Amazon zieht Bilanz

Ein Konzern in der Verlustzone

3. Juli 2015
von Börsenblatt
Das digitale Geschäft wächst, der Kindle-Verkauf brummt, die internationale Reichweite nimmt zu: Amazon bleibt auf der Überholspur, aber das Manöver ist teuer. Im vierten Quartal (Okt.-Dez. 2012) erhöhte sich der Umsatz weltweit um 22 Prozent auf umgerechnet rund 15,7 Milliarden Euro - der Nettogewinn blieb zurück. Für das Gesamtjahr steht ein Minus in der Bilanz.

Das Rennen um Macht und Marktanteile bringt Amazon Umsatz, zehrt offenbar jedoch an den Ressourcen: Im wichtigen Weihnachtsquartal sank der Nettogewinn auf umgerechnet knapp 72 Millionen Euro, im Vorjahr hatte der Konzern fast doppelt so viel in der Kasse – rund 131 Millionen Euro. Damit war der aufgelaufene Verlust nicht mehr wettzumachen: 2012 rutschte der Online-Händler insgesamt ins Minus – der Nettoverlust lag bei 29 Millionen Euro. Im Jahr zuvor machte Amazon hier noch ein Plus (von 468 Millionen Euro).

Analysten sind Medienberichten zufolge mit dem Konzern trotzdem zufrieden – beim Blick auf die Margenentwicklung: Amazon käme auf "unglaublich starke Margen", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Analysten. In Zahlen: Im vierten Quartal kletterte die  Bruttogewinnmarge auf 24 Prozent.

Amazon-Chef Jeff Bezos, ein Mann der großen Gesten, nutzte die Vorstellung der Bilanz noch einmal, um seine Erfolge herauszustreichen – und für seine Kindle-Offensive zu trommeln. "Wir sehen jetzt genau die Entwicklung, wie wir sie erwartet haben", sagte er. "Fünf Jahre nach dem Start sind E-Books für uns ein Multimilliarden-Dollar-Geschäft." Das obendrein schnell wachse: 2012 hