

Der seltsam verbaute Standort Stuttgart hatte keine gute Perspektive mehr. Die Idee, Verlagsauslieferung und Barsortiment in einer zentralen Logistik zusammenzuführen, galt auch verständigen Beobachtern des Zwischenbuchhandels als vielversprechend. Was erst die Praxis zeigte: Diese innovative Idee erwies sich als besonders schlecht beherrschbar. Zu ungleich die Geschäftsmodelle, zu divers die Bündelungen und Mengen, zu unverträglich das Nebeneinander von Kleinststruktur des Barsortiments und Großstruktur der Auslieferung. KNV begann, in selbstgeschaffener Komplexität zu versinken. Rückblickend schaut man auf eine Art Remake des Zauberlehrlings: Die Logistik-Geister entwickelten mächtig Spaß an der zunehmenden Überforderung dessen, der sie gerufen hatte. Das Chaos kostete sehr viel Geld. Geld, das man nicht hatte. Am Ende kommt, anders als in Goethes Ballade, kein Meister, der die Besen zur Ordnung ruft. Sondern der Insolvenzverwalter.

Ein Blick auf die Landschaft möglicher Investoren lässt die Hoffnung zu, dass in Erfurt wesentliche Teile der Struktur gerettet werden können. Dort steht nach einhelliger Bewertung von Fachleuten eine hoch attraktive Logistik zum Verkauf. Schon in den vergangenen Monaten sind im Gewerbegebiet "Kühnhäuser Straße" einige Interessenten übers Gelände geführt worden. Wer wird nun mitbieten? Mit wem wird der vom Amtsgericht Stuttgart bestellte Insolvenzverwalter Tobias Wahl Gespräche aufnehmen? Zu den "natürlichen" Kandidaten, über die in der Branche offen spekuliert wird, gehören:

  • die VVA mit der Finanzkraft Bertelsmanns im Rücken;
  • ein, zwei auf Buchlogistik spezialisierte Unternehmen aus dem Ausland;
  • Lingenbrink im mehrheitlichen Eigentum einer der reichsten deutschen Unternehmerfamilien (wenngleich aufgrund dann entstehender Macht im Großhandelsmarkt diese Variante kartellrechtlich kaum haltbar erscheint – es sei denn, man beurteilt nicht den Barsortimentsmarkt isoliert, sondern den Markt der Buchlogistik gesamtheitlich);
  • zwei sehr große Buchhändler;
  • Logistiker anderer Branchen;
  • Finanzinvestoren, denen die Logistik-Sparte lukrativ erscheint.

Wenn man den Blick weiter in die Zukunft richtet, spricht einiges dafür, dass die luxuriöse Ära einer dermaßen filigranen und dabei exklusiven Buchlogistik, wie sie in Deutschland hat entstehen können, abgelöst wird von einer Zeit der Öffnung hin zu anderen Versendern. Bereits zum Start des Komplexes an der A71 deutete KNV-Chef Oliver Voerster eine Ausweitung der Kampfzone an: Technisch sei Erfurt "für alles geeignet, was auf eine Palette passt und nicht zappelt". Die Ansage leuchtete damals schon ein. Nicht nur Buchverleger wollen Produkte in Innenstädte bringen lassen. Auf eine Struktur, die den Fluss der Waren bis in die feinsten Kapillaren des Wegenetzes sicherstellt, dürften manche bewundernd schauen. Schuhfabrikanten zum Beispiel, Textilproduzenten, Konsumgüterhersteller aller Art. Nicht-trivial in dieser Perspektive wäre allerdings, dass sich unterschiedliche Logistik-Systeme synchronisieren müssten.

Für die nächsten Monate eröffnet das Insolvenzverfahren nun neue Gestaltungsspielräume. Ein Teil der Schuldenlast kann abgeworfen werden – Stichwort "Haircut" der Banken. Die Gehälter der Mitarbeiter sind vorläufig sicher. Das insolvente Unternehmen kann ohne große Hürden so konfiguriert werden, wie es ein künftiger Eigentümer haben möchte. Anwartschaften auf Pensionen und laufende Renten werden vom Pensions-Sicherungs-Verein übernommen. All dies fördert die Geschmeidigkeit von Verhandlungen.

