Umfrage: Corona-Folgen im Buchhandel

"Hier ist es geradezu gespenstisch leer"

Die Absage der Leipziger Buchmesse und die Angst vor der Ansteckungsgefahr schlagen Wellen bis in den Buchhandel: Sortimenter, die zusammen mit ihren Kunden nach Leipzig fahren wollten, müssen Busse und unter Umständen Hotels stornieren. Und in einigen Läden ist deutlich weniger los.

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Johanna Röhrl

Johanna Röhrl © privat

Johanna Röhrl, Buchhandlung Bücherwurm, Regensburg

"Wir haben unsere Kunden in den Social-Media-Kanälen darüber informiert, dass wir die Zahlungen für die Reise zurückerstatten. Die zwei Busse zu stornieren – das war kein Problem. Ich halte mir diese Option ohnehin immer bis zu zwei Wochen vor dem Reisetermin offen. In die Planung hatten wir eine Mordsarbeit gesteckt, aber mit der Absage hatte ich nach der Diskussion der vergangenen Tage gerechnet. Obwohl der Schaden für die Stadt Leipzig, die Messe, die Verlage und Autoren immens ist, war der Verzicht die einzig mögliche Entscheidung. Auch für unsere Kunden ist die Corona-Gefahr ein Thema: Es gab schon vorher vereinzelte Stornierungen für die Leipzig-Reise und in der Buchhandlung ist deutlich weniger los. Die Leute sind einfach vorsichtig."

Silke Nagel, Buchhandlung Nagel, Abensberg

"Unsere Bustour nach Leipzig war fast ausgebucht, wir haben Zeit und Arbeit in die Vorbereitung der Reise gesteckt. Trotzdem können wir die Entscheidung, die Messe abzusagen, natürlich nachvollziehen. Auch die Kunden reagieren sehr verständnisvoll, die Buchungen erstatten wir in voller Höhe. Als kleines Trostpflaster geben wir unseren Kunden Taschen mit nach Hause, die wir alle zwei Jahre für unsere Leipzig-Tour packen – mit Leseexemplaren und Give-Aways der Verlage.

Finanzielle Belastungen kommen nicht auf uns zu: Das Busunternehmen ist kulant, eine Hotelübernachtung war nicht geplant. Aber: Meine Buchhandlung liegt in einem Einkaufszentrum – hier ist es geradezu gespenstisch leer im Moment. Die Menschen gehen nicht vor die Tür, die Angst vor dem Corona-Virus schlägt sich also auch hier bei uns vor Ort im Umsatz nieder."

Simone Page, Filialleiterin bei Thalia in Kaufbeuren

"Wir wären in diesem Jahr zum 12. Mal mit unseren Kunden nach Leipzig gefahren, mit Übernachtung in Halle, weil die Hotels in Leipzig einfach zu teuer sind. Außerdem wollten wir noch einen Abstecher zum Bauhausmuseum in Dessau machen. Die ersten Kunden haben noch am Dienstagnachmittag, direkt nach der Absage der Buchmesse, bei uns angerufen. Die Ticketpreise erstatten wir natürlich in voller Höhe zurück. Weil wir mit dem Busunternehmen seit Jahren zusammenarbeiten, war die Stornierung hier gar kein Problem. Beim Hotel müssen wir noch abwarten, ich gehe aber davon aus, dass hier höhere Gewalt greift und das Hotel gegen entsprechende Stornierungen versichert ist."

 

Inge Schittkowski, Buchhandlung Graff, Braunschweig

"Dass die Leipziger Buchmesse abgesagt wurde, ist schade, aber verständlich. Wir hatten schon vor der Absage viele Stornierungsanfragen von Kunden, die nicht mehr mitfahren wollten. Im Moment erstatten wir gerade allen angemeldeten Teilnehmern der Tagestour das Geld für die Reise zurück. Mit dem Busunternehmen arbeiten wir schon lange zusammen, die Stornierung war also unkompliziert. Das Material, das wir im Vorfeld von den Verlagen bekommen haben, wollen wir in den nächsten Wochen auf Facebook verlosen. Außerdem werben wir über unsere Social-Media-Kanäle im Moment verstärkt für unseren Lieferservice per Fahrrad und Auto. Denn es sind deutlich weniger Menschen in der Stadt unterwegs als sonst. Vielleicht bestellt sich der eine oder andere seine Bücher ja doch lieber nach Hause."

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1 Kommentar/e

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  • Kleinverlag

    Kleinverlag

    Ich habe mich gewundert, dass das Thema Kundenfrequenz beim Thema Corona bisher noch nicht besprochen wurde, immer wurde und wird nur über das Problem Lieferengpässe geschrieben. Hoffen wir, dass sich dieser gefühlte Rückgang nicht in den Absatzzahlen der nächsten Wochen widerspiegeln wird.

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