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Eine Botschaft von Schweizer Verlagen

6. April 2011
Redaktion Börsenblatt
"Interessante Programme für ein internationales Publikum" – Marianne Sax, Präsidentin des Schweizer Buchhändler- und Verleger Verbands (SBVV), berichtet über den Auftakt einer Präsentationsreihe Schweizer Verlage am 4. April in der Berliner Botschaft der Eidgenossen.
Auf der Frankfurter Buchmesse 2010 war zum ersten Mal der neue Schweizer Botschafter in Berlin, Tim Guldimann, beim Empfang des SBVV dabei. Im war es ein Anliegen, etwas Nützliches für die Schweizer Verlage zu tun, weil er von deren Bedeutung für den deutschsprachigen Kulturkreis überzeugt ist. Bücher verbinden, Literatur ist grenzenlos. Dennoch leiden viele Verlage hierzulande darunter, in Deutschland kaum wahrgenommen zu werden.

So entstand während des Treffens mit Verlegerinnen und Verlegern die Idee, Schweizer Verlage in Berlin zu präsentieren. Die Botschaft würde die Residenz im Laufe eines Jahres vier Mal für solche Anlässe zur Verfügung stellen. Die Umsetzung der Idee lag beim SBVV. Pro Helvetia stellte ein Budget zur Verfügung, das es den Verlagen erlaubt, mit je zwei Personen nach Berlin zu reisen und der Börsenverein, Landesverband Berlin-Brandenburg, stellte nicht nur die Adressen der lokalen Buchhandlungen zur Verfügung, sondern lud seine Mitglieder aktiv ein, an der ersten Veranstaltung teilzunehmen.

In diesem ersten Jahr, das wir als Versuchsjahr sehen, sollte der Ablauf so einfach wie möglich sein. Ich entschied in Absprache mit dem Verlegervorstand und der Geschäftsstelle, kein Bewerbungsverfahren durchzuführen sondern wählte drei belletristische Verlage aus, die sich klar voneinander unterscheiden und Zeit hatten, am 4. April in Berlin aufzutreten.

Die Resonanz der Berliner und Brandenburger war überwältigend: Mehr als 70 Anmeldungen trafen ein – aus Interesse an den Verlagen, aber bestimmt auch wegen der einzigartigen Gelegenheit, die berühmte Schweizer Botschaft von innen zu sehen. Sabine Dörlemann, Dorothee Binder von Nagel & Kimche und Peter Graf von Walde + Graf betraten nach der Einführung von Botschafter Guldimann die kleine Bühne im Kaminzimmer der Residenz. In jeweils 20 Minuten erklärten sie, was Schweizer Verlage auszeichnet: die Fähigkeit, interessante Programme für ein internationales Publikum zu produzieren.

Sabine Dörlemann stellte die sorgfältigen Übersetzungen vor, die den Dörlemann Verlag einzigartig machen. Sie nahm auch gleich die Übersetzerin des im August erscheinenden Romans von Elizabeth Taylor (nein, die Schriftstellerin, nicht die Schauspielerin!) mit, die einige Seiten aus dem Manuskript vorlas. Dorothee Binder stellte lebhaft Titel aus dem Nagel & Kimche–Programm vor. Vor allem das Buch von Jürg Altwegg und Roger de Weck: "Sind die Schweizer die besseren Deutschen?" sorgte für Diskussionsstoff. Peter Graf glänzte mit seinem vielseitigen, noch übersichtlichen Verlagsprogramm, das Massstäbe in der grafischen Gestaltung setzt. Mit der Neuedition von "The Monkey Wrench Gang", weiteren literarischen Entdeckungen mit Illustrationen und Graphic Novels will er seinen Platz in der Verlagslandschaft festigen.

Die vielen positiven Rückmeldungen und Gespräche beim geselligen Austausch nach der Präsentation waren beeindruckend. Die Geschäftsführerin des Kulturhauses Dussmann war ebenso anwesend wie zwei Buchhändlerinnen aus Eberswalde in Brandenburg. Das wunderbare Buffet, das von der Botschaft ausgerichtet wurde, trug wesentlich zum guten Gelingen bei.

Die nächsten Verlagspräsentationen in der Residenz sind bereits geplant: Am 27. Juni werden Kunstbuchverlage, am 29. August "Alleskönner" und am 14. November Kinderbuchverlage von der Unterstützung der Schweizer Botschaft und von Pro Helvetia profitieren können. Sollten die Anlässe wiederum die Erwartungen erfüllen, könnte die Reihe im nächsten Jahr in der Schweizer Vertretung einer anderen deutschen Stadt fortgesetzt werden.