Für Buchhandelsschließungen gibt es die unterschiedlichsten Gründe, und manche werden als besonders ungerecht empfunden. Wurden Geschäftsaufgaben bislang mit Bedauern hingenommen, so scheint in der jüngsten Zeit eine gewisse Kampfeslust bei den Kunden zu erwachen: In der Bevölkerung regt sich Widerstand, wenn eine Buchhandlung, die Treffpunkt, geistige Tankstelle, "Seele" eines Stadtteils ist, dichtmachen soll. Das stumme Seufzen wird zum öffentlichen Protest.
Als im April bekannt wurde, dass das Forum Librorum in Gießen einem Geschäft für Elektrofahrräder weichen soll, sammelten Studenten an einem Abend knapp 350 Unterschriften: "Bücher sind viel cooler als Elektrofahrräder", so ihr Statement. Im Mai protestierten 2.000 Menschen gegen die Schließung der Morawa-Filiale im österreichischen Knittelfeld und mobilisierten die Bürgerschaft. Vergangene Woche demonstrierten 500 Hamburger für den Erhalt der Buchhandlung Wohlers: Plakate wie "Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele", "Lieber barfuß als ohne Bücher!" oder "Bücher öffnen Welten – Spekulanten zerstören sie" machen den sozialpolitischen Charakter des Protests deutlich.
Die Widerständler akzeptieren nicht mehr, dass Mietpreise mal eben so von 1.400 auf 4.100 Euro erhöht werden und stellen Forderungen an die Öffentlichkeit – also an uns alle. Welche Lebenswelt wollen wir? Sehen wir tatenlos zu, wenn Innenstädte veröden und Buchhandlungen verschwinden sollen? Es sind nicht die typischen Wutbürger, die da auf die Straße gehen, aber ihre Botschaft ist klar: Wir nehmen das nicht länger hin. Wir engagieren uns für die Buchhandlungen, die ein Bestandteil unseres Alltags, unseres Lebens sind. Der Protest beinhaltet die Chance, Entscheidungen zu beeinflussen, Prozesse zu gestalten. Und mithilfe sozialer Netzwerke scheint sich dieser Protest ortsunabhängig zu kanalisieren: Da geht noch was …