Jahresbilanz 2017 der KNV Gruppe

Jahresfehlbetrag in zweistelliger Millionenhöhe

Die F. Volckmar GmbH & Co. KG mit Sitz in Stuttgart hat 2017 einen Umsatz in Höhe von 532,7 Millionen Euro erzielt und damit 2,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Das geht aus dem Konzernabschluss hervor, der heute im Bundesanzeiger online gestellt wurde. Update: Bilanz der KNV Logistik Erfurt.

KNV-Logistikzentrale in Erfurt

KNV-Logistikzentrale in Erfurt © KNV

Das ist die aktuellste Bilanz des Unternehmens, die im Bundesanzeiger vorliegt. In den Konzernabschluss 2017, der im März 2018 erstellt wurde, wurden laut Bilanzmitteilung folgende 13 Unternehmen (2016 waren es noch 17, das ist beim Jahresvergleich zu bedenken) einbezogen:

  • F. Volckmar GmbH & Co. KG, Stuttgart
  • Koch, Neff & Volckmar GmbH, Stuttgart
  • Koch, Neff & Oetinger Verlagsauslieferung GmbH, Stuttgart
  • Volckmar & Koehler GmbH, Stuttgart
  • KN Immobilien GmbH & Co. OHG, Erfurt
  • KNV Logistik GmbH, Erfurt
  • LKG Leipziger Kommissions- und Großbuchhandelsgesellschaft mbH, Rötha
  • Schreyer GmbH, Stuttgart
  • Büropa GmbH, Stuttgart
  • KN Digital Printforce GmbH, Stuttgart
  • KN Finanz GmbH, Stuttgart
  • KNO Logistik GmbH, Stuttgart
  • Grossohaus Wegner & Co. GmbH, Stuttgart

Die BuchPartner GmbH, Darmstadt, und die BHS Service GmbH, Frankfurt, sind durch Veräußerung zum 30. April 2016; die F. Volckmar B.V., Amsterdam, zum 31. Dezember 2016 aus dem Konzernkreis ausgeschieden. Die F. Volckmar GmbH i.L., Wien, wurde wegen abgeschlossener Liquidation zum 1. Januar 2017 entkonsolidiert. Im Übrigen ist der Konzernkreis unverändert, heißt es in der Bilanz.

Wichtige Kennzahlen der Jahresbilanz 2017:

  • Umsatzerlöse: 532,730 Millionen Euro (minus 2,5 Prozent zu 2016; 546,487 Millionen Euro). Davon Inland 406 Millionen Euro (76 Prozent), Ausland 127 Millionen Euro (24 Prozent). Der Konzernabschluss 2017 nennt für 2016 auch den um BuchPartner bereinigten Umsatz: 536,817 Millionen Euro. Auf dieser Basis hätte sich für 2017 ein Umsatzrückgang von 0,8 Prozent ergeben.
  • Löhne und Gehälter: 58,778 Millionen Euro (2016: 63,054 Mio. Euro)
  • Ergebnis vor Steuern: minus 18,040 Millionen Euro (2016: minus 18,25 Mio. Euro)
  • Konzern-Jahresfehlbetrag: 17,872 Millionen Euro (2016: 18,312 Mio. Euro)
  • Eigenkapital: 47,618 Millionen Euro (2016: 65,486 Mio. Euro). Als Grund der Verringerung wird der Jahresfehlbetrag angeführt. Die Eigenkapitalquote sank auf 14 Prozent.

Verlagsauslieferung und Barsortiment

Für den Geschäftsbereich Verlagsauslieferung weist die Bilanz ein Wachstum von 3,1 Prozent aus. Das wird auf Erfolge in der Neuakquisition sowie das wiedergewonnene Vertrauen der Verlage in die Leistungsfähigkeit der KNV Gruppe zurückgeführt.

Das Barsortiment Koch, Neff & Volckmar (KNV) hatte 2017 insgesamt 485,1 Millionen Euro erwirtschaftet und damit rund 1,3 weniger als im Vorjahr (491,3 Mio. Euro). Das hatte das Unternehmen in einer Teil-Bilanz bereits in der vergangenen Woche an den Bundesanzeiger gemeldet (siehe Archiv).

In der aktuellen Bilanz heißt es: "Insbesondere der Buchgroßhandel konnte sich mit einem um 0,3 Prozent geringeren Umsatz gut gegen den Markttrend behaupten". Hervorgehoben werden etwa das Schulbuch- und das Weihnachtsgeschäft als "Eckpfeiler der stabilen Entwicklung".