Das sind die positiven Aussichten. Aber die aktuelle Situation birgt eine für die Branche durchaus gefährliche Seite, die sich seit Anfang der Woche zuspitzt. Auslieferungen agieren in diesen Tagen äußerst vorsichtig und beliefern Erfurt teilweise nicht. Auch mehrere Verlage und Gruppen haben erst einmal den Zugriff auf ihre Ware im Barsortiment unterbunden. Mit seinen ersten Maßnahmen, insbesondere einem seit Montag kursierenden Lieferantenanschreiben hat es der Insolvenzverwalter, dem das Gericht einstweilen nur begrenzte Kompetenzen zuerkennt, nicht verstanden, Zuversicht in die Weiterbelieferung zu wecken.

Realistischerweise wird man davon ausgehen müssen, dass die Verlage einen Großteil ihrer offenen Forderungen an KNV in den Wind schreiben können. Für manche bedeutet das Verluste im mittleren sechsstelligen Euro-Bereich, für die Top-Häuser noch darüber. Die Betroffenen wären gut beraten, rasch zu prüfen, was das für ihre interne Kalkulation bedeutet, zumal der in Rede stehende Zeitraum aufgrund langer Zahlungsziele in eins fällt mit den für die Branche umsatzstärksten Wochen des Jahres und der entstandene Schaden entsprechend hoch ausfällt. In derart angespannter Lage treffen Aufrufe zur Solidarität mit dem gestrauchelten Riesen auf mäßige Resonanz. Liquiditätsentzug tut jedem weh, im schlimmsten Fall führt er zu weiteren Überschuldungslagen.

Um zu verstehen, was systemisch auf dem Spiel steht, wäre überdies die enorme Bedeutung eines Barsortiments für die Wirtschaftlichkeit kleinerer Buchhandlungen zu bedenken. Sie reicht weit über logistische Services hinaus, betrifft Betriebsberatung, Fortbildung, Warenwirtschaft, Marktforschung, das Non-Book-Geschäft, bisweilen sogar Hilfen zur Überbrückung finanzieller Engpässe. Unter dem Marktdruck der vergangenen Jahre hat sich die Beziehung zwischen Buchhändlern und ihrem Barsortiment in symbiotische Richtung entwickelt. Man stand, und steht, in Ko-Abhängigkeit. Ohne den einen werden die Schwierigkeiten des anderen größer.

Die Misere von KNV droht in der Buchbranche eine Kettenreaktion in Gang zu setzen, die unbedingt vermieden werden muss. Am ehesten wird das einem starken Insolvenzverwalter gelingen, einem schwachen womöglich nicht. Es ist zu hoffen, dass das Amtsgericht Stuttgart auch zu dieser Einsicht gelangt.

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22 Kommentar/e

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  • Ein Buchhändler

    Ein Buchhändler

    Sehr ausgewogener Kommentar!
    Viele Bemerkungen wie z.B.: "die haben sich halt verhoben", "Manager haben Sch.. gebaut" etc. greifen zu kurz. Auch mir erschien der Plan, zwei Standorte zusammen zu legen, zunächst sinnvoll zu sein - zumal Köln im Westen Deutschlands sicher keine optimale Lage hatte. Dass das dann nicht gut durchgeführt wurde war wohl Zeichen von Selbstüberschätzung und Überforderung der handelnden Personen.
    Auch die Analyse unseres Vorstehers greift meines Erachtens zu kurz: Da der Buchmarkt nicht wächst sondern schrumpft konnte sich KNV nicht mehr aus eigener Kraft sanieren. In Wachstumsbranchen ist es für einen Markführer durchaus möglich, sich von einer zu großen Investiton zu erhohlen. Also ist die Krise bei KNV sekundär auch eine Krise des Buchmarkts.

