London Book Fair

Freie Sicht in London

14. April 2011
Redaktion Börsenblatt
Die Londoner Buchmesse ist gestern ohne spektakuläre Abschlüsse zu Ende gegangen. Nach dem Beinah-Ausfall im Vorjahr, viele Besucher konnten im Frühjahr 2010 aufgrund der Aschewolke nicht anreisen, zeigte sich Messeleiter Alistair Burtenshaw nun zufrieden: Man sei auf dem richtigen Weg.

Tatsächlich konnte die London Book Fair mit fast 1.700 Ausstellern aus 58 Ländern einen Rekord im 40. Jahr verbuchen. Im Russischen Pavillon stellten zum Russland-Schwerpunkt der Messe über 60 Verlage aus. Am Deutschen Gemeinschaftsstand präsentierten sich rund 40 Unternehmen, vor allem Verlage, aber auch Barsortimente, eine separate Abteilung bildete erneut eine Abordnung Berliner Verlage.

Das Rechtezentrum war mit 575 Tischen ausgebucht, im Vorjahr waren 569 Plätze reserviert. Kein einzelnes Buch dominiert die Messe in diesem Jahr. Immerhin gab es einige begehrte Titel, darunter „Revolution 2.0" von Google-Manager Wael Ghonim über den Aufstand in Ägypten. Droemer-Knaur-Chef Übleis hat für das Buch geboten. Alles in allem fällt sein Resümee jedoch nüchtern aus: „Alle sind Hype-gesättigt." Der S. Fischer Verlag lieferte mit dem Buch „Soldaten", das erst jetzt erscheint, ebenfalls Gesprächsstoff. Das Werk dokumentiert teils schockierende Protokolle von Engländern und Amerikanern, die Gespräche deutscher Kriegsgefangener heimlich aufgenommen haben. Die englischen Weltrechte wurden an Knopf verkauft.

Ein Messethema, mit einer steigenden Anzahl entsprechender Seminare und einer Fachkonferenz am Sonntag, waren einmal mehr E-Books und Digitalisierung. Bloomsbury Nigel Newton betrachtet den E-Book-Markt als große Chance für Verlage. Einen Anteil von 30 Prozent am gesamten Buchabsatz hält er schon in fünf Jahren in Großbritannien und den USA für realistisch. Damit könnte ein „goldenes Zeitalter" anbrechen, glaubt Newton. „E-Book ist das große Thema. Es ist das Gebiet, wo Kämpfe stattfinden und eine große Unsicherheit herrscht", sagt Eva Koralnik von der Agentur Liepman.

Die Frankfurter Buchmesse stellte in London die neu gegründete Frankfurt Academy vor. Unter dem Motto Mind Networking soll die Academy, geleitet von Holger Volland, das Frankfurter Messeangebot an Konferenzen, Kongressen und Seminaren bündeln.