Verbindlichkeiten

Die Verbindlichkeiten betrugen Ende 2017 insgesamt 256,627 Millionen Euro und hatten zum allergrößten Teil Restlaufzeiten von bis zu einem Jahr. Dabei Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten (61,5 Prozent; 157,703 Mio. Euro; zum Vergleich 2016: 174,259 Mio. Euro), aus Lieferungen und Leistungen (27,5 Prozent) und sonstige (11,1 Prozent).

Per Juni 2017 wurde eine planmäßige Tilgung des Konsortialkredites (siehe unten) in Höhe von 7,0 Millionen Euro geleistet, was zu einer Verringerung der Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten geführt hat. Die zweite Tilgungsrate in Höhe von 7,0 Millionen Euro wurde nach Vereinbarung mit den Banken ausgesetzt, um eine Stärkung der Liquiditätslage zu ermöglichen, was zu einer Erhöhung der verfügbaren kurzfristigen Finanzmittel auch im Vergleich zum Vorjahr geführt habe, so die Bilanz.

Im Zuge der Schließung des Standorts in Metzingen wurde auch die Immobilie verkauft. Aus dem Verkaufserlös konnten laut Bilanz Sondertilgungen in Höhe von 1,6 Millionen Euro geleistet werden. Ebenfalls konnte die vermietete Immobilie in Heidelberg veräußert werden, was zu einem Geldzufluss in Höhe von 1,5 Millionen Euro geführt habe.

Anlagen 2017

Am 31. Dezember 2017 hatte der Konzern bei den Sachanlagen (Anschaffungs- / Herstellungskosten) Grundstücke und Bauten im Wert von 114,395 Millionen Euro (1. Januar 2017: 113,375 Mio. Euro) sowie technische Anlagen und Maschinen im Wert von 73,129 Millionen Euro (1. Januar 2017: 71,148 Mio. Euro).

Die Buchwerte betrugen bei Grundstücken und Bauten am 31. Dezember 2017 95,848 Millionen Euro (31. Dezember 2016: 97,914 Mio. Euro), bei technischen Anlagen und Maschinen 56,331 Millionen Euro (31. Dezember 2016: 59,189 Mio. Euro).

Beschäftigte

Im Durchschnitt gab es im Geschäftsjahr 1.692 Mitarbeiter, davon 1.018 gewerbliche Mitarbeiter, 629 Angestellte und 45 Auszubildende.

Die Rückstellungen (2017: 36,8 Mio. Euro; 2016: 29,2 Mio. Euro) hätten sich vor allem durch Bildung einer Rückstellung für einen Sozialplan sowie einer für den negativen Marktwert der Zinsabsicherungen (SWAP) erhöht.

Nach wie vor befinde sich die Gruppe in einer schwierigen Restrukturierungsphase, was auch an dem ausgewiesenen Jahresfehlbetrag in Höhe von 17,9 Millionen Euro erkennbar sei, räumte die Bilanz ein. Hoffnung setzte man etwa auf Maßnahmen zur nachhaltigen Performancesteigerung bei KNV Logistik.

Prognose: Anschlussfinanzierung als Risiko

Im März 2018 schrieb das Unternehmen in seinem Ausblick: "Die wesentliche Herausforderung im Geschäftsjahr 2018 besteht in der Suche nach einer tragfähigen Anschlusslösung für die zum Jahresende auslaufende Konsortialfinanzierung, um Entwicklung und Fortbestand der Unternehmensgruppe zu sichern." Der Konsortialkredit mehrerer Banken hatte einem Kreditrahmen von ursprünglich 200 Millionen Euro und einer Inanspruchnahme von 157 Millionen Euro zum 31. Dezember 2017.

Weiter hieß es: "Für 2018 rechnen wir mit einer moderaten Entlastung der Kostenseite, durch stetige Optimierung und Effizienzsteigerung. Auch das Konzernergebnis wird sich gegenüber dem Vorjahr nochmals verbessern, allerdings gehen wir weiterhin von einem Verlust im einstelligen Millionenbereich aus. Ab 2019 werden wir wieder positive Jahresergebnisse ausweisen können. Wir gehen für 2018 von einem leichten Umsatzwachstum über dem Marktdurchschnitt aus."

In ihrem Bestätigungsvermerk führte auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Vaih & Partner im März 2018 an: Zur Sicherstellung von Entwicklung und Fortbestand der Unternehmensgruppe sei es notwendig, im Jahr 2018 eine tragfähige Anschlussfinanzierung an den Konsortialkredit zu finden.

Als weiteres Risiko wird die zunehmende Konzentration im Bucheinzelhandel sowie bei den Verlagen genannt, hier sei mit einem "sich fortsetzenden Margendruck zu rechnen", formuliert die Unternehmensgruppe.