  • Detlef Grumbach, Männerschwarm

    Detlef Grumbach, Männerschwarm

    Schöner Kommentar, nur die Überschrift ist irreführend: Der eingesetzte vorl. Verwalter ist dem Gesetz nach "schwach", in der Sache aber der stärkere: Er hat die nötige Macht, beinahe alles zu regeln, aber die unternehmerische Verantwortung trägt die alte Geschäftsleitung. Das ist die Voraussetzung dafür, dass beispielsweise die Löhne als Insolvenzgeld gezahlt werden. Der nach dem Gesetz "starke" vorl. Insolvenzverwalter handelt auf eigene unternehmerische Verantwortung und muss alles aus der Masse zahlen - auch die Löhne. Das führt in der Regel zur Auszehrung und in der Folge zur Liquidierung der Unternehmen. Deshalb kommt er in der Praxis nur sehr selten vor.
    KNV braucht also einen "schwachen" vorl. Insolvenzverwalter, der seine Stärke nutzt - und der vor allem Vertrauen schafft, dass Bücher, die jetzt an KNV geliefert werden, auch bezahlt werden.

  • NochnKleiner

    NochnKleiner

    "insbesondere einem seit Montag kursierenden Lieferantenanschreiben hat es der Insolvenzverwalter"

    Ist ja interessant, die Pressemitteilung und das erste Lieferantenanschreiben hat man noch bekommen. Aber dann war auch schon wieder Schluss. Da muss man erst von der Presse erfahren, dass es wohl noch weitere Briefe an die Verlage gab. So wird kein Vertrauen aufgebaut. Da helfen auch nicht die Bestellungen seit Montag. Die zu bedienen hieße aus meiner Sicht, die frisch gedruckten Bücher auf die Müllhalde zu fahren.

  • Ein Buchhändler

    Ein Buchhändler

    @Detlef Grumbach: Gerade kommt die Meldung, dass er zum Starken Insolvenzverwalter gemacht wurde. Ist das nun gut oder schlecht. Alle anderen finden es gut...Fragen über Fragen.

  • Torsten Casimir

    Torsten Casimir

    Lieber Herr Grumbach,
    das ist ein interessantes Spiel mit stark und schwach. Vielen Dank! Was ich zum Ausdruck bringen wollte, ist, dass die Branche einen Insolvenzverwalter braucht, der stark genug ist, das Vertrauen der Verlage in die Weiterbelieferung Erfurts zu wecken. Da sind wir uns ja einig.
    Eben gerade hat das Amtsgericht Stuttgart glücklicherweise genau dies in einen Beschluss gefasst, wonach ab sofort dem vorläufigen Insolvenzverwalter Tobias Wahl die volle Verwaltungs- und Verfügungsbereitschaft bei KNV übertragen wird. Sie liegt dann nicht mehr bei den bisherigen Geschäftsführern. Die Entschuldungseffekte des Insolvenzverfahrens werden davon nicht beeinträchtigt, und die Gehälter zahlt auch nach diesem Beschluss für die nächsten drei Monate der Staat. Ich glaube, die ganze Branche hofft, dass sich in der Lieferkette nun die Lage rasch wieder normalisieren wird.

  • Kleinverlag

    Kleinverlag

    Es gibt aber doch nur eine wichtige Unterscheidung zwischen schwachem und starkem Insolvenzverwalter: nur für Handlungen als starker vorläufiger Insolvenzverwalter haftet der Insolvenzverwalter nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens mit der Masse.

    Bedeutet das nicht einfach, dass die Verlage mit ihren Büchern in der Masse für die neuen Bestellungen haften? Natürlich bedeutet die Masse nicht nur die Bücher, sondern auch die Gebäude usw., aber so großartig haben sich die Aussichten der Verlage auch nicht verbessert, denn so wird eines ganz klar: Wenn aus der Masse zuerst die neuen Bestellungen, dann die Banken und zu allerletzt die offenen Rechnungen der Verlage bedient werden, wird wenig bis gar nichts dafür übrig bleiben.
    Das bedeutet für mich, Verlage, findet euch damit ab, dass ihr nichts für eure offenen Rechnungen wieder bekommt, aber wenigsten geht es dafür VIELLEICHT weiter.
    Ich weiß nicht, überzeugt mich nicht so richtig.

  • Kleinverleger

    Kleinverleger

    Gerade ist das neue Schreiben des Insolvenzverwalters eingetroffen zu den neuen Bestellvorgängen, unglaublich viel Bla Bla. Keine Zussage zur Bezahlung der noch bei KNV liegenden, unbezahlten LAgerbestände, die Eigentum der Verlage sind, und da sollen wir schon wieder neue Ware liefern?

