In den bislang vier Romanen und zwei Essaybänden von Thomas Stangl lasse sich ablesen, dass das Schreiben eine singuläre Existenzform sein kann, teilt die Deutsche Schillergesellschaft mit. "Seine Bücher führen uns nach Afrika, in das Wien der 30er-Jahre, auf die Anti-Haider Demonstrationen und ins Altenheim. Sie greifen aus, zeitlich wie topografisch, haben verschiedenste Protagonisten und situieren doch alles Geschehen konsequent in einem Bewusstsein, das Wahrnehmungsschärfe, Erinnerungsseismographik und Nachdenklichkeit vereint." Es gebe kein Buch von Thomas Stangl, "in dem man nicht mit Glück und Staunen erfährt, wie unverwechselbar literarische Sprache auch im Erschreiben unserer Zeit ist". Der Schillerpreis 2019 gehe an einen Autor, "der ganz und gar eigenständig auf unsere Gegenwart reagiert", so die Jury.
Lyrik-Preis an Sina Klein
Sina Klein erhält den Anke Bennholdt-Thomsen Lyrikpreis 2019. Sie wurde 1983 in Düsseldorf geboren, studierte dort Romanistik. Derzeit lebt sie als freie Autorin in Wien. Im Klever Verlag erschienen ihre Gedichtbände "Narkotische Kirschen" (2014) und "skaphander" (2018). Ihre Gedichte, geschult an Vorbildern wie Rimbaud und Unica Zürn, seien "dichte, hochmusikalische Gebilde, die eine in der Gegenwartslyrik selten gewordene Dringlichkeit entfalten", urteilte die Jury. "Viele dieser Gedichte lassen sich als Liebesgedichte lesen, die das uralte Werben und Bangen um die Anwesenheit des Anderen mit der Frage verknüpfen, wie einsam uns die digitale Welt macht."
Die Ehrengaben werden am 10. Mai, um 19 Uhr in Marbach vergeben. Die Laudatio auf Thomas Stangl hält Katrin Lange und Norbert Hummelt die auf Sina Klein.
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