Christiane Schulz-Rother zur Märchenbuch-Verschenkaktion

"Ich rate immer, selbst aktiv zu werden"

Zum neuen Angebot von Amazon und Stiftung Lesen, dass die unabhängigen Buchhandlungen bei der Märchenbuch-Verschenkaktion am 20. September mitmachen können, nimmt die Vorsitzende des Sortimenter-Ausschusses des Börsenvereins Stellung. Christiane Schulz-Rother ist Inhaberin der Tegeler Bücherstube und weiterer Buchhandlungen in Berlin.

Christiane Schulz-Rother

Christiane Schulz-Rother © Ines Grabner

Wie war Ihre erste Reaktion auf die Märchenbuch-Verschenkaktion?
Erst war ich erstaunt, dann irritiert und mit der Zeit immer fassungsloser: Erstaunen über die Aktion selbst – denn für mich ist das Verschenken von Märchenbüchern über ein Amazon-Portal keine Leseförderung. Irritiert war ich über den Kreis der Teilnehmer und dann fassungslos, da es keinerlei Bestreben gab, jenseits der beiden größten Filialisten den stationären Buchhandel einzubeziehen. Es gab keinerlei Vorgespräche, Ankündigungen seitens der Stiftung Lesen, Amazon, Hugendubel oder Thalia.

Wie sehen Sie jetzt das neue Teilnahme-Angebot von Amazon?
Unsere berechtigte Kritik hat offensichtlich dazu geführt, dass Amazon nun Bereitschaft signalisiert, uns einzubeziehen. Dies sehe ich erstmal positiv, weil Buchhändler nicht in die Situation gebracht werden, ihre Kunden, die von der Aktion gehört und gelesen haben und die Gesamtzusammenhänge nicht interessieren, auf die Amazon-Plattform umlenken oder nach nebenan zur Konkurenz zu schicken. Inwieweit eine Buchhandlung jetzt diese Aktion unterstützen möchte oder nicht und ob sie sie für sinnvoll hält oder nicht – das muss letztlich jeder Buchhändler für sich selbst entscheiden. Der Sortimenterausschuss unterstützt weder noch gibt er hier eine Empfehlung ab. 

Wie sieht für Sie nachhaltige Leseförderung aus?
Für mich bedeutet Leseförderung das Zusammenkommen mit den Kindern vor Ort in meiner Buchhandlung. Wir Buchhändlerinnen können mit Lesekoffer- und Lesetüten-Aktionen, Vorlesenachmittagen, Leseclubs, Kinderbuchlesungen, Schmökerabenden, der Buchgutschein-Aktion zum Welttag des Buches usw. den Kindern und Jugendlichen zeigen, wie toll es sein kann, in ihrer Buchhandlung das richtig spannende Buch für sich zu entdecken. Die Buchhandlung als Leseort muss dabei gestärkt werden. Und warum nicht den Weltkindertag für eigene Aktionen nutzen?

Zum Beispiel?
In Thüringen ist der 20. September in diesem Jahr erstmals ein Feiertag, das können Sortimenter in diesem Bundesland wunderbar nutzen, um eine Buchaktion zu machen. Ich selbst habe gute Erfahrungen in meiner Brandenburger Filiale gemacht, in der ich regelmäßig Buchaktionen zum 1. Juni mache. Das ist der Internationale Kindertag, der in der DDR gefeiert wurde und der in den Veranstaltungskalendern der östlichen Bundesländer nach wie vor seinen festen Platz hat. Ich rate immer, selbst aktiv zu werden.

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