    Sehr geehrter Herr Insolvenzverwalter, machen sie erstmal eine Zusage an die Verlage, dass die unbezahlten Lagerbestände bei KNV bezahlt werden, dann können wir auch wieder beliefern, auch wenn die neuen Lieferung zu Kosten unserer Masseforderungen gedeckt werden.

  • Kleinverleger

    Kleinverleger

    Und auch die Frage, welcher Eigentumsvorbehalt für die bereits gelieferten und die vielleicht zukünftigen Lieferungen jetzt gilt, wird im 2.Schreiben des Insolvenzverwalters nicht beantwortet, auch hier benötigen wir Verlage vorab Klarheit!

  • Dirk Scholze

    Dirk Scholze

    Herr Casimir, ich bedanke mich für Ihren Artikel.

    Da das Leben auch manchmal ein Wunschkonzert sein muss, meine Wünsche für unsere Branche.

    Vorbemerkung:
    Es geht zu diesen Tagen nicht darum, wer „Schuld“ hat.
    Es geht in erster Linie um das Schicksal von 1800 Mitarbeitern.

    Es geht in zweiter Linie um sehr viele Lieferanten (Verlage) und deren Mitarbeiter, die in Ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht sind.

    Es geht in dritter Linie um die Erhaltung eines Systems, das es über 5600 Buchhandlungen, ermöglicht, die Wünsche Ihrer Kunden zeitnah zu erfüllen.

    Es geht nicht darum irgendwelche Banken oder sonstigen Investoren ihre Kapitalrendite zu sichern oder sie von Verlusten freizustellen.

    Wir haben seit diesem Crash leider nur noch zwei hervorragende und kapitalstarke Barsortimente. Libri und Umbreit sind Unternehmen, die dafür jetzt Verantwortung tragen, dass es im deutschsprachigen Raum weiter einen funktionierenden mittelständischen Buchhandel gibt.
    Trotzdem sind die Branchen- und Barsortimentsumsätze seit Jahren rückläufig. Wenn wir unsere Buchhandlungen und Verlage auf Dauer sichern wollen, ist es notwendig, die verbleibenden Barsortimente zu stärken und KNV nicht unter „die Räuber“ fallen zu lassen.
    D.h. Das Barsortimentsgeschäft von KNV sollte in Zukunft von Umbreit und Libri unter Einbeziehung der hervorragenden Kollegen von KNO übernommen werden.
    Der ganze Bereich der Verlagsauslieferungen sollte von der VVA übernommen werden, natürlich auch unter Einbeziehung der KNO Mitarbeiter.

    Frei von jeglichen romantischen Vorstellungen, wünsche ich uns allen, dass es uns gemeinsam gelingt, noch Schlimmeres zu verhindern.

    Dirk Scholze
    Betriebsberater für den Sortimentsbuchhandel


  • Christian Reichenbach

    Christian Reichenbach

    Wir haben inzwischen den Aufrechnungsverzicht unterzeichnet, um wieder Bestellungen zu erhalten. Gleichzeitig haben wir aber auch dazu aufgefordert, dass im Geiste der vom Insolvenzverwalter zitierten Gläubigergleichbehandlung für alle neuen Bestellungen einheitliche Zahlungsbedingungen festgelegt werden. Es sollte in dieser schwierigen Situation keine Bevorzugungen und Benachteiligungen geben.

  • Mitarbeiter KNV Logistik Erfurt

    Mitarbeiter KNV Logistik Erfurt

    Ich finde es wirklich sehr erschreckend diese Kommentare hier zu lesen! Mag sein das man sich vielleicht übernommen hat oder was auch immer. Aber das sich jetzt alle einfach abwenden kann ja nun auch nicht die Lösung sein. Sollte man nicht lieber einem Traditionsunternehmen welches es schon lange gibt unterstützen? Mag sein das euer Vertrauen an das unternehmen irgendwo verloren gegangen ist, aber noch gibt es die Chance diese Kriese abzuwenden. Das kann aber nur klappen wenn alle mitmachen, also gebt dem Unternehmen und deren Mitarbeiter eine Chance weiter machen zu können.

