Leichter lesbare Bücher 1/3: Interview mit Beltz-Lektorin Elisabeth Gayer

"Die Autoren sollen nicht beim Schreiben Wörter zählen"

Beltz startet im Frühjahr in seinem Gulliver-Programm eine Reihe mit "super lesbaren" Büchern, die zwischen Lesealter und Leseniveau unterscheiden. Lektorin Elisabeth Gayer erläutert im Gespräch die Entwicklung und die Ziele der Reihe. INTERVIEW: RALF SCHWEIKART

Neben einem literarischen Programm wie Beltz & Gelberg erscheinen jetzt auch bei Gulliver Bücher nicht nur für Besserleser, sondern auch für Schlechterleser – warum?
Auf dem Markt gibt es keinen passenden Lesestoff für diejenigen, die nicht so fitte Leser sind. Wir wollen diesen Kindern adäquate Bücher anbieten, um ihnen den Einstieg ins Lesen zu erleichtern. Sie sollen in die Geschichte eintauchen können und die Freude am Lesen zu entdecken. Da haben wir angesetzt.

Wie haben Sie eruiert, was die Zielgruppe braucht?
Wir haben uns die Bedürfnisse der Zielgruppe sehr genau angeschaut, uns mit Autorinnen und Autoren ausgetauscht, die viele Lesungen an Schulen halten, mit Eltern, Lehrern und Menschen, die in der Leseförderung aktiv sind, gesprochen. Was möchten die buchaffinen Eltern, die ihre Kinder fördern wollen? Wie kann die Lehrerin leseunlustige Kinder motivieren? Welche Themen sind für diese Kinder so interessant, dass sie zum Buch greifen? Wer empfiehlt ihnen die Bücher? All diese Fragen sind in die Konzeption eingeflossen.

Der Text kommt ein wenig daher wie die einfache Sprache, ohne es so zu nennen – mit Absicht?
Wir haben bei Beltz ja schon Erfahrung gesammelt mit Titeln in einfacher Sprache, zum Beispiel die Übertragung in einfache Sprache von Milena Baischs "Anton taucht ab" und Stefanie Höflers "Mein Sommer mit Mucks". Das kam uns auch bei der Entwicklung von "super lesbar" entgegen, wobei es sich hier nicht um Übertragungen, sondern um eigenständige Geschichten handelt. Dafür haben wir eigene Leitplanken erarbeitet, die den Autorinnen und Autoren als Orientierung dienen sollen. Diese sind dabei allerdings nicht als starre Regeln zu verstehen. Die Autoren sollen nicht beim Schreiben Wörter zählen – Vorrang hat die Geschichte, in die die Kinder eintauchen können sollen.

Woran machen sie den Unterschied zwischen Lesealter und Leseniveau fest?
Inhaltlich entsprechen die Bücher der Erfahrungswelt der Leser. Sie bieten altersgerechte Geschichten und vielfältige Themen, sind unterhaltsam, spannend und humorvoll. Sprachlich sind sie aber auf einem einfacheren Leseniveau geschrieben. Unsere Angaben auf den Büchern sind dabei als Empfehlung zu verstehen.

Wenigleser oder Jugendliche, die ihre Lesefähigkeit als eher unterdurchschnittlich einschätzen, sind von Natur aus keine Buchhandlungsbesucher. Wie sollen die superlesbar-Bücher zu ihren Lesern kommen?
Unser Marketing wendet sich vorrangig an Menschen, die in der Leseförderung aktiv sind, an Bibliothekare und an Lehrer. Und natürlich an Eltern, die ein leseschwaches Kind haben und es fördern wollen.

Warum boomen im Moment die Angebote für diejenigen, die weniger Lust auf und Schwierigkeiten mit Büchern haben?
Es ist in den letzten Jahren ja allgemein beklagt worden, dass die Lesefähigkeit zurückgeht. Auch die Forderung der Hamburger Erklärung unterstützen wir, weil es uns auch als Branche auf den Nägeln brennt. Denn die jungen Leser von heute sind die Buchkäufer der Zukunft.

Mehr zum Thema "Leichter lesbare Bücher" lesen Sie im morgen erscheinenden Börsenblatt-Spezial Kinder- und Jugendbuch.

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