Verleger Markus J. Sauerwald über Legal Tech

Mensch und Maschine

Die Digitalisierung verändert die Arbeit in Kanzleien und Gerichten. Schaffen sich Verleger, Juristen und Fachbuchhändler damit ab? Kommunikationsforum-Verlagsleiter Markus J. Sauerwald über Chancen und Grenzen von Legal Tech.

Markus J. Sauerwald

Markus J. Sauerwald © RWS Verlag

Der digitale Wandel erfasst alle Lebensbereiche, auch den Rechtsbereich. Verlage fürchten, dass ihre Geschäftsmodelle hinfällig werden, Juristen, dass sie selbst überflüssig und viele Tätigkeiten von der Maschine erledigt werden – und Buchhändler, dass sie statt Büchern künftig nur noch E-Reader und Kaffee verkaufen.
 
Was ist Legal Tech? Vereinfacht gesagt, ist dies die Digitalisierung der Rechtspflege. Diese vollzieht sich auch in Form von technischen Programmen, die in der Lage sind, nach Handlungsanweisungen (= Algorithmen) juristische Tätigkeiten zu erledigen. In Banken und Versicherungen ist das schon Alltag, in Anwaltskanzleien nimmt diese Entwicklung langsam Fahrt auf.

Programme, die mittels einer Programmierung menschliches Verhalten nachahmen oder simulieren, ordnet man der "künstlichen Intelligenz" zu. Allgemein spricht man hier aber von einer "schwachen künstlichen Intelligenz". Sie funktioniert nur auf einem oberflächlichen Intelligenzniveau. Zielsetzung ist die Entwicklung einer "starken künstlichen Intelligenz", die die intellektuellen Fähigkeiten des Menschen erreicht oder übertrifft. Einig scheint sich die Wissenschaft aktuell darin zu sein, dass dies in absehbarer Zeit nicht zu erreichen ist.
 
Solange die digitale Transformation der Rechtspflege also bislang "nur" auf Programmen schwacher künstlicher Intelligenz fußt, arbeitet sie mit von Menschen betriebenen und programmierten Werkzeugen. Daraus ergeben sich Chancen.

Großen Verlagen bietet es die Möglichkeit, ihre Fachinformationen in ganz anderer Form in solche Programme einzuspielen und diese "schlauer" zu machen, indem sie viele Schnittstellen solcher Programme mit ihren medienneutralen Daten bedienen.

Juristen müssen die mit Legal Tech erzielten Ergebnisse, etwa einen automatisierten Schriftsatz, beurteilen und ge­gebenenfalls korrigieren. In vielen Fällen oder bei Ersteinrichtung einer Handlungsanweisung wird man dazu auf tiefer­gehende Informationen zurückgreifen oder eigenschöpferische Lösungen für bestimmte Sachverhalte erarbeiten müssen, für die es eben noch kein Handlungsmuster gibt. Die neuen machtvollen Instrumente ergänzen die klassischen Quellen der Literatur in jeglicher Darreichungsform, etwa als Buch, Datenbank oder Ergebnis einer Internetrecherche. Verlagsangebote, die Lösungen anregen, bleiben unersetzlich!
 
Für den Buchhandel wird die Aufgabe wegen der Vielzahl der Trägermedien, auf denen Fachinformationen angeboten werden, komplexer und vielfältiger. Der Buchhandel muss dem Kunden ein passgenaues Informationsangebot erstellen, Print- und Online-Abos managen oder die Informationen in einem Zugangsportal kundengerecht zusammenfassen.
 
Die Umsetzung der digitalen Transformation bemisst sich nicht am Einsatz neuer Technologien. Wir müssen sie als Werkzeuge und als neuartige Hilfsmittel verstehen und in die Geschäftsmodelle, Arbeitsabläufe und Vertriebsangebote integrieren. Der Mensch bleibt so lange am Schalthebel der von ihm programmierten Maschinen sitzen, wie seine einzig­artigen, noch nicht digitalisierbaren Fähigkeiten wie eigenes Bewusstsein, Empathie, Selbsterkenntnis sowie gar Weisheit nicht menschengleich in Programme integriert werden können.

Markus J. Sauerwald ist Rechtsanwalt – und seit 2007 Verlagsleiter beim Kölner RWS Verlag Kommunikationsforum.

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