  • Jens Bartsch

    Jens Bartsch

    @Mitarbeiter der KNV Logistik Erfurt:

    Sorry, aber in den bislang hier aufgelaufenen Kommentaren kann ich beim besten Willen kein allgemeines Abwenden aller vom Unternehmen KNV entdecken – vielmehr einige nicht ganz unberechtigte Skepsis und viele sorgenvolle Fragen in Sachen des eigenen Überlebens. Auch an anderen Stellen liegen zur Zeit viele Nerven blank...

    KNV erlebt aktuell durchaus sehr viel Solidarität, auch die Erste-Hilfe-Aktionen von PROLIT, Brockhaus Commission und anderen Mitspielern unserer Branche sind sehr solidarische Aktionen, um vorübergehend einen akuten Notstand aufzufangen. Und wenn u.a. Bonnier bei der Stange bleibt und die VVA wieder einsteigt, so ist dies ein deutliches Zeichen.

    Aber besonders den vielen Kleinverlagen müssen Sie die ein oder andere kritische Nachfrage und den dortigen Vertrauensverlust zubilligen, denn schließlich sind gerade die aufgrund der ausstehenden Bezahlung ihrer gelieferten Ware massiv und ebenso in ihrer Existenz bedroht wie die Mitarbeiter in Erfurt oder Stuttgart. Eventuell fehlen dann an manchen Stellen unter Einbeziehung der aktuellen Unklarheiten schlicht und ergreifend die Mittel, um in Ihrem Sinne mitmachen und eine Chance geben zu können.

    Der Relevanz des Unternehmens KNV für die Buchbranche sind sich offensichtlich alle anderen Branchenbeteiligten sehr bewusst, aber helfen und unterstützen kann eben jedes Unternehmen, ob groß oder klein, nur im Rahmen der eigenen Möglichkeiten und wirtschaftlichen Verantwortbarkeit.

    Jens Bartsch – Buchhandlung Goltsteinstraße in Köln

  • Kleinverleger03

    Kleinverleger03

    Wir werden KNV keineswegs neu beliefern. Es kann nicht sein, dass Kleinverlage neu belifeern und ihrerseits das volle Haftungsrisiko tragen sollen. Die neuen Zusagen haben unseres Erachtens keinen entscheidenden Wert. Als Massegläubiger mag man gegenüber den Altgläubigern bevorzugt sein. Eine rechtswirksame Zusage auf Begleichung aller neuen Forderungen besteht unseres Erachtens aber nicht. Wenn Herr Wahl weniger Erlös aus der Verwertung des Unternehmens erzielt, als beabsichtigt, bleiben wir als neue Gläubiger auch nach unserer Auffassung auf den neuen Verbindlichkeiten sitzen, oder nicht? Falls ich mir hier irre, korrigieren Sie mich bitte jederzeit gerne!!??

  • kleinerVerlag

    kleinerVerlag

    Guten Morgen, einen kritischen Artikel über die KNV Rettung und ein kritisches Hinterfragen "Braucht es noch ein Barsortiment" ist aus unserer Sicht sehr positiv. Die Situation kann eine Chance sein den Buchmarkt zu reformieren. Bücher über Nacht in einem kleinen Buchladen zu bestellen, das geht übers Internet bequemer. Kleine Buchhandlungen leben von dem Flair, der Spezialisierung und der Beratung. Bücher können Buchhandlungen über die engagierten Verlagsvertreter direkt beim Verlag bestellen. Dadurch haben Verlage einen größeren finanziellen Handlungsspielraum und Verlagsvertreter ein besseres Einkommen. Dank digitaler Zahlungssysteme sind die vielen Rechnungen auch gut händelbar. In der aktuellen Situation im Umgang mit Bestellungen von KNV und deren Belieferung im Insolvenzverfahren: nach anwaltlicher Beratung, können wir uns nicht auf eine Belieferung ohne verkürztes Zahlungsziel von max. 14 Tagen einlassen. Das Risiko eines Zahlungsausfalls würden wir als kleines Unternehmen für einen Riesen tragen. Die gelieferte und noch unbezahlte Ware bis zum 14.02.2019 ist noch in unserem Eigentum und darf nicht verkauft werden und sollte umgehend zurück gesendet werden um den Schaden zu minimieren. Als kleines Unternehmen stehen wir auf dem untersten Rang in einem Insolvenzverfahren. Die Mitarbeiter und Ihre verzweifelte Situation können wir nachvollziehen. Jedoch können die vielen kleinen Verlage für Sie nicht Ihre eigene Existenz aufs Spiel setzten. Der Buchmarkt mit seinem Barsortiment, Rabattsystem und Zahlungszielen hat kleinen Verlagen das Verlegen finanziell enorm erschwert. Reformen und Veränderungen wie in anderen Branchen üblich, sind dringend notwendig.

