Ergebnisse der PISA-Studie 2018

Zeit für einen bundesweiten Lesepakt

Die durchschnittlichen Leseleistungen deutscher Schüler bewegen sich auf einem ähnlichen Niveau wie 2009, wobei der Anteil leistungsschwacher Schüler seit 2015 gestiegen ist: Das ist eines der Ergebnisse der heute veröffentlichten PISA-Studie mit Schwerpunkt Lesekompetenz. Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, fordert eine bundesweite Strategie zur Leseförderung.

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Die PISA-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Leistung seit der letzten Studie mit Schwerpunkt Lesekompetenz (2009) in Deutschland noch signifikanter von der sozialen und sozioökonomischen Herkunft abhängt. Demnach sei der Unterschied zwischen Schülern mit und ohne Migrationshintergrund auch mit Abzug des ökonomischen Profils sehr stark. 79 % der befragten Schüler „können die Hauptaussage eines mittellangen Textes erfassen“, nur etwa 11% der deutschen Schüler gelten als besonders leistungsstark (9% im internationalen Durchschnitt). Mehr als ein Viertel der besonders leistungsstarken Schüler sind sozioökonomisch begünstigte Jugendliche. Der Unterschied im internationalen Vergleich liegt damit bei 11%.

Allerdings gelingt es auch rund zehn Prozent der benachteiligten Schüler, beim Leseverständnis zu den besten 25% zu gehören. Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Lesekompetenz zwischen Mädchen und Jungen fielen in Deutschland kleiner aus als im internationalen Vergleich. Mädchen weisen im Allgemeinen trotzdem höhere Lesekompetenzwerte auf. Die PISA-Studie 2018 bestätigte allerdings das Ergebnis von 2009: Mit 24% hat sich der Anteil der besonders leseschwachen Jungen nicht verändert.

„Menschen mit niedrigen Basiskompetenzen laufen heute mehr denn je Gefahr, ausgegrenzt zu werden“, so OECD-Vizegeneralsekretär Ludger Schuknecht bei der Vorstellung der Studie in Berlin. „Die PISA-Ergebnisse sind deshalb eine dringende Aufforderung, in der Schule niemanden zurückzulassen, sondern allen Schülerinnen und Schülern die Kompetenzen zu vermitteln, die sie brauchen, um in der Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts zu bestehen.“

Mangelnde Lesekompetenz fördert Ungleichheit

Neben der Lesekompetenz wurden die Jugendlichen auch nach ihrer Lesemotivation befragt. Dabei gab jeder zweite befragte Jugendliche an, nicht zum Vergnügen zu lesen. Die hauptsächliche Lesemotivation dient der Informationsfindung. Das Lesestrategiewissen ist bei deutschen Schülern überdurchschnittlich stark. Zum Vergnügen lesen vor allem Jugendliche an Gymnasien. Nur jeder vierte deutsche Schüler gibt Lesen als Hobby an.

Nach der Hamburger Erklärung (der Forderung des Börsenvereins in Zusammenarbeit mit der Autorin Kirsten Boie und dem PEN-Zentrum Deutschland nach einer bundesweiten Leseförderung) fordert der Börsenverein nun erneut: „Es ist Zeit für einen bundesweiten Lesepakt.“ Zum zweiten Mal habe man es nun Schwarz auf Weiß, dass es in Sachen Lesekompetenz in Deutschland immensen Nachholbedarf gebe, so Alexander Skipis. Die Ergebnisse der aktuellen PISA-Studie zeigten, dass es „höchst kritisch um die Lesekompetenz von Schülern in Deutschland“ stehe: „Die Leistungsunterschiede zwischen den Schülern sind gravierend. Eine einheitliche bundesweite Strategie zur Leseförderung in Deutschland ist daher unabdingbar. Es ist höchste Zeit für einen Lesepakt, bei dem Politik, Bildungsinstitutionen sowie breite Teile der Zivilgesellschaft Hand in Hand arbeiten – eine Aufgabe, die wir maßgeblich mitgestalten wollen“, resümiert Skipis. Seit der Übergabe der Hamburger Erklärung an die Vertreter der Politik sei nichts passiert. „Wir können das Nichtstun von Seiten der Politik nicht hinnehmen: Mangelnde Lesekompetenz schmälert nicht nur die Chancen jedes einzelnen Schülers auf einen erfolgreichen Bildungs- und Berufsweg und fördert soziale Ungleichheit, sie vermindert auch die Möglichkeit, an gesellschaftlichen Entscheidungs- und Meinungsbildungsprozessen teilzuhaben.“

 

Zur Erhebung

Die PISA-Studie 2018 war mit rund 600.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 79 Ländern und Regionen die bisher größte PISA-Studie. In Deutschland nahmen 5.451 Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 Jahren aus 226 Schulen teil. Neben Kenntnissen beim Leseverständnis, der Mathematik und den Naturwissenschaften hat PISA 2018 auch das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler und den Zusammenhang mit ihren Leistungen untersucht.

 

 

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