Die Deutschen lieben Bücher und Hörbücher – und sorgen im Publikumsmarkt weiter für Aufwind: So lautet das Fazit der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) für 2010. Von Januar bis Dezember habe die Branche 4,13 Milliarden Euro umgesetzt, so Wolfgang Adlwarth, Geschäftsführer der Konzerntochter GfK Panel Services Deutschland, bei einer Präsentation auf der Leipziger Buchmesse; dies entspreche gegenüber 2009 einem Plus von einem Prozent. Adlwarth: "Der 2004 begonnene Wachstumstrend setzt sich also fort."
Sogwirkung des Online-Handels
Das stationäre Sortiment profitiert davon aber nicht – die Zuwächse resultieren auch laut GfK in erster Linie aus der Sogwirkung des Vertriebskanals Internet: Etwa jeder vierte Euro, den die Deutschen privat für Bücher und Hörbücher ausgeben, komme mittlerweile den Online-Shops zugute, während der stationäre Handel an Boden verliere (siehe Grafik). Das Fazit der GfK: 2010 habe das Internet zum ersten Mal tatsächlich Marktanteile weggenommen. Weitere Ergebnisse aus dem Buchmarkt-Panel der GfK zum Thema E-Commerce:
- Die Zahl der Buchkäufer, die im Internet shoppen, hat einen neuen Höchststand erreicht; 2010 hätten insgesamt zwölf Millionen Deutsche Lesestoff via Internet bezogen (gedruckt, digital).
- Damit nutzt jetzt bereits rund ein Drittel (34 Prozent) aller Buchkäufer auch Online-Shops.
- Leser, die im Internet auf ein Buch aufmerksam werden, bestellen es meist auch über diesen Kanal; lediglich in fünf Prozent aller Fälle hätten sie mit einem Ausdruck in der Hand einen Laden in der Nähe aufgesucht.
Dass Amazon.de aus Sicht der Marktforscher die größte Anziehungskraft auf die Buchkäufer ausübt, überrascht kaum. Auf 76,8 Prozent beziffert die GfK-Analyse mittlerweile die Reichweite des Unternehmens (im zweiten Halbjahr 2010). Auf Platz zwei rangiert Weltbild mit den Internet-Shops weltbild.de (Nutzerreichweite: 33,7 Prozent), gefolgt von buecher.de (16,3 Prozent). Alle anderen bewegten sich noch unterhalb der Zehn-Prozent-Hürde, heißt es.
Auch wenn die Reichweite nichts darüber aussagt, wie viel Umsatz ein Unternehmen tatsächlich via Internet macht, lässt sich aus den Zahlen doch zumindest eines ableiten – nämlich, dass die beiden großen deutschen Multichannel-Buchhändler mit ihren Konzepten durchaus Erfolg haben – die DBH mit Weltbild und Thalia mit den Online-Shops thalia.de und buch.de (Nutzerreichweite im zweiten Halbjahr 2010: 8,3 beziehungsweise 8,6 Prozent).
Tamara Weise