  • Heiko Walter

    Heiko Walter

    Die Tragweite der Abhänigkeit einer Branche von einigen systemrelevanten Unternehmen ist erschreckend. Ich hoffe nur, dass die Verlage und Lieferanten von KNV vernünftig üder eine Kreditversicheurngslösung verfügten oder sie Ihre Forderungen an eine Factoringgesellschaft verkauft haben und die vielen kleinen Verlage keinen Schaden nehmen.
    Seit der Insolvenz von KNV mehren sich "leider" die Anfragen von kleinen Verlagen auf unseer Webseite Forderungen abzusichern.

    Eine schnelle Lösung für KNV ist für die Branche wichtig.

  • Ein Betroffener

    Ein Betroffener

    Danke für den wunderbaren Artikel.

    Ja, nur alles den Manager in die Schuhe zu schieben, wäre zu einfach. Außerdem gibt's es doch Kontrollmechanismen, in Form von Gesellschafter, Banken, Subventionvergeber usw. und deren Berater. Sie sagten klar, die neue Logistik könne funktionieren und gaben ihre Zustimmung.

    Ein Problem ist: zu wenig Rücklagen, die gewährten Subvention floß in den Sozialplan. Das andere Problem können sie wirklich nichts: der Markt dreht sich schnell. Sehr schnell. Schneller als man ein neues Lager aufzubauen kann. Sie mußten springen, und die Katastrophe begann. Ein Folgekredit, um den Kredit zu bedienen usw. Eines kam zum anderen. Bedenken sie auch: Tagesgeschäft! Wer bis zu einer bestimmten Uhrzeit nachmittags bestellt, bekommt es am nächsten Tag morgens geliefert. Egal wo! Sowohl in Deutschland als in Schweiz.

  • Ulrike Schmidt-Huber, Buchhandlung Schmidt

    Ulrike Schmidt-Huber, Buchhandlung Schmidt

    Ich würde mich gerne mit den Verlagskollegen austauschen. Was mich aber daran hindert, ist die Anonymität, mit der sie hier auftreten. Im Analogen sozialisiert
    wüsste ich gern, mit wem ich spreche.

  • kleinerVerlag

    kleinerVerlag

    Eine Ergänzung zu "Braucht es noch ein Barsortiment". Wir haben ein neutrales Register aller lieferbaren Bücher das VLB mit Angaben zur Verlagsvorschau, Verlagsvertretern, Lieferung etc. unabhängig von Verkaufszahlen. Buchhändler können direkt bei den Verlagen und deren Auslieferung bestellen. Dies ist nicht nur wirtschaftlicher auch nachhaltiger für beide Seiten. Anonym über das Barsortiment Bücher zu beziehen, entzieht dem Verlag nicht nur wichtige Einnahmen, es geht auch der direkte Kontakt zum Händler und Leser dadurch verloren. Nicht nur die kleinen Buchläden wünschen sich ein lokales Einkaufen auch die Verlage sind an einer persönlichen Zusammenarbeit interessiert. Die Insolvenz von KNV sollte zu einem Umdenken in der Branche führen.

  • Michael Kursiefen

    Michael Kursiefen

    @kleinerVerlag: Ich bin mir nicht sicher ob das wirklich wirtschaftlich nahhaltiger für beide Seiten ist, jedes einzelne Buch direkt beim Verlag zu beziehen. Für uns als Händler hat das Barsortiment erhebliche Vorteile:

    1. Lieferung des BS über einen konkurrenzlos günstigen Lieferweg über Nacht - damit erhalten wir uns als Händler - was Lieferzeiten angeht - weiterhin einen wesentlichen Wettbewerbsfaktor gegenüber Amazon & co. und können bis zu 1 Mio. Titel am nächsten Tag an den Kunden, Ihre Leser bringen. Beim Direktbezug kleiner Mengen vom Verlag würden alleine die Transportkosten die schmale Marge für den Handel bereits weitestgehend auffressen.

