Nachruf auf Eckhard Kloos

"Im Tonfall nahezu sanft"

Eckhard Kloos, langjähriger Prokurist und kaufmännischer Leiter bei Rowohlt sowie Vorstand der VG Wort, ist am 28. Januar im Alter von 76 Jahren unerwartet verstorben. Ein Nachruf von Reimer Ochs.

Eckhard Kloos

Eckhard Kloos © Monique Wüstenhagen

Eckhard Kloos war der einzige mir bekannte Norddeutsche, der sein Elysium nicht auf Sylt, an der Schlei oder auf Mallorca, sondern im Hintertaunus hatte. Seit Kindertagen war das großväterliche Maibach sein Sehnsuchtsort, von wo der Blick bis zum Kleinen Feldberg schweift.

Nach Schulzeit in Hamburg und Bremen kam der Verlagsbuchhändler − auf Umwegen – 1979 zu Rowohlt, wo er lange Jahre als Prokurist und kaufmännischer Leiter u.a. die schlanken Strukturen organsierte, Herr der Verträge war und Generationen von Azubis mit Empathie und großem Herz auf den Weg in die Spitzen der Buchbranche verhalf.

Wir kamen uns näher, seit ab 2002 die endlosen Runden der Vergütungsverhandlungen zu durchleben waren. Die Delegation der Verlage zeichnete sich damals durch spontanen Ideenreichtum und ausgeprägte Individualität aus, wobei Eckhards Spezialität sein Naturell war: ruhig, aber gründlich. Im Tonfall nahezu sanft hat er mit seiner beharrlichen Verhandlungsausführlichkeit bis an die Grenze der Zermürbung zum bislang einzigen Ergebnis beigetragen, der Vergütungsregel Belletristik.

Die Gegenseite kannte ihn schon von der VG Wort und wusste um das Schwergewicht. Eckhard wurde 1995 Verwaltungsrat der VG Wort, ab 2003 dessen stellvertretender Vorsitzender und wechselte von 2007 bis 2017 in den Vorstand. Unermüdlich war er um die Interessen der Verlage und den Ausgleich mit den Urhebern bemüht, wobei ihm das Sozialwerk der VG Wort besonders am Herzen lag. Der gerichtlich herbeigeführte Zusammenbruch der alten Ordnung hat ihn gepeinigt.

Als 1989 das Verfassungsgericht den Verlagen endgültig die Last der Künstlersozialabgabe bescherte, war Eckhard sofort aktiv an der Gründung der AV Verlage beteiligt. Obschon immer ein Verfechter der sozialen Absicherung der Urheber, erkannte er gleichwohl, dass die Erhebung der Abgabe ein bürokratisches Monster ist und die Möglichkeit einer rechtssicheren pauschalen Vereinfachung sofort zu realisieren war. Dieses war und ist die Ausgleichsvereinigung Verlage, deren Verwaltungsrat Eckhard Kloos von der Gründung bis Ende 2007 war. 2008 wurde er als Nachfolger von Friedhelm von Notz zum geschäftsführenden Vorstand berufen.

Er schied 2015 als Geschäftsführer aus und war uns unverändert bis in die jüngste Vergangenheit ein umsichtiger Berater, wunderbarer Gesprächspartner und lieber Freund.

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4 Kommentar/e

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  • Martina Bergmann

    Martina Bergmann

    Wenig wäre ich ohne ihn.

  • Agnes Krup

    Agnes Krup

    Ohne Eckhard Kloos wäre ich nicht, wer ich bin. Hätte ich, ohne seine Ermutigung, je in einem Verlag gearbeitet? Eckhard brachte mir all das über Lizenzen und Verträge bei, was ich über Jahrzehnte als Agentin und Lizenzverkäuferin nutzen konnte. Zusammen mit seiner Familie war er mir zudem (und vor allem) ein inniger Freund. Ich bin völlig fassunglos, und mein tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau Marita und seinen Kindern mit ihren Familien.

  • Ralph Möllers

    Ralph Möllers

    Ein Schock! Eckhard, war ein großartiger, warmherziger und im doppelten Wortsinn großer Mann, ein wunderbar unaufgeregter Gegenpol zu den oft so selbstverliebten Macherinnen und Machern unserer Branche. Wenn er uns auf unserem Messestand (Terzio Verlag), den seine Tochter genauso unaufgeregt organisierte, besuchte hieß es immer "Der Käpt'n kommt an Bord". Jetzt ist er endgültig von Bord gegangen und wir sind alle unendlich traurig. Ahoi, Käpt'n Eckhard!

  • Elisabeth Vollert

    Elisabeth Vollert

    Eckhart Kloos und ich haben gemeinsam von 1962 bis 64 eine Verlags bzw Buchhandelslehre durchlaufen und uns als Abiturienten sehr erhaben gefühlt, wenn wir zur Berufsschule gehen mussten. Er hatte wunderbar ironische Bemerkungen parat und konnte in seiner ruhigen Art mit pointierten Bemerkungen unsere Situation durch den Kakao ziehen. Ich bin ihm später, da ich im Buchhandel blieb, jedes Jahr auf der Messe begegnet, und jedesmal nahm er sich Zeit für ein intensives Gespräch und einen Meinungsaustausch. Nach seinem Ausscheiden bei Rowohlt habe ich ihn schon sehr vermisst , und jetzt bin ich geschockt über diese Todesnachricht. Die Verlagswelt ist ärmer geworden.....

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