Zur F. Volckmar GmbH & Co. KG

Die F. Volckmar GmbH & Co. KG als Mutterunternehmen wurde gebildet, indem jeweils 90 Prozent der Anteile der Unternehmen Koch, Neff & Volckmar GmbH, Koch, Neff & Oetinger Verlagsauslieferung GmbH sowie Volckmar & Koehler GmbH mit Wirkung zum 1. Januar 2009 als Sacheinlage in die F. Volckmar GmbH & Co. KG eingebracht wurden. Die Bewertung der Anteile erfolgte mit den historischen Anschaffungskosten der einlegenden Gesellschafter. Die korrespondierenden Werte wurden in die Rücklagen eingestellt.

Die KNV-Logistik in Erfurt

Die KNV-Logistik in Erfurt © KNV

Update: KNV Logistik

Für die KNV Logistik mit Sitz in Erfurt hat die Unternehmensgruppe − ebenfalls im "Bundesanzeiger" − zudem eine separate Bilanz 2017 veröffentlicht. Danach hat die KNV Logistik 2017 einen Umsatz von 75,141 Millionen Euro erzielt und damit 7,8 Prozent mehr als 2016 (69,717 Mio. Euro). Die Umsatzerlöse resultierten nahezu ausschließlich aus Logistikleistungen an verbundene Unternehmen im Inland, merkt die Bilanz an. Weitere Kennzahlen:

  • EBITDA: minus 1,730 Millionen Euro (2016: minus 5,129 Mio. Euro)
  • EBIT: minus 2,262 Millionen Euro (2016: minus 5,308 Mio. Euro)
  • Jahresfehlbetrag: minus 2,343 Millionen Euro (2016: minus 5,487 Mio. Euro)
  • Löhne und Gehälter: 23,169 Millionen Euro (2016: 22,630 Mio. Euro)
  • Betriebsergebnis: minus 2,262 Millionen Euro (2016: minus 5,308 Mio. Euro)
  • Verbindlichkeiten: 5,979 Millionen Euro (Ende 2017; Ende 2016: 12,274 Mio. Euro)

Die Umsatzsteigerung führt das Unternehmen vor allem darauf zurück, dass der Vollbetrieb der Anlage mit allen Konzernunternehmen erst zum Ende des ersten Quartals 2016 aufgenommen wurde. Dadurch und durch laufende Optimierung und Effizienzsteigerungen habe man den Jahresfehlbetrag mehr als halbieren können.

Die Mietverpflichtungen werden auf 2,037 Millionen Euro beziffert, die Leasingverpflichtungen auf 319.000 Euro. Die Investitionen (482.000 Euro) seien im Wesentlichen für die Betriebsausstattung in Außenlägern getätigt worden. Da die Abschreibungen leicht über den Investitionen lagen, habe sich das Anlagevermögen geringfügig verringert: auf 1,684 Millionen Euro (2016: 1,899 Mio. Euro).

Die Rückstellungen betrugen 1,681 Millionen Euro (2016: 2,212 Mio. Euro).

Anzahl der Mitarbeiter: 982, davon gewerbliche Mitarbeiter (852), Angestellte (106) und Auszubildende (24). Die Aufwendungen für Leiharbeiter seien deutlich gesunken.

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3 Kommentar/e

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  • D. Orie

    D. Orie

    Alles wäre für uns Ḱleinverlage wesentlich einfacher, wenn KNV, Libri und Umbreit nicht die dreimonatige Zahlungsfrist für alle Bestellungen hätten. Am Beispiel von KNV (an die wir am liebsten geliefert haben und auch weiterhin liefern!) sieht man doch genau, dass sich in drei Monaten zu große Außenstände ansammeln kann.

  • Patrick Musial

    Patrick Musial

    @ D. Orie: Sie haben am liebsten an KNV geliefert? Das dürfte sich doch aber geändert haben, oder? Warum sollte man gern an einen Lieferanten liefern, der (nicht nur kleine) Verlage so in Not bringt und das "guten Führungsstil" und Verantwortung hat vermissen lassen?

  • D. Orie

    D. Orie

    @Patrick Musical: Eigentlich besonders wegen der sehr netten Mitarbeiterinnen, aber das ist ja auch nicht entscheidend. Die sehr ärgerliche dreimonatige Zahlungsfrist, die müsste unbedingt verkürzt werden! Angenommen so etwas passiert noch einmal (bei wem auch immer), dann hängen wir wieder im Minus. Statt drei Monaten wäre ein Monat Zahlungspause doch eine gute Absicherungsmaßnahme für kleine Verlage. Oder?

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