    2. Kostenvorteile durch gebündelte Abrechnung, zuverlässige Informationen zur Verfügbarkeit, in den im Vergleich zum VLB sehr günstig verfügbaren, Katalogdaten der Barsortimente, Konditionentransparenz, vereinfachte Remissionsmodelle, duchgängige elektronische Lieferscheine für einen rationellen Wareneingang, günstige Warenwirtschaftssystemlösungen, finanzierbare Hostingangebote für Buchhändlerwebseiten und vieles mehr, hängen an den drei Barsortimenten und sind gerade für viele kleinere Sortimente im weiten Rund gerade massiv gefährdet.

    Alle diese Themen können durch ein Umschwenken auf einen Direktbezug bei Verlagen nicht gelöst werden. Würden wir es tun, wären gerade die kleinen Sortimente als erstes wirtschaftlich die Leidtragenden. Und deshalb kann man nur hoffen, dass aus dieser Krise eine weiterhin belastbare und von Wettbewerb geprägte Zwischenbuchhandlesstruktur mit einer finanzierbaren Logistik hervorgeht.

  • Klaus-Peter Stegen

    Klaus-Peter Stegen

    Die Branche hat KV viel zu verdanken. Das Unternehmen und seine Mitarbeiter zu stützen und eine negative Kettenreaktion zu vermeiden ist sinnvoll und ehrenwert. Aber das Undenkbare zu denken und Risiken des eigenen Unternehmens wahrzunehmen ist eine unternehmerische Aufgabe.
    Kommt kein weißer Ritter, ist die Situation für die dort ausliefernden Verlage spätestens in 5 Wochen lebensbedrohlich.

  • Meier

    Meier

    Warum haben eigentlich die “Alt”-Gesellschafter nicht auf die absehbare ungute Entwicklung Einfluß genommen und rechtzeitig die Notbremse gezogen?

  • Martin Reisser

    Martin Reisser

    @Meier
    Wen meinen Sie mit "Alt" Geschäftsführer? Die GF welche für das Chaos in Erfurt verantwortlich sind?

    Ja, KNV ist ein Traditionsunternehmen, aber mit Tradition hat das Unternehmen nichts mehr zu tun. Jeder redet von den 1.000 Arbeitsplätzen in Erfurt, aber keiner wie viele davon in Stuttgart und Köln vernichtet wurden. Auch wenn es einen Sozialausgleich gab, sind dort über 1.000 Mitarbeiter auf die Strasse gesetzt worden. Und dabei langjährige Mitarbeiter, die sich Jahr für Jahr im Weihnachtsgeschäft bis aufs letzte verausgabt haben. Man ging nach Hause, wenn das letzte Buch kommissioniert war, auch wenn es nach Mitternacht war.

    Die GF trägt aus meiner Sicht den entscheidenden Anteil an der Misere. In letzten Jahren wurden einige Fehlentscheidungen getroffen die viel Geld vernichtet haben. Sei es der Kauf eines insolventen Büroartikelhändlers (der übrigens auch an seiner überdimensionierten Logistik erstickt ist) oder eben an dem Umzug nach Erfurt. Die Komplexität ist hausgemacht und man hat eine Logistik in Betrieb genommen, mit einem fast komplett neuen Personalstamm. Der Anteil der stuttgarter und kölner Kollegen in Erfurt geht gegen 0. Der Buchhandel ist speziell...wäre hilfreich gewesen, wenn man auch in der Logistik etwas kompetente und nicht branchenfremde Mitarbeiter in den unteren Bereichen gehabt hätte.
    Davon mal abgesehen, ist Erfurt nicht unbedingt der optimal gewählte Standort in Deutschland. Man erreicht vielleicht den Norden besser, dafür aber nicht mehr Österreich und die Schweiz. Hatte alles vor und Nachteile und es war abzusehen, dass das passiert.
    Hochmut kommt vor dem Fall.

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