Ob es "zu sehr pro domo" sei, fragte VdÜ-Vorsitzender Hinrich Schmidt-Henkel eher rhetorisch, wenn einer einen Übersetzerpreis zuerkannt bekommt, der sich von Berufs wegen und quasi hauptamtlich mit der Materie beschäftigt? Die Geschäftsführung des Deutschen Übersetzerfonds ist logische Konsequenz einer anderen Entwicklung: Seit Jürgen Jakob Becker 1990 als Praktikant am LCB begonnen hat, sorgt er verläßlich dafür, dass die Wannsee-Villa auch ein Zuhause für die Weltsprache der Poesie ist. Die Begegnung mit Karin Graf, zu Beginn der 90er Jahr eine Schlüsselperson der Berliner Übersetzerszene, wirkte nachhaltig. Becker hat Übersetzerwerkstätten und Tagungen mit ausländischen Übersetzern am LCB institutionalisiert, mit den Jahren ist er wohl abgeklärter geworden: Wenn ihm heute jemand vom "translation turn" in der Literaturwissenschaft vorschwärmt, ist das für ihn, verhalten euphorisch und also typisch berlinerisch formuliert, "oohch jut" - das war's dann aber auch. Als "genuiner Nichtsegler" weiß Becker, dass auf einer Barke gerudert werden muss - es geht nicht ohne die Kollegen. Und wenn es, was man sich nun gar nicht vorstellen mag, doch einmal anders kommt - dann könne er ja immer noch an den Gestaden des Großen Wannsees "Becker's Barken Verleih" eröffnen.