Serie (13/20)

Die dienstältesten Ratgeber der Nation

20. April 2011
Redaktion Börsenblatt
Sie überleben jede Mode, manche erreichen sogar Millionenauflagen - die Klassiker im Ratgeberregal. Bis Anfang Mai stellt boersenblatt.net jeden Tag einen dieser Longseller vor. Heute: „Die eheliche Pflicht“ von Karl Weisbrodt (Heel).

Dieser Ratgeber ist besonders, aber zugleich auch sehr sonderbar, zumindest aus heutiger Sicht. Karl Weisbrodt, Mediziner, bespricht darin drängende Fragen rund ums Eheglück: aus dem Blickwinkel von 1879.

Sex sei eine ernste Sache, erfährt der Leser; Zweisamkeit bedürfe wohlüberlegter Vorbereitung... Was ja auch fürs Büchermachen gilt: Der Mediziner ging bedacht zu Werke, seine Zeitgenossen nickten – und schrieben beste Kritiken (Beispiel: "Ein Büchlein, das in sehr dezenter Weise und in durchaus christlichem Sinne von Dingen redet, die sonst für fast unnahbar gelten und in der Tat auch sehr behutsam behandelt sein wollen.")

An der Sache an sich hat sich natürlich wenig verändert, seit der Buchpremiere. Ebenso natürlich: Das Interesse an Weisbrodts Tipps erschöpft sich längst nicht mehr nur im Aha-Effekt (schon eher: Hahaha-Effekt).

Zum Heel Verlag gelangte das Aufklärungsbuch über einen Umweg. „Der Titel wurde Herrn Heel 1990 von einem Bekannten bei einem Abendessen vorgeschlagen, zusammen mit einer Sammlung alter Weinetikette und Speisekarten“, berichtet Verlagssprecherin Corinna Röger. Letzteres wurde nicht als Buch gemacht, dafür aber Weisbrodts medizinischer Ehe-Ratgeber – als Reprint.

Der Titel erschien 1990 zunächst in einer Auflage von 10.000 Exemplaren, nachgedruckt wurde laut Röger erstmals 1995 (noch einmal 10.000 Exemplare). „Zu unserem 25-jährigen Firmenjubiläum im Jahr 2005 haben wir den Titel nochmals hervorgezaubert und seitdem sechs weitere Auflagen mit insgesamt 17.000 Exemplaren gemacht.“ Macht summa summarum: fast 40.000 Exemplare.

Karl Weisbrodt: Die eheliche Pflicht. Heel (zuletzt 2010), 256 S., 6,95 Euro.

Mehr zum Thema finden Sie in unserem Ratgeber-Special.