Messebuchhandlung Leipzig

Vom Besucher her gedacht

Hugendubel setzt neue Akzente in der Messebuchhandlung – und Aussteller verkaufen ihre Bücher künftig auch selbst: Was sich auf der Leipziger Buchmesse ändert.   NILS KAHLEFENDT

Oliver Zille

Oliver Zille © Martin Jehnichen

Die Diskussion um den Buchverkauf ist mindestens so alt wie die Leipziger Buchmesse auf dem neuen Messegelände. 2020 hat eine Neuordnung Premiere: Die Messebuchhandlung mit ihren drei Standorten soll künftig nach dem Sortimentsprinzip betrieben werden – bei gleichzeitiger Freigabe des Buchverkaufs durch die Aussteller.

Im Ausschreibungsverfahren hatte die Hugendubel Buchvertrieb GmbH die Nase vorn. Die 100-prozentige Tochter der Heinrich Hugendubel KG betreibt unter anderem temporäre Flächen und Pop-Up-Stores, aber auch klassische Shop-in-Shop-­Lösungen wie die rund 160 Filialen in den fusionierten Warenhäusern Karstadt und Kaufhof. »Leipzig ist für uns auch deshalb spannend, weil es die Neuausrichtung unserer Marke nicht nur für die interessierte Öffentlichkeit, sondern auch für die gesamte Branche nochmals sichtbarer macht«, erklärt Nina Hugendubel, geschäftsführende Gesellschafterin von Hugendubel. Die hauseigene Kundenkarte gehört ebenso dazu wie die Partnerschaft mit phase6, einem App-Anbieter für digitales Vokabeltraining. Auch einen Escape Room soll es in Leipzig geben. Hugendubel will stärker auf Frontalpräsentation setzen und eigene Veranstaltungen anbieten, so in Halle 4 auf einer 100-Quadratmeter-Fläche; fürs Programm hat Hugendubel Heike Braun, Projekt­leiterin des Münchner Literaturfests, engagiert.

Klare Regeln 

Ab 2020 dürfen Aussteller ihre Bücher selbst am Stand oder bei Veranstaltungen verkaufen; bislang war das nur über von der Messe organisierte mobile Kassen möglich. Längst nicht alle Verlage wollen den Verkauf samt Bonpflicht selbst abwickeln. Außer der Messebuchhandlung, die den Service für rund 40 Verlage anbietet, sind auch Sortimenter*innen wie Heike Grümmer und Peter Peterknecht dabei, Peterknecht betreut Stand und Lesungen von Bertelsmann.

Die Spielregeln – wie Einhaltung der Preisbindung, kein Verkauf in Kommission oder von Mängelexemplaren / Restauflagen –  sind in den Teilnahmebedingungen fixiert. Ein Verstoß kann mit Vertragsstrafen geahndet werden und in schweren Fällen zum sofortigen Ausschluss von der Messe führen.

Die Einhaltung der Preisbindung will die Messe, im Verbund mit dem Landesverband Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen des Börsenvereins, durch Testkäufe überwachen; Verstöße werden über die Rechtsabteilung des Börsenvereins zur Anzeige gebracht. Mit einer Infokampagne im Vorfeld der Messe sollen Publikum, Aussteller und ihre Dienstleister für die Preisbindungsthematik sensibilisiert werden. »Die Freigabe des Buchverkaufs wird die Messe verändern«, ist sich Buchmessedirektor  Oliver Zille sicher. Wie genau, sei schwer vorherzusagen. Aber: »Wir sind ein lernendes System.«

Karin Schmidt-Friderichs

Karin Schmidt-Friderichs © Gaby Gerster

Liebe Kolleg*innen in den Verlagen,

Leipzig liest und Leipzig liebt Bücher. Das ist gut. Gut für uns ist auch, dass der Verkauf von Büchern auf der Leipziger Buchmesse erlaubt ist. Ganz und gar nicht gut ist es, wenn wir, die wir durch die gesetzliche Preisbindung geschützt werden, gegen diese verstoßen.

Deshalb meine dringende Bitte: Weisen Sie an Ihren Ständen auf die Preisbindung hin! Ihr verdanken wir ein Buchhandelsnetz und eine Verlagsvielfalt, um das bzw. die uns die Welt beneidet. Wir alle verdanken die Sichtbarkeit unserer Bücher im Alltag dem Engagement des Sortiments. Wenn wir an wenigen Tagen im Jahr selbst Endkundenkontakt pflegen, sollten wir aus Respekt vor der Leistung des Handels erstens immer und ausnahmslos zu den festen Ladenpreisen verkaufen und zweitens auf das Erlebnis analogen Bücherkaufs im Handel vor Ort hinweisen.

Herzlich Ihre

Karin Schmidt-Friderichs

Vorsteherin des Börsenvereins

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