Schulbuchgeschäft

„Kein Tag an dem die Ware ankommt, wie bestellt“

Schlechte Konditionen und ein Belieferungschaos, das jedes Jahr Lust macht, die Wände hochzugehen: Im Schulbuchgeschäft muss sich dringend etwas ändern, findet der Esslinger Buchhändler Bert Heim, Buchladen die Zeitgenossen.

Bert Heim

Bert Heim © privat

Mich treibt seit wenigen Wochen ein Thema um, das Buchhandlungen betrifft, die auch im Schulbuchgeschäft tätig sind. Es geht, neben den miesen Konditionen, um die unsägliche Belieferung seitens der Verlage und der Bücherwagendienste. Während der Zeit, in denen das Schulbuchgeschäft ansteht, vergeht kein Tag, an dem die bestellte Ware so in unserem Laden ankommt, wie sie bestellt wurde.

  • Veranschaulichen kann man das an einem Beispiel: Bei einem Verlag bestellt wurden 36 diverse Titel in unterschiedlichen Stückzahlen (4 bis 100 Ex.).
  • Der Buchwagendienst liefert einzelne Pakete, die dann auch noch mit gemischten Titeln bestückt sind.
  • Dem Packzettel entnehme ich, dass die gesamte Lieferung aus 14 Paketen besteht, geliefert wurden jedoch erst vier.
  • Natürlich befindet sich keine Rechnung in den Paketen. Drei Tage später kommen nochmals sechs Pakete, der Rest eine Woche danach.
  • Erst dann ist eine Kontrolle und die Bearbeitung der Lieferung möglich.

Zwischendrin liefern auch noch andere Verlage Schulbücher mit ähnlichem Volumen, mit derselben Verzögerung und vermischten Titeln. Ein kleiner Buchladen wie der unsere stößt an die Grenze der Kapazitäten, was Aufwand und Platz betrifft. Wir haben nur einen kleinen Nebenraum, der vorerst proppenvoll mit abschließbar nicht bearbeitbaren Schulbüchern von fünf Schulen ist. Ein Rätsel, dass die Fehlerquote bei Null bleibt und nur durch mehrmaliges Kontrollieren erreicht werden kann. Der Mehraufwand kann nur durch zusätzliches Personal bewältigt werden, wobei die Schwierigkeit darin besteht, dass nicht genau bestimmt werden kann, wann dieses Personal einbestellt werden soll, da nicht klar ist, an welchem Tag die Lieferung kommt. Wer genau an dem Dilemma Schuld trägt ist mir unklar: Die Auslieferungen schieben es auf den Bücherwagendienst, die wiederum an die Verlagsauslieferung. Um Schuld soll es jedoch nicht gehen, sondern um Veränderung! Ich kann mir die logistischen Schwierigkeiten beider zwar vorstellen, aber das Ergebnis nicht tolerieren. Und ich weiß, dass mein geschildertes Problem viele betrifft, die Schulbücher liefern.

Trübe Aussichten

In meiner Stadt gibt es nur noch drei von fünf Buchläden, die annähernd 20 Schulen beliefern und das mit einem lächerlichen Ertrag. Damit verbietet sich meine Überlegung, künftig aus dem Schulbuchgeschäft auszusteigen, denn die übrig gebliebenen KollegInnen würden das nicht alleine stemmen können! Die Stadt würde europaweit ausschreiben oder dem Onlinehandel würde Tür und Tor geöffnet. Trübe Aussichten! Ist es zu viel verlangt, dass sich Verlagsauslieferungen und Bücherwagendienste Gedanken darüber machen, wie das Problem zu lösen ist, das beiden Seiten gerecht wird? Schließlich sind beide logistisch erfahren genug, Dass sie das Problem kennen, davon kann man ausgehen. Dass sie auch Willens sind es zu ändern bleibt ein frommer Wunsch!

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9 Kommentar/e

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  • Sibylla v.Kirchbach

    Sibylla v.Kirchbach

    100 Prozent Zustimmung, genau so habe ich es dieses Jahr auch wieder erlebt.
    Noch dazu sind die Pakete unglaublich, bis zu 25 kg pro Paket.
    Remittenden über KNV Bücherwagendienst sollen nicht schwerer als 15 kg sein!

  • Anne v.Bestenbostel

    Anne v.Bestenbostel

    Ich möchte hier eine Lanze brechen für die Schulbuchverlage und ihre Logistik. Wir nähern uns gerade dem Ende von vier anstrengenden Monaten Schulbuchsaison, hatten aber keine größeren Probleme. Im Gegenteil: Montagnachmittag CVK bestellt, Mittwoch Ware bekommen. Andere Verlage brauchen da länger, aber auch nicht besorgniserregend lange.
    Mein Bücherwagendienst packt mir Paletten um in Wannen und stellt sie in die gewünschte Schulbuchecke. Fehlt mir eine Rechnung, fordere ich sie an und habe sie zwei Minuten später per Mail. Packfehler: nahezu keine. Kaputte Bücher: keine. Lieferbarkeit vor und während der Ferien: super. Danach: naja, geht so.
    Sicher gibt es Buchhandlungen, in denen manchmal alles schiefläuft und die dann berechtigt die Wände hochgehen. Murphy’s Law schlägt halt manchmal zu. Aber bei den meisten Kollegen, oder zumindest bei uns, sind all die Berge glitschige Arbeitshefte und schwere Schulbücher pünktlich und richtig angekommen.
    Konditionen sind ein ganz anderes Thema, Nachlässe aus unserer Tasche auch. Aber so richtig schön wäre das Schulbuchgeschäft doch erst, wenn die Lehrerinnen und Lehrer anfingen nachzudenken und uns vorab zu informieren, welche Bücher es denn dieses Mal sein dürfen, oder? Dass wir das noch erleben, wage ich aber langsam zu bezweifeln.

