Interview mit Antje Wolters zur Warenkreditversicherung

"Jeder entscheidet selbst über sein Risiko"

21. Februar 2019
von Börsenblatt Online
Wohl denen, die eine Warenkreditversicherung haben und daraus jetzt Geld erhalten. Allerdings: Viele Verlage können oder wollen sich das nicht leisten. Antje Wolters, Pressesprecherin von Euler Hermes mit Details.

Wie funktioniert eine Warenkreditversicherung?
Nehmen wir an, Verlag Müller verkauft Bücher an den Händler Meier. Dabei räumt der Verlag dem Händler ein Zahlungsziel ein, beispielsweise 30, 60 oder 90 Tage. Das ist dann ein sogenannter Warenkredit, bei dem der Händler die Ware erst nach einer fest­gelegten Zeit bezahlen muss. In diesem Zeitraum besteht das Risiko, dass der Buchhändler die Rechnung gar nicht oder nur teilweise bezahlen kann, weil er vielleicht in finanzielle Schwierigkeiten gekommen ist. Dann springt die Versicherung ein.

In welcher Höhe zahlt die ­Versicherung?
Das wird in den Verträgen individuell festgelegt und ist sehr unterschiedlich. Wenn Sie Ware im Wert von 100.000 Euro versichern und 90.000 Euro werden vom Händler nicht bezahlt, wird natürlich der volle Schaden erstattet – abzüglich der vertraglich vereinbarten Selbstbeteiligung. Wenn der Verlag allerdings über die vereinbarte Versicherungssumme hinaus Bücher an den Händler geliefert hat, trägt er für diese das Risiko selbst.

Tendieren die Lieferanten eher dazu, sich voll abzusichern oder ein Risiko in Kauf zu nehmen?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Jedes Unternehmen entscheidet selbst, welches Risiko es eingehen möchte. Im Handel aber spielt die Warenkreditversicherung eine sehr große Rolle. Auch bei schwierigen Branchenentwicklungen und namhaften Insolvenzen steigt das Interesse an einer Absicherung spürbar.

Ist so eine Versicherung für manche Lieferanten nicht schlicht zu teuer?
Es gibt auch Lösungen gerade für kleinere Unternehmen, die preislich attraktiv sind. Da hat sich in den vergangenen Jahren viel getan, zum Beispiel bei Produkten, die wir online mit einem sehr geringen administrativen Aufwand anbieten.

Wie setzt sich der Preis für eine Warenkreditversicherung zusammen?
Wie teuer die Versicherung ist, richtet sich nach verschiedenen Faktoren wie Versicherungssumme, Selbstbehalt, Ausfallwahrscheinlichkeit, Länder- und Branchenrisiken – und vor allem nach der Bonität des jeweiligen Abnehmers. Wir prüfen allein in Deutschland die Bonität von mehr als drei Millionen Unternehmen und berechnen Ausfallwahrscheinlichkeiten.

Wie funktioniert die Abwicklung, wenn ein Schadensfall eintritt?
Ziel ist es, den Schaden immer so schnell wie möglich abzuwickeln. In den meisten Fällen geht das relativ schnell. Es gibt natürlich auch komplexere Fälle, bei denen es ein paar Tage länger dauern kann. Häufig kann es aber auch schneller gehen, wenn der Kunde den 'protracted default' (Nichtzahlungs­tatbestand) vereinbart hat. In diesem Fall entschädigen wir nicht erst bei einer Insolvenz, sondern schon zu einem früheren Zeitpunkt: Der Lieferant hat gemahnt, der Händler aber nicht in der gesetzten Frist bezahlt. Wenn das Mahnverfahren erfolglos verläuft, tritt der vorgezogene Versicherungsfall ein und das Unternehmen erhält das Geld von der Versicherung. Wir versuchen dann, uns das Geld beim Händler zurückzuholen.