Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2020

Auszeichnung für László Földényi

Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2020 wird dem ungarischen Essayisten, Kunsttheoretiker, Literaturkritiker und Übersetzer László Földényi für sein Buch „Lob der Melancholie. Rätselhafte Botschaften“ verliehen.

László Földényi

László Földényi © imago / gezett

Wie das Kulturdezernat Leipzig und die Geschäftsstelle des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung in einer Pressemitteilung erläutern, beschreibe "das nachdenkliche Buch in einem feinen Gewebe von Essays eine vieldeutige Stimmung" und verwehre sich schnellen Antworten. Földényis "Lob der Melancholie" erschien im April 2019 bei Matthes und Seitz Berlin. Akos Doma hat das Werk aus dem Ungarischen übersetzt.

Die Preisverleihung an László Földényi findet zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse am Abend des 11. März 2020 im Gewandhaus zu Leipzig statt. Die Laudatio hält der Publizist und Leiter des Zeit-Feuilletons Adam Soboczynski.

Der Jury des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung 2020 gehören an: Skadi Jennicke (Bürgermeisterin für Kultur der Stadt Leipzig), Michael Krüger (Autor, Verleger, Übersetzer, München), Johannes Riis (Verleger, Kopenhagen), Elisabeth Ruge (Autorin, Verlegerin, Literaturagentin, Berlin) und Daniela Strigl (Essayistin, Kritikerin, Dozentin, Wien).

In der Begründung der Jury heißt es:
"Ein verstörendes, wenig segenreiches Phänomen unserer Zeit ist das des 'Checkertums', die Haltung des stets durchblickenden, aktionsbereiten Machers. Der Checker weiß genau, wie’s geht, ob in puncto Migrationspolitik und Grenzbefestigung, Klima, Handelsabkommen, Minderheiten, nie ist er um eine Antwort verlegen, Grübeln ist verpönt, Kompromisse schließen heißt Kapitulation. Und doch verbirgt sich hinter diesem Aktionsdiktat oftmals eine hässliche Leere, in die mit gefährlicher Konsequenz ein ideologischer Absolutismus zu schießen vermag, ein Denken, das wenig Raum für Anderes, kaum Platz für Andere lässt.

In einer beglückend unzeitgemäßen Volte hat László Földényi sich der Melancholie verschrieben. Er hat sie über Jahrzehnte in großen geistesgeschichtlichen Studien erforscht und sie uns dabei in einer wunderbaren Paradoxie als produktiven Zustand offenbart, als zutiefst lebensbejahende Haltung. Der melancholische Mensch kapituliert nicht, er hält den Blick auf das Unlösbare gerichtet und bringt so den ewigen Kern unserer Existenz zur Anschauung, das zutiefst Widersprüchliche. Es ist der Blick auf das Leben als "hauchdünne Membran', als durchlässige Umgrenzung, nicht Bollwerk. Durchlässig auch für Zivilisation und Barbarei.

In Földényis ungemein anregendem, reichem Werk offenbart sich die Welt als fortwährendes Rätsel, das Hinwendung und Aufmerksamkeit verlangt. Und in eben dieser Aufforderung zur beharrlichen schöpferischen Anteilnahme – auch wenn sie keine Lösungen verspricht – liegt der mögliche zarte Triumph des Lebendigen."

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