Preis der Stiftung Buchkunst

„Name, Waffe, Stern“ gewinnt

Der mit 10.000 Euro dotierte „Preis der Stiftung Buchkunst“ 2019 geht an das Buch „Name Waffe Stern. Das Emblem der Roten Armee Fraktion“ (Institut für Buchkunst, Leipzig). Gestaltet wurde das Buch von drei Absolventen der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Am Freitagabend wurde der Preis in Frankfurt am Main übergeben. KUV

Gewonnen: Der Hauptpreis geht an "Name Waffe Stern"

Gewonnen: Der Hauptpreis geht an "Name Waffe Stern" © Kai Vogt

Joachim Unseld mit den Siegern Felix Holler und Daniel Wittner (v.l.)

Joachim Unseld mit den Siegern Felix Holler und Daniel Wittner (v.l.) © Kai-Uwe Vogt

„Das ausgezeichnete Buch zeigt, wie aus Buchstaben und Bildern Waffen werden. Eine zeichentheoretische Entzauberung, hoch willkommen in Zeiten, da zum RAF-Komplex scheinbar alles gesagt ist und das Logo der Terrorgruppe als ahistorische Ikone längst in die Pop-Kultur Einzug gehalten hat“, so Skadi Jennicke, Kulturbürgermeisterin der Stadt Leipzig, in ihrer Laudatio.  Der Siegestitel in der Optik von Archivakten sei "nicht schön im herkömmlichen Sinn, aber dringend notwendig." Jennicke hat den Preis am Freitagabend im Foyer des Museums Angewandte Kunst in Frankfurt an die drei jungen Gestalter aus Leipzig übergeben. 

Das ausgezeichnete Buch war zuvor von einer fünfköpfigen Jury aus den 25 „Schönsten Deutschen Büchern“ ausgewählt worden, die die Stiftung Buchkunst im Juni bekannt gegeben hat. Im Rahmen der Preisverleihung wurden auch die Buchgestalter, Herstellerinnen und VerlegerInnen dieser 25 „Schönsten Deutschen Bücher“ gefeiert. Ein Katalog mit Hintergründen über die Siegertitel des aktuellen Jahrgangs wurde erstmals dem Publikum vorgestellt.

Gebannte Zuhörerinnen und Zuhörer bei der Preisverleihung

Gebannte Zuhörerinnen und Zuhörer bei der Preisverleihung © Kai Vogt

Wanderausstellung der Schönsten Bücher unterwegs

Alle Preisgelder wurden gestiftet von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Die „Schönsten Bücher“ gehen nun auf große Wanderausstellung und werden an zahlreichen Orten im In- und Ausland zu sehen sein. Den Start machen z. B. die Hamburger Bücherhallen im September, danach werden die Altstädter Bücherstuben aus Osnabrück angesteuert. Auch die bestehende Kooperation mit dem Literaturhaus Frankfurt wird fortgeführt: Die 25 prämierten Bücher sind das ganze Jahr über im Foyer des Literaturhauses am Mainufer zu sehen.

Grundlage für den Siegertitel „Name Waffe Stern“ war übrigens die 2017 vorgelegte Diplomarbeit der Gestalter Felix Holler, Jaroslaw Kubiak und Daniel Wittner. Gemeinsam mit ihrem Typografie-Professor Günter Karl Bose hatten die Sieger des Preises der Stiftung Buchkunst außerdem eine Ausstellung zum Thema am Deutschen Buch- und Schriftmuseum in Leipzig kuratiert. "Das wir gewonnen haben, kam total unerwartet. Ich bin völlig sprachlos", musste sich Felix Holler erst einmal sammeln. "Eigentlich waren wir zu jung für dieses Buch. Als Zuspätgeborene haben wir uns durch Kilometer von Literatur zur R.A.F. gewühlt, die meist auch von Zeitgenossen stammt und haben versucht, einen eigenständigen Zugang zum Thema zu finden, so Wittner. "Wir haben einen bewusst spröden Zugang gewählt", ergänzt Holler.

Alle Büchermacher bei den Schönsten Büchern

Alle Büchermacher bei den Schönsten Büchern © Kai Vogt

Auch „Förderpreise für junge Buchgestaltung“ vergeben

Darüber hinaus wurden am Freitagabend die Gewinnerinnen und Gewinner der „Förderpreise für junge Buchgestaltung“ gewürdigt. Ausgezeichnet wurden:

  • Tobias Klett und Lea Kolling für „Weltall Erde Mensch #23“
  • Simon Knebl, Béla Meiers und Friederike Spielmannleitner für „Questions?“
  • Happy Little Accidents aus Leipzig für „Im Zweifel für den Zweifel“

Im Wettbewerb „Förderpreis für junge Buchgestaltung“ werden von einer aus Gestaltern und Hochschulexperten besetzten Jury drei mit je 2.000 Euro dotierte Gewinnertitel ausgewählt, die das Medium Buch weiterdenken. Nicht die perfekte Ausführung, sondern die Idee ist dabei preiswürdig. 

Beim Preisreigen der Stiftung Buchkunst, den „Schönsten Büchern“ hingegen werden auch handwerklich und typografisch höchste Qualitätsansprüche gestellt, wie der Stiftungsvorsitzende Joachim Unseld in seiner feierlichen Eröffnungsrede mit Blick auf die Massenware Buch feststellte. Viele der jährlich 70.000 Neuerscheinungen ständen nicht im Verdacht, preisverdächtig zu sein – dem Primat der günstigen Produktion würde allzuoft eine gute Gestaltung geopfert, beim Umschlag auf einen vermuteten Publikumsgeschmack gezielt Die Jury habe die Perlen herausgefischt. „Die literarischen Schätze, die sich zwischen den Buchdeckeln verstecken, sollen von dem von der Gestaltung wach gewordenen Leser gehoben werden. Die Gestaltung eines Buches ist die gelungene Äußerung des Inneren, wobei ganz im Sinne des Bauhausgedankens Kunst und Handwerk eine greifbare Synthese eingehen. Denn schön ist, was funktioniert“, so Unseld.

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