JIM Studie 2019

Jugendliche lesen weniger Bücher

In ihrer Freizeit griffen im vergangenen Jahr 34 Prozent der Jugendlichen regelmäßig zum Buch, 2018 waren es noch 39 Prozent. Ein Grund: Das Medienrepertoire der Jugendlichen erweitert sich stetig. Das geht aus der JIM Studie 2019 zum Medienverhalten von Mädchen und Jungen zwischen zwölf und 19 Jahren hervor.

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Ergebnisse zum Bücher lesen

In ihrer Freizeit (also nicht für die Schule) lesen 34 Prozent der Jugendlichen mindestens mehrmals in der Woche Bücher, so ein Ergebnis der JIM-Studie 2019. Ein leichter Rückgang: Der Anteil regelmäßiger Leser*innen gedruckter Bücher in der Freizeit pendelte in den letzten Jahren immer um die 40 Prozent-Marke (2018: 39 Prozent; 2017: 40 Prozent; 2016: 38 Prozent).

Innerhalb von 14 Tagen liest ein weiteres Fünftel der Jugendlichen gedruckte Bücher, gut jeder Vierte greift einmal im Monat oder seltener zum Buch.

Beim regelmäßigen Lesen von Büchern (mindestens mehrmals in der Woche) zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern: Bei Mädchen liegt der Wert bei 40 Prozent, bei Jungen bei 28 Prozent. Bei Internet und Smartphone liegen die Werte dagegen jeweils dicht beieinander.

Der höchste Anteil regelmäßiger Leser*innen findet sich 2019 unter den 16- bis 17-Jährigen (36 Prozent). Zum Vergleich die anderen Altersgruppen: 12−13 Jahre: 31 Prozent; 14-15 Jahre: 34 Prozent; 18−19 Jahre: 34 Prozent).

Auch der formale Bildungshintergrund beeinflusst laut Studie die Büchernutzung der Jugendlichen. Während knapp zwei von fünf Gymnasiast*innen (38 Prozent) regelmäßig zum Buch greifen, sind es bei Jugendlichen, die eine Haupt- oder Realschule besuchen, nur 28 Prozent.

Und E-Books?

Diese zeigen laut Studie nach wie vor keine breite Relevanz im Medienalltag Jugendlicher. Wie im Vorjahr lesen nur sieben Prozent der Jugendlichen regelmäßig E-Books, für ein Viertel gehört die Lektüre von elektronischen Büchern zumindest selten zum Freizeitalltag. 75 Prozent der Jugendlichen beschäftigen sich nie mit digitalen Büchern.

Fantasy beliebtester Lesestoff

Diejenigen Jugendlichen, die zumindest selten Bücher lesen (Print oder digital) geben an, von Jahresbeginn bis zum Befragungszeitraum (Mai bis August) neun Bücher gelesen zu haben. Die Hälfte der Befragten (51 Prozent) las auch zum Zeitpunkt der Befragung zur JIM Studie gerade ein Buch (Mädchen: 60 Prozent, Jungen: 42 Prozent). Hierbei weisen die genannten Titel zwar inhaltlich eine große Bandbreite auf, verändern sich über die Jahre aber kaum. Die Klassiker, die von den Jugendlichen seit Jahren gelesen und an dieser Stelle genannt werden, sind nach wie vor "Harry Potter", "Der Herr der Ringe" sowie die Fantasy-Reihe "Eragon".

Lesedauer

Durchschnittlich verbringen die Jugendlichen an einem Wochentag nach eigener Einschätzung 53 Minuten mit dem Lesen von Büchern (2018: 67 Min.). Bei Mädchen (62 Min.) fällt die Lesedauer entsprechend höher aus als bei Jungen (45 Min.).

Nicht-Leser

Mit 18 Prozent gibt knapp ein Fünftel an, nie in der Freizeit in gedruckten Büchern zu lesen. Am stärksten sind die Anteile der Nicht-Leser bei den Altersgruppen 12−13 Jahre (23 Prozent) und 14−15 Jahre (22 Prozent). Bei den älteren Jugendlichen ist der Anteil niedriger: 16−17 Jahre (14 Prozent) und 18−19 Jahre (16 Prozent). Der Anteil der Nicht-Leser ist bei Haupt- und Realschüler*innen (23 Prozent) höher als bei Gymnasiast*innen (15 Prozent).

