Kinder- und Jugendbuchmarkt

Ravensburger legt im Buchbereich um 9,7 Prozent zu

Die Ravensburger AG stellt sich neu auf und wächst im Kinder-und Jugendbuchmarkt: Vorstandsvorsitzender Clemens Maier und sein Team gaben heute Morgen aktuelle Zahlen bekannt.

Die Ravensburger-Führungsriege (v.l.): Clemens Maier, Anuschka Albertz und Michael Bartl

Die Ravensburger-Führungsriege (v.l.): Clemens Maier, Anuschka Albertz und Michael Bartl © Stefan Hauck

"Wir verändern uns als Gruppe, weil sich unsere Kunden verändern: Es gibt weniger Zeit, um Bücher zu nutzen, es gibt Konkurrenten wie Netflix. Aber wir sehen das Kinderbuch als nicht gefährdet: Kinder verbringen Zeit mit Spielzeug, mit Büchern, aber auch in der digitalen Welt", umriss Clemens Maier, Vorstandsvorsitzender der Ravensburger AG, heute Morgen die aktuelle Situation. Es werde weiterhin physisch eingekauft, aber es müsse dabei ein Erlebnis geboten werden. Die Produkte würden personalisierter, die Taktzahl bei der Kommunikation darüber sei schneller geworden, so dass Ravensburger vor zwei Jahren eine Strategie entwickelt habe, die seit Jahresanfang ausgeführt werde, so Maier weiter. "Bislang hat es vier nach Produktkategorien orientierte Divsionen in der AG gegeben: Spielwaren, Bücher, Brio und ThinkFun." Als nachteilig habe sich erwisen, dass der jeweilige Händler aber nur auf ein begrenztes Portfolio zurückgreifen konnte und mehrere Ansprechpartner hatte. Zudem gab es Dopplungen in der gesamten Wertschöpfungen.

Die neue Devise: "One face to the customer"

Nun heißt das Motto "Alles aus einer Hand", es gibt vereinfachte Prozesse wie einheitliche Prozesse wie einheitliche Bestellnummern. "Seit März gilt 'One face to the customer'", führte Michael Bartl aus, Director Sales DACH. Das Vertriebsteam wurde neu aufgestellt: Statt bislang neun Außendienstmitarbeitern bereisen nun 20 Deutschland, Österreich und die Schweiz, die Reisegebiete wurden verkleinert, aber die Verterter haben alle Produkte in der Tasche. Dazu kommen 15 Key Accounter für alle Produktbereiche und fünf Mitarbeiter für Merchandising-Verkäufe. "Die preisgebundenen, margensicheren Bücher sind auch für den Spielwarenhandel interessant", merkte die verlegerische Geschäftsführerin Anuschka Albertz an, "der Käufer differenziert nicht nach Produktgruppen, denn im Kinderzimmer mischt sich alles."

Aktuelle Marktzahlen

In der Wirtschafts-Pressekonferenz gab Michael Bartl auch aktuelle Zahlen bekannt. Im ersten Halbjahr 2019 habe die GfK für das Kinder- und Jugendbuch einen Marktanteil von 14 Prozent ermittelt (nach der Belletristik mit 46 Prozent), ein Plus von 4 Prozent. Der Durchschnittspreis sei auf 9,02 Euro leicht angestiegen. Interessant sei, dass junge Selbstkäufer überdurchschnittlich häufig stationär einkauften; der Lebensmittelhandel spielt als Ort für Sponntankäufe auch für Bücher eine immer größere Rolle. Nach den Media-Conrol-Zahlen habe der Markt für den Zeitraum von Januar bis September 2019 um 5,9 Prozent zugelegt, Ravensburger mit seinen Büchern um 9,7 Prozent. Im Kinderbuchmarkt (Lektüre bis 11 Jahre) sei Ravensburger mit einem Anteil von 11,1 Prozent Marktführer (plus 8,8 Prozent), so Bartl. Im Jugendbuch sei der Marktanteil von 5,3 auf 6,5 Prozent gestiegen, im Taschenbuch gar von 7,5 auf 9,6 Prozent. Auch wenn das nur die Zahlen der ersten drei Quartale sind: "Das Weihnachtsgeschäft kommt noch, aber der Handel ist zuversichtlich, dass 2019 ein gutes Jahr wird", so Michael Bartl.

Schwierige Bedarfsthemen angehen

Anuschka Albertz berichtete von Veränderungen im Programm: "Wir wollen zum einen neue Zielgruppen erreichen, mit der auf Key Visuals setzende Pappbuchreihe Edition Piepmatz etwa junge Eltern mit Design-Anspruch." Zum zweiten setze Ravensburger auf Sachbücher mit Relevanz wie mit dem "Guiness World Records"-Band, dessen 2018er Ausgabe sich 200.000 mal verkauft hat. Zum dritten versuche der Verlag, auch für schwierige Bedarfsthemen zu produzieren. Die Erstauflage (15.000 Exemplare) des Wieso?Weshalb? Warum?-Bands "Abschied, Tod und Trauer" etwa sei überraschend schnell ausverkauft worden; auch vom WWW-junior-Band "Helfen, teilen, sich vertragen" seien im Nu 36.000 Exemplare verkauft worden: "Empathie ist ein zunehmend wichtiges Thema für die Kunden", analysierte Albertz.

Revival bei Lesungen

Im Jugendbuch werde die Nähe der Autorinnen zu den Leserinnen immer wichtiger, der Community-Gedanke spielt eine größere Rolle: "Wir erleben dadurch gerade ein Revival von Lesungen, die Leserinnen kommen auch an einem Freitagabend", merkte Albertz an. Für den Herbst 2019 hatte die verlegerische Geschäftsführerin strategisch auf deutschsprachige Autorinnen gesetzt, auch wegen der Netzwerk-Möglichkeiten; eine Rechnung, die aufgegangen zu sein scheint. "Und viele Lizenzen auf dem internationalen Markt haben uns auch nicht überzeugt." Mit Hummelburg habe Ravensburger im erzählenden Kinderbuch "ein sehr eigenständiges Programm mit Ecken und Kanten" in Stand Alones. Bei Tiptoi setzt Albertz, die seit Jahresbeginn die Gesamtverantwortung für Tiptoi trägt, auf eine Weiterentwicklung, die die Bewegung von Kindern fördert.

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