Ermittlungen gegen zwei Tatverdächtige laufen

Hausdurchsuchung bei E-Book-Piraten

Ein 53-jährigen Österreicher und eine 72-Jährige Deutsche sollen mehr als 10.000 E-Books illegal über Tauschbörsen verbreitet und damit gut verdient haben – nun laufen Strafverfahren. 

© Sergey Nivens - stock adobe

Wegen des Verdachts der widerrechtlichen gewerblichen Verwertung von E-Books wurden Hausdurchsuchungen gegen die beiden durchgeführt. Den Tatverdächtigen wird laut der CounterTights Anti-Piracy vorgeworfen, mehr als 10.000 E-Books verbreitet zu haben. Die E-Books wurden über bekannte Filehoster zum Herunterladen zur Verfügung gestellt. Die Tatverdächtigen haben mittels der Vergütungen aus Partnerprogrammen mutmaßlich bis zu mehrere Tausend Euro monatlich damit verdient. 

Am 29. Oktober wurde eine Hausdurchsuchung bei dem Beschuldigten in Wien durchgeführt. Dem 53 Jahre alten Tatverdächtigen wird nun vorgeworfen, seit mehreren Jahren unter dem Internetnamen "wettex" über 18.000 Kopien von E-Book Werken widerrechtlich verbreitet zu haben. Der Beschuldigte hatte Neuerscheinungen von belletristischen E-Book-Werken schon wenige Stunden nach der Veröffentlichung als Downloads in einem Piraterieforum mit über 3 Millionen Mitgliedern zur Verfügung gestellt. Die Ermittlungen gegen ihn laufen schon lange: Sie wurden im Jahr 2016 durch das Unternehmen CounterFights Anti-Piracy in Jena initiiert und von der Staatsanwaltschaft Mühlhausen in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt Erfurt geführt. Der Beschuldigte konnte durch das LKA Erfurt nach aufwendiger und langwieriger Ermittlungen identifiziert werden. 

Da der Beschuldigte in Österreich lebt, musste das Verfahren in Deutschland eingestellt werden. In Österreich werden gewerbliche Urheberrechtsverletzungen nicht von Amts wegen verfolgt. Zwei der betroffenen Rechteinhaber, die dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH (Stuttgart, Baden-Württemberg) und der Written Dreams Verlag (Lehrte, Niedersachsen) führten daraufhin im Wege der Privatklage das Verfahren auf eigene Kosten weiter. Der Selfpublisher Verband, wo zahlreiche betroffene Autoren Mitglied sind, finanzierte das Verfahren zusätzlich. Es sind über 70 Kunden von CounterFights Anti-Piracy betroffen, wie das Unternehmen bekannt gab. 

Keine Hilfe durch Onlineshop 

Während der Ermittlungen konnte laut CounterFights nachgewiesen werden, dass der Beschuldigte die E-Books hauptsächlich aus einem bekannten Onlineshop bezog. Der am Anfang der Ermittlungen in Kenntnis gesetzte Shopanbieter hatte aber eine von den eigenen Kunden und Rechteinhabern gewünschte Unterstützung der Ermittlungen zur Identifizierung des mutmaßlichen Täters ignoriert. Die im Rahmen der Hausdurchsuchung beschlagnahmten Datenträger und technischen Geräte werden nun auch dahingehend ausgewertet, ob sich der Shopbetreiber möglicherweise wegen Beihilfe zu gewerblichen Urheberrechtsverletzungen schuldig gemacht hat.  Wenn der Kundenschutz zum Täterschutz umfunktioniert wird und die widerrechtlichen Handlungen des Beschuldigten trotz Kenntnis auch nicht unterbunden wurden, sollte das nach meiner Ansicht auch rechtliche Konsequenzen für den Betreiber dieses Onlineshops haben“, so Andreas Kaspar, Inhaber von CounterFights Anti-Piracy. Ob es soweit kommt, ist aber fraglich. 

72-jährige E-Book-Piratin hatte es auf die Spiegel-Bestseller abgesehen 

Eine weitere Tatverdächtige sol in einem Internetforum für E-Books und Hörbücher mit über 100.000 Mitgliedern aktiv gewesen sein. Als Supermoderatorin mit dem Internetnamen "echnaton" war sie dort mutmaßlich für etwa zwei Drittel der im Forum verfügbaren widerrechtlichen Kopien von aktuellen E-Book Werken verantwortlich (ca. 10.000 Titel), so das Ermittlungsunternehmen. Die 72-Jährige soll die Verfügbarkeit der E-Books der jeweils aktuellen Spiegel-Bestsellerliste sichergestellt haben. Außerdem soll sie die Suchanfragen der Forenmitgliedern nach weiteren E-Books beantwortet haben. Die von CounterFights Anti-Piracy im Jahr 2018 gestarteten Ermittlungen hatten Hinweise auf die Identität der Beschuldigten ergebenso das Unternehmen, woraufhin Strafanzeigen in Vertretung von über 40 betroffenen Rechteinhabern gestellt wurden. Das Verfahren wurde anschließend von der Staatsanwaltschaft Göttingen übernommen. Das Fachkommissariat Cybercrime der Polizeiinspektion Salzgitter/Peine/Wolfenbüttel hatte daraufhin im Juli 2019 eine Hausdurchsuchung im Haus der Familie der Beschuldigten durchgeführt, wo die Rentnerin lebte und, so SounterFIghts, “in flagranti bei neuen Rechtsverletzungen erwischt wurde. 

Bereits im November 2018 konnte ein weiterer Schwerpunkttäter durch CounterFights Anti-Piracy identifiziert werden, welcher unter dem Namen "RoadWarrior" agierte. Der Beschuldigte im Alter von 58 Jahren hatte in einem großen Piraterieforum Downloads zu tausenden Science Fiction Heftromanen widerrechtlich veröffentlicht. Die Neuerscheinungen aktueller Bände wurden bereits am Tag der Veröffentlichung für die Forummitglieder zur Verfügung gestellt. Der von der Staatsanwaltschaft Hanau beantragte Strafbefehl ist inzwischen rechtsgültig. Der Täter wurde zur Zahlung einer vierstelligen Geldstrafe auf der Basis von 200 Tagessätzen verurteilt. 

 
Über CounterFights Anti-Piracy 

CounterFights Anti-Piracy ist ein 2004 gegründetes inhabergeführtes Ermittlungsunternehmen, das auf die Bekämpfung der physischen und digitalen Produktpiraterie über Vertriebswege im Internet spezialisiert ist. . Zu den Kunden von CounterFights Anti-Piracy gehören deutsche und internationale Verlage und Selfpublishingautor*Innen. 

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1 Kommentar/e

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  • boersenblattlaus

    boersenblattlaus

    CounterTights?

    Ist das ein Club gegen Männer in Strumpfhosen wie Robin Hood?

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