Die Sonntagsfrage

„Warum sortiert Thalia nach Jungen- und Mädchenbüchern, Frau Bachhausen-Dewart?"

7. Februar 2020
von Börsenblatt Online
Young Bookstagram, ein Zusammenschluss von Buchfans zwischen 12 und 16 Jahren, hat einen offenen Brief an das Marketing-Team von Thalia geschrieben - mit der Bitte: Schluss mit dem Gendermarketing, mit Büchertischen für Jungs und Mädchen, mit Rosa und Hellblau. Warum Thalia nach Büchern für Jungen und Mädchen sortiert, erklärt Pressechefin Claudia Bachhausen-Dewart.

Um es vorweg zu sagen: Thalia betreibt kein Gender-Marketing. Unsere Buch-Kategorien orientieren sich an gelernten Suchbegriffen und den Wünschen unserer Kunden. Ziel ist es, eine Orientierung zu bieten, die - spielerisch einfach und gut nachvollziehbar - Leser und Bücher zusammenbringt. Dazu gehören neben einer eindeutigen Regalbeschriftung auch aufmerksamkeitsstarke Headlines über unseren Aktions- und Thementischen oder die besonderen Kuratierungen prominenter Lesebotschafter. Durch die regelmäßige Auswertung des Kaufverhaltens, lässt sich gut erkennen, ob ein Thema mit der gewählten Bezeichnung für unsere Kunden funktioniert.

Jede Buchhandlung vor Ort kann eigens zusammengestellte Tische mit einer individuellen Headline versehen oder aber auf eine Auswahl von rund 200 Genre-Plakaten zurückgreifen, die von der Thalia-Redaktion erstellt werden. Die Redaktion greift dabei auf, was in der Öffentlichkeit diskutiert wird und gleicht die Topthemen mit den Verlagsprogrammen ab. Es ist ein dynamischer Prozess, in dem regelmäßig neue Plakate entstehen und veraltete verworfen werden.

Genau wie die Headlines und Plakate, sind auch die Begriffe für Kategorien bei uns nicht statisch, sondern folgen Trends und gesellschaftlichen Veränderungen. Ein Beispiel dafür ist das Thema Nachhaltigkeit. Lange Zeit fand man die entsprechenden Titel in der Rubrik Politik oder Gesellschaft. Heute stellt ‚Nachhaltigkeit‘ eine eigene Kategorie ─ und ist zusätzlich in den Bereichen Gesundheit, bewusster Leben, do-it-yourself, kochen,  etc., vielfach vertreten.

Ein offener Brief von „Young Bookstagram“ an Thalia verweist aktuell auf ein anderes großes gesellschaftliches Thema. Die Gender-Debatte und ein überholtes Rollenverständnis, das sich auch in der nicht mehr zeitgemäßen Einteilung in Jungen- und Mädchenbücher zeigt. In dem Schreiben wurden wir aufgefordert, unsere diesbezügliche Kategorisierung zu überdenken.

Eine Einteilung in Mädchen- und Jungenbücher gibt es in den Thalia Buchhandlungen nicht. Aktionstische, die mit entsprechenden Headlines wie ,starke Jungs‘ oder ,freche Mädchen‘ arbeiten, jedoch schon. Das wollen wir zukünftig anders machen. Über inhaltliche Kategorien wie z.B. „Technik“, „Pferde“, „Erste Liebe“, soll jedes Kind, sowie die Eltern und Großeltern, die passenden Bücher finden. Und auch die Verlage können über Titel- oder Untertitelauswahl, die Covergestaltung und Zielgruppenansprache einen entsprechenden Beitrag dazu leisten.

Der Brief von „Young Bookstagram“ hat uns bewegt und bewegt uns noch. Wir freuen uns über die Denkanstöße, die uns von außen erreichen. Denn wir wünschen uns, auch im Kontext mit unserer Initiative „Welt, bleib wach“, den kritischen Dialog mit unseren Kunden und der Öffentlichkeit, um am Puls der Zeit zu bleiben und uns beständig weiterzuentwickeln.