BroCom-Chef Matthias Heinrich kritisiert Amazon

"Machiavellismus, sonst nichts"

Matthias Heinrich, Geschäftsführer von BrockhausCommission, greift Amazon an und ruft die Buchhandlungen und Verlage auf, die Lieferketten aufrechtzuerhalten und die Novitäten-Vormerker nicht zu stornieren.

Matthias Heinrich

Matthias Heinrich © Ferdinando Iannone

"Stark irritiert und empört müssen wir feststellen, dass Amazon sich in der Krise rein profitorientiert verhält. Der Warenumschlag Buch wird wohl zugunsten versorgungsrelevanter Produkte stark reduziert. Damit wird es befristet nur zu punktuellen Bestellungen bei Verlagen kommen, das preisgebundene und margenarme Buchgeschäft wird zurückgestellt. Wer darin Gutmenschentum und ein Idealstreben nach einer flächendeckenden Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern durch den Onlinehandel in infrastrukturell schlecht aufgestellten Gebieten vermutet, darf das gerne tun. Für mich/uns grüßt hier eher Machiavellismus, sonst nichts. Wer den Kunden hat, hat die Macht, Neukundengewinnung um jeden Preis. Auf der Strecke bleibt bei Amazon nicht nur das Produkt Buch.

Wir weichen nicht von unserem Kurs ab, die Lieferkette zwischen Partnerverlagen und allen Bestellern möglichst lange aufrechtzuerhalten. Und vor allem auch, diese Lieferkette nach einer womöglich bitteren Durststrecke schnell wieder aufleben zu lassen. Dazu gehört unser Vormerker-Appell und die Initiative zur Bestellthesaurierung. Wenn die Buchhandlungen schließen müssen, garantiert Brockhaus, dass die Vormerkungen erst nach Wiederöffnung der Buchhandlungen ausgeliefert werden.

Unterstützen wir uns alle darin gegenseitig. Rufen wir alle Verlage und die Händler trotz aller Not zu zukunftsorientiertem Augenmaß auf. Gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben lässt sich nicht einfach rebooten, das Backend muss stets weiterlaufen, damit ein Apparat wieder angefahren werden kann. Anders als beim täglichen Neustart des PC.

Natürlich versorgen wir Sie weiter mit verfügbarer Liquidität, wie stets zeitnah und zinslos. Wir halten an Selbstverständlichkeiten fest. Lassen Sie sich von PR-Aktionen nicht blenden, niemand kann gerade den Samariter geben. Bleiben wir alle gerade jetzt auf dem Boden und machen solide unseren Job, verlässlich, einigermaßen solidarisch und ohne große Worte.   

Etwas pastoral: Gemeinsam ist niemand einsam, so naiv das klingen mag. Wir werden auch diese schwere Phase überstehen. Jetzt bleiben Sie erst einmal gesund, wir versuchen es auch."

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5 Kommentar/e

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  • K. Schulz

    K. Schulz

    Vielen Dank für Ihre klaren Worte, lieber Herr Heinrich! - Das bestätigt uns als Verlag einmal mehr, bei Ihrem Unternehmen in den besten Händen zu sein.

  • Steffen Meier

    Steffen Meier

    "Stark irritiert und empört müssen wir feststellen, dass Amazon sich in der Krise rein profitorientiert verhält. Der Warenumschlag Buch wird wohl zugunsten versorgungsrelevanter Produkte stark reduziert." Irgendwie erscheint mir dieser Satz ein Widerspruch in sich. Wenn Amazon Bücher "versorgungsrelevanten" Produkten (für Zyniker: Klopapier und Spaghetti) bevorzugt ist alles gut? Oder, überspitzt formuliert: erst die Bücher, dann das "fressen"?

  • Steffen Meier

    Steffen Meier

    Was mich ehrlich gesagt etwas irritiert: "Amazon defined several categories as essential products that can continue shipping, including baby products; health and household items; beauty and personal care; grocery; industrial and scientific; and pet supplies. Books are included as well."
    (Quelle Reuters) https://www.reuters.com/article/us-health-coronavi rus-amazon-com-exclusi/exclusive-amazon-stops-rece iving-non-essential-products-from-sellers-amid-cor onavirus-outbreak-idUSKBN2142IM

  • Norbert Gillmann

    Norbert Gillmann

    Wieso nützt die Buchbranche das Verhalten von Amazon nicht offensiv für die Kunden (Buchhandel oder Endkunde) aus?
    Im Schulterschluss aller Beteiligten müsste hier lauthals verkündet werden: Liebe/r Kunde/Kundin bei uns bist Du an erster Stelle, bei Amazon nur die Nummer zwei

  • Thomas C. Cubasch

    Thomas C. Cubasch

    Wann, bitte, werden die deutschsprachigen Verlage erkennen, dass die Zusammenarbeit mit einem Riesenkonzern sie um einen großen Anteil ihres Profits bringt?
    Wann, bitte, werden die ersten Verleger und Manager von Groß-Verlagen entscheiden, sich aus dieser Umklammerung zu befreien und aus den Verträgen aussteigen. Ist dann einmal ein gewisses Maß erreicht, bei dem sowohl inhaltliche als auch sprachliche Qualität und, von mir aus, Prominenz der Autoren
    im Angebot fehlt, werden vernünftige Besteller(innen) ihre Wünsche wieder vermehrt direkt an den echten Buchhandel wenden.
    Für literarisch Interessierte gibt es neben den WEBERN eine Reihe guter Bücher, die ein Verhalten wie jenes in der vorindustriellen Zeit (und leider auch später) klar und verständlich darstellen.
    Den Mutigen gehört die Welt - nicht den Nachgiebigen.

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