HDE schickt Brandbrief an Horst Seehofer

"Wo der Handel stirbt, sterben Stadtzentren"

Angesichts der immer weiter sinkenden Kundenfrequenzen und der zunehmenden Verödung von Innenstädten hat der Handelsverband Deutschland (HDE) einen eindringlichen Appell an Bundesinnenminister Horst Seehofer gerichtet und einen Elf-Punkte-Plan zur Rettung der Innenstädte aufgesetzt.

Leerstand: Schlecht für den Immobilieninhaber, schlecht für die Atmosphäre in der Stadt

Leerstand: Schlecht für den Immobilieninhaber, schlecht für die Atmosphäre in der Stadt © Heiko Küverling / Adobe Stock

"Die Probleme der Händler bringen ganze Innenstädte ins Wanken. Wo der Handel stirbt, sterben Stadtzentren und Dorfgemeinschaften", schreibt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth in seinem Brief an Seehofer. "Wenn vitale und attraktive Stadtzentren ein gesellschaftlicher Wert für unser Gemeinwesen sind, dann müssen auch alle Beteiligten an einem Strang ziehen, um die Innenstädte zu erhalten". Der Handel brauche die richtigen Rahmenbedingungen, um seine zentrale Aufgabe als Versorger der Bevölkerung und Frequenzbringer der Stadtzentren weiterhin erfolgreich erfüllen zu können, heißt es weiter.

In seinem Elf-Punkte-Plan für attraktive Innenstädte macht der HDE die für den Handel entscheidenden Punkte deutlich:

  1. Der stationäre Handel ist und bleibt die Leitfunktion der Innenstädte.
  2. Aufbau digitaler Infrastruktur.
  3. Erreichbarkeit des Standortes Innenstadt sicherstellen.
  4. Baukultur und Flair erhalten.
  5. Handel ist Heimat – die soziale Funktion der Branche honorieren.
  6. Immobilienbesitzer in die Pflicht nehmen.
  7. Kooperationen stärken.
  8. Vorgaben der Raumplanung modernisieren.
  9. Einfachere Genehmigungsverfahren für Nahversorger.
  10. Entwicklung des ländlichen Raumes stärken.
  11. Verlässliche Sonntagsöffnung.

"Die Politik muss das Thema Kundenfrequenz weit oben auf die Agenda setzen, denn die zunehmenden Leerstände werden auch zu einer steigenden Unzufriedenheit der Bürger führen", fordert Michael Reink, HDE-Bereichsleiter Standort- und Verkehrspolitik, im Gespräch mit Börsenblatt online. Hier geht’s zum Interview.

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4 Kommentar/e

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  • Dr. Sonja Ulrike Klug

    Dr. Sonja Ulrike Klug

    Eines der wichtigsten Kernprobleme wurde in der obigen Übersicht vergessen:
    Die Parkplatznot in den Innenstädten!
    Die Kommunen haben seit Jahren Parkgebühren und Falschparken als lukrative Einnahmequellen für sich entdeckt! Dementsprechend ist den Innenstädten das Parken extem teuer und wird immer teurer. Es wird auch nichts dafür getan, um beispielsweise mit Steuergeldern Park-Alternativen in den Innenstädten zu schaffen, also z.B. gezielt Flächen für Parkhäuser zu schaffen und solche Parkhäuser auch zu errichten. Das Abzocken von Parkgebühren ist für die Städte und Kommunen eine ebenso bequeme wie lukrative Nummer, an der sich nichts verändert. Draußen vor den Städten "auf der grünen Wiese" geht es dem Handel gut. Warum? Weil Aldi, Netto, Hit und Co. riesige Parkplatzflächen schaffen, die Leute mit den Autos dorthin fahren, kostenlos parken und dann eben in den Gewerbegebieten AUSSERHALB der Städte bequem einkaufen! Daran etwas zu ändern ist aber rein politisch schon keine Sache, auf die der Bundesinnenminister überhaupt Einfluss hätte, sondern es ist eine Sache der Städte und Kommunen - die auch bei dem kleinkarierten dt. Steuersystem mit komplizierter Umlage zwischen Städten, Ländern und Bund darunter leiden, die Parkplätze als eine der wenigen Einnahmequellen für sich beanspruchen zu können ... Das Problem ist komplex und mit einem simplen Appell und ein paar frommen Worten eines Ministers nicht zu lösen.

  • Jakob Meiner

    Jakob Meiner

    Liebe Frau Dr. Klug,

    das noch mehr Autos in der Innenstadt diese attraktiver macht, halte ich für einen Fehlschluss und empfehle folgenden Artikel über die spanische Stadt Pontevedra: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/pontevedra- fussgaenger-autos-1.4259542

  • Dr. Sonja Ulrike Klug

    Dr. Sonja Ulrike Klug

    Hallo Herr Meiner,

    das Beispiel Pontevedra ist großartig und ein Modellprojekt, das für viele europäische Städte wegweisend wäre! Zugleich erfüllt es aber auch die Kriterien, die Autofahrer und Einkäufer (und Handel) sich wünschen:
    1) Parken - wenn auch außerhalb des Zentrums - kostenlos! Da, wo noch Gebühren kassiert werden, aber nur 1 EUR pro Stunde (vergleichen Sie die Parkgebühren mal mit Bonn, Köln, München, Frankfurt und mit Kleinstädten wie Siegburg usw.!!) - dazu ein top-organisierter ÖPNV, so dass man nach Abstellen des Autos mit Fahrrad oder anderem Verkehrsmittel zu den Geschäften pendeln lässt (= P+R)! Wunderbar, wenn deutsche Städte das schaffen würden!
    Doch derzeit haben wir ein katastrophales Durcheinander von immer weiter steigenden Parkgebühren in den Innenstädten bei gleichzeitig sinkendem oder stagnierendem Angebot an Parkplätzen, suboptimal, zu teuer und einkaufstechnisch an "falschen Stellen" verkehrendem ÖPNV plus sterbendem Handel. Und eine Horde schnarchnasiger Kommunalpolitiker, die nix auf die Reihe kriegen, außer weiter die Innenstadt-Parkgebühren zu erhöhen!
    Mit einem durchdachten Konzept muss es gar nicht sein, dass die Innenstädte mit Autos verstopfen! Sofern man es so "integrativ" wie in Spanien löst, würden sicher viele deutsche einkaufenden Autofahrer (mich eingeschlossen) hier mitmachen! So aber, wie es im Moment läuft, kauft man lieber "auf der grünen Wiese" ein, wo man riesige kostenlose Parkplätze hat. Ich habe bemerkt, dass sich mittlerweile auch schon clevere Buchhandlungen in dieses "Außenfeld", den "Speckgürtel" der Gewerbegebiete begeben, um dort von den Parkplätzen von Aldi, Lidl, Hit und Co. mit zu profitieren.

  • Christoph Schäfer

    Christoph Schäfer

    "... Horde schnarchnasiger Kommunalpolitiker ...."?

    Einerseits werden diese Menschen gewählt, andererseits könnte uns die kluge Frau Doktor vielleicht einmal erläutern, was sie denn ehrenamtlich für die Bürgerinnen und Bürger ihres Wohnortes tut.

    Falls nichts, möge Sie bitte ihre Wortwahl überdenken.

    Politikerbashing wäre wohlfeil, wenn man selbst keinen Beitrag zum Gemeinwohl leisten würde.

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