Nach 26 Jahren kommt das Aus

"Literaturblatt" wird eingestellt

Das renommierte "Literaturblatt für Baden-Württemberg" wird nach 156 Ausgaben eingestellt. Das bestätigte Gründerin und Herausgeberin Irene Ferchl gegenüber Börsenblatt Online.

Die letzte Ausgabe des "Literaturblatts"

Die letzte Ausgabe des "Literaturblatts" © Literaturblatt

Die Nullnummer des "Literaturblatts" war 1993 erschienen, ab 1994 kam das Magazin alle zwei Monate mit Essays, Porträts, Interviews und Buchbesprechungen sowie einem Terminkalender zu literarischen Veranstaltungen in Baden-Württemberg heraus. Entwickelt habe sich ein Organ, das die Literaturszene des Bundeslandes abgebildet hat, resümiert Irene Ferchl. Dabei gab es jedoch immer wieder auch Inhalte darüber hinaus. Nun wird das Magazin eingestellt ("das ist total schade", so Ferchl), wie zunächst die "Stuttgarter Nachrichten" berichtet hatte. Nach 14 Jahren endete die Zusammenarbeit mit dem Hirzel Verlag, erläutert Irene Ferchl, ein neuer Partner wurde leider nicht gefunden. Ein solcher wäre aber nötig gewesen, um Produktion und Vertrieb professionell organisieren zu können.

Im Editorial der nunmehr letzten Ausgabe November / Dezember 2019 schreibt Ferchl dazu: "Nach 26 Jahren und den Veränderungen in der Verlags- und Buchhandelsbranche können wir nicht weiterarbeiten wie bisher, denn auch eine hochgeschätzte und für viele unersetzliche Zeitschrift muss einigermaßen kostendeckend arbeiten. Dies war nicht mehr gewährleistet."

Die Idee hinter dem "Literaturblatt" war es, neben normalen Abonnenten vor allem Buchhandlungen und Bibliotheken zu bedienen. Diese kauften Exemplare und verteilten sie kostenlos an ihre Kunden und Besucher. Das funktionierte anfangs gut, aber heute sei dies – etwa durch die Konkurrenz des Internets bei Veranstaltungstipps – so nicht mehr machbar, räumt Ferchl ein. Bibliotheken und Buchhandlungen hätten ihre Abnahmezahlen reduziert (zudem hätten viele kleinere Buchhandlungen geschlossen). Die Auflage sei auf zuletzt rund 4.000 Exemplare gesunken, die Anzeigenerlöse gingen zurück.

"Das Literaturblatt war mein Kind", sagt Irene Ferchl und vielleicht sei es jetzt an der Zeit kürzer zu treten, räumt die 65-Jährige mit einem Augenzwinkern ein. Das mag man nicht glauben, wenn sie aufzählt, was sie daneben noch alles "reißt" – Bücher schreiben, Veranstaltungen organisieren und vieles mehr. "Ich habe noch eine Menge Pläne", versichert sie dann auch. Und die Hoffnung habe sie noch nicht aufgegeben, dass es einen neuen Weg für das "Literaturblatt" geben könne. Eine reine Online-Version könne sie sich jetzt allerdings noch nicht vorstellen.

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