Die Freizeit-Favoriten

Freizeitaktivitäten

Liebste Freizeitaktivität (mindestens mehrmals in der Woche) ist bei Mädchen (74 Prozent) und Jungen (75 Prozent) sich mit Freunden treffen. Dahinter folgen Sport (Mädchen: 63 Prozent; Jungen: 69 Prozent), Familienunternehmungen (das sagen jeweils 35 Prozent) und "Selbst Musik machen" (Mädchen: 23 Prozent; Jungen: 19 Prozent).

Mediennutzung

Am meisten wird im Internet gesurft, das tun 97 Prozent mindestens mehrmals in der Woche, mit dem Smartphone gedaddelt (96 Prozent) oder Musik gehört (93 Prozent) − regelmäßig Bücher lesen 34 Prozent, wie eingangs geschildert. Dabei erweitere sich das Medienrepertoire der Jugendlichen stetig, so die Macher der JIM Studie. Aktuell hätten etwa drei von vier Familien ein Abonnement für einen Video-Streaming-Dienst wie beispielsweise Netflix oder Amazon Prime Video abgeschlossen. Auch Musik-Streaming-Dienste seien in zwei von drei Familien vorhanden, etwas seltener sind digitale Sprachassistenten wie Alexa in 16 Prozent der Haushalte vertreten.

Online-Videos (84 Prozent) liegen vorm Fernsehen (76 Prozent), was die regelmäßige Nutzung betrifft.

Beim Musikhören steht die Nutzung über Musik-Streaming-Dienste wie  etwa Spotify an erster Stelle: Zwei Drittel der Jugendlichen hören mindestens mehrmals pro Woche über Streaming-Dienste Musik. Unabhängig von der Musiknutzung hören zwei von drei Jugendlichen regelmäßig Radio.

Bezogen auf die Kommunikation ist eindeutig WhatsApp der bevorzugte Kanal, 93 Prozent der 12- bis 19-Jährigen tauschen sich hierüber mindestens mehrmals pro Woche mit anderen aus, 86 Prozent sogar täglich. An zweiter Stelle steht Instagram, das jeder Zweite täglich nutzt (regelmäßig 64 Prozent).

Zur Studie

Für die repräsentative Studie wurden vom 28. Mai bis 17. August 2019 1.200 Jugendliche zwischen zwölf und 19 Jahren telefonisch befragt.

  • Die Studienergebnisse sind unter www.mpfs.de abrufbar.

Die Studienreihe JIM (Jugend, Information, Medien) wird vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest seit 1998 jährlich in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk (SWR) durchgeführt. Die repräsentative Studie bildet das Medienverhalten der Jugendlichen in Deutschland ab. Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest ist eine Kooperation der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) und der medienanstalt rlp (LMK). Die Durchführung der Studie erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk (SWR).
 

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1 Kommentar/e

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  • Dirk Bauer

    Dirk Bauer

    Statt 39 nur noch 34 Prozent regelmäßige Leser entspricht einem Minus von ca. 13% - wenn das "ein leichten Rückgang" sein soll, ab wann tritt dann ein schwerer Rückgang ein?

    Was in der obigen Zusammenfassung u.a. nicht erwähnt wird ist der dramatische Anstieg der Nicht-Leser in der Altersklasse 12-13 Jahre: von 10 % (2018) auf 23% (2019). Das ist ein Zuwachs von 130 Prozent. Und diese Kids sind die Nicht-Buckäufer der Zukunft.

    Die gesamte JIM-Studie 2019 enthält für das Bücherlesen viel Gruseliges. Die in 2018 noch verbreitete Botschaft das Lesen ist stabil, Smartphone & Co. beeinflussen es nicht, ist ziemlich überholt.

    Kleine Hoffnung wäre, dass aufgrund der Verschiebung der Soziodemografie (statt 63% jetzt 57% der Befragten am Gymnasium) die Vergleichbarkeit zu 2018 verzerrt wird.

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