  • Anette Panhans

    Anette Panhans

    Herr Heim spricht uns aus der Seele - danke!

  • Frank Hermsteiner

    Frank Hermsteiner

    Dass Lieferungen in der heißen Phase des Schulbuchgeschäfts auseinandergerissen werden ist seit Jahren so und lässt sich bei dem Betrieb an den Umschlagplätzen nicht vermeiden.
    In solchen Fällen kontrollieren wir anhand der Packzettel und in dringenden Fällen hat unsere elektronische Warenwirtschaft keinerlei Problem damit, gesplittete Teil-Wareneingänge zu fahren und auf den Rest zu warten.
    Buchhändlerischer Alltag.
    Die Fehlerquote liegt - gemessen am Volumen - auch völlig im zu erwartenden Bereich - bezogen auf Stückzahlen bzw. Volumen deutlich unter 1%.
    Das Platz-Problem muss jede/r für sich selbst lösen. Wir mieten seit vielen Jahren in den Ferien einen für Paletten-Verkehr geeigneten kleinen Lagerraum und toben uns dann dort aus.
    Ansonsten sind bessere Konditionen natürlich immer toll.

  • Haberkorn Daniela Buchhandlung Lesezeichen

    Haberkorn Daniela Buchhandlung Lesezeichen

    Im Weihnachtsgeschäft schaffen Literaturverlage portofrei zu guten Rabatten alle gewünschten Titel rasch per Schnellschiene in die Buchhandlung. Der Schulbeginn steht fest, der Abverkauf der Schultitel birgt für die Verlage kein Risiko. Dennoch ist die Serviceleistung, siehe Artikel, und sind die Rabattmargen nicht vergleichbar. Mein Eindruck ist, am liebsten wird mit dem Internetriesen und den großen Ketten gearbeitet, die unabhängigen Buchhandlungen sind mit ihren Bestellmengen wohl eher lästig!
    Jeden September reibe ich mir die Nerven auf, die Lehrer möglichst innerhalb einer Woche mit den bestellten Titel frei Haus ins Lehrerzimmer zu versorgen. Trotzdem besteht stets die Gefahr die Kunden an den viel schnelleren Internetriesen zu verlieren. Ist dies gewollt???

  • Dirk Bauer

    Dirk Bauer

    Das Chaos ließe sich eventuell vermeiden, wenn die Bestellungen bei den Schulbuchverlagen - falls möglich - mit dem expliziten Vermerk "Bestellweg Paketdienst (DHL, DPD, ...)" aufgegeben werden. Dann müssten die Pakete zeitnah eintreffen. Kostet vermutlich unterm Strich etwas höhere Portokosten, diesen sollten bei weitem durch die gewonnene Effizienz kompensiert werden. Viel Glück!

  • Ladensusi

    Ladensusi

    Was uns allen dieses Jahr sauer aufstieß, war die Tatsache, daß vieles wieder mal über alle Kanäle nicht lieferbar war und die Lehrer, die sich soviel Zeit mit ihrer Titelauswahl ließen und damit nicht unschuldig sind an der Dauer-Misère mit #15, wirklich Druck auf die Schüler machten, beim großen A zu bestellen!!!

    Eine große Bitte an die Schulbuch-Verlage hätte ich noch: Schaut mal einen einzigen Tag einem Buchhändler beim Aus- und wieder Einpacken Eurer Pakete zu und Ihr werdet einsehen, daß Verpackungen, die man in der Mitte wie mit einem Reißverschluß öffnet, einfach total blöd zum Stapeln und Ausliefern sind.
    Vorbildlich ist hier Klett; bei denen versteckt sich leider allerdings die Rechnung seit einiger Zeit ganz unten im Paket. Auch nicht hilfreich.

  • Dorothea Thomé

    Dorothea Thomé

    Die o. g. Probleme kann ich gut nachvollziehen. Nur am Rande bemerkt: Wir - isb-Fachverlag für Lesen und Schreiben - liefern sofort nach einem Tag aus, vergeben sehr gute Rabatte, liefern über DHL
    und: KAUM eine Buchhandlung bestellt direkt, fast alles geht über die Barsortimente. Was kann man hier machen?

  • Anne v.Bestenbostel

    Anne v.Bestenbostel

    Liebe Frau Thomé, diese Frage taucht immer mal wieder auf. Es ist für uns einfach effizienter, Ware mit in der Wanne zu bekommen als ein teures Kleinpackstück mit unbekanntem Rabatt und womöglich ohne BAG-Einzug. Das macht einfach zu viel Arbeit.

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