Kontaktlose Veranstaltung

Axel Hacke liest im Autokino

13. Mai 2020
von Stefan Hauck
Wo sollen Buchhandlungen ihre Lesungen machen? Die Corona-Not macht erfinderisch: Die Kasseler Hofbuchhandlung Vietor lädt in der nächsten Woche am Freitagabend ein zur ersten kontaktlosen Lesung mit Axel Hacke – ins Autokino.

Das Jammern über das, was durch die Corona-Krise komplizierter geworden ist oder im Moment nicht mehr geht, ist Lothar Röses Sache nicht: "Ich möchte lieber überlegen, was ich aktiv machen kann", sagt Röse, der 2014 die 1837 gegründete Hofbuchhandlung Vietor in Kassel übernommen hat. Wenn die gewohnten Bahnen anders verlaufen, muss man neu denken, befand der Buchhändler und kam auf die Idee: Warum nicht eine Autorenlesung im Autokino Baunatal?

Das Autokino selbst ist überhaupt erst durch die Corona-Krise entstanden. "Der Geschäftsführer der Cineplex-Kinos in Kassel und Baunatal kam auf die Idee, weil die Kinos ja schließen mussten – er hat den alten Festplatz neben dem Parkstadion in Baunatal gemietet", berichtet Röse. "180 Autos passen drauf, er hat eine große LED-Wand aufgestellt, und die Vorstellungen sind immer proppenvoll."

Signieren im gläsernen Bücherwagen

Röse kam mit Geschäftsführer ins Gespräch und schnell stand fest: "Wir machen eine Lesung im Autokino". Der Buchhändler fragte den Kolumnisten Axel Hacke an – und Hacke sagte spontan zu. Er wird aus "Wozu wir da sind. Walter Wemuts Handreichungen für ein gelungenes Leben" (Kunstmann) und seinem "Kolumnistischen Manifest" (Kunstmann/Goldmann) lesen, der Hessische Rundfunk kommt und wird über die Premiere am 22. Mai um 20 Uhr im Autokino berichten. 

Zum Signieren wird Hacke in einem Bücherwagen sitzen, der an drei Seiten verglast ist: eine von Röse entworfene Anhänger-Konstruktion, mit der die Buchhandlung Vietor auch auf Stadt- und Stadtteilfesten oder bei Veranstaltungen der Kasseler Markthalle dabei ist. Die Signierwünsche werden per Mikrofon übermittelt, Röse reicht die Bücher dann in der Tüte nach außen.

Alles kontaktlos

Für die außergewöhnliche Veranstaltung müssen sich die Literaturinteressierten voranmelden; Tickets sind nur online erhältlich. "Sie werden dann bei der Einfahrt durch die geschlossene Seitenscheibe gescannt, alles ohne Berührung", erläutert Röse. Die Zuhörer bekommen einen Stellplatz für ihr Auto zugewiesen – Mindestabstand 1,50 Meter. Und wie werden sie dann Axel Hacke hören? "Ganz einfach: Der Ton kommt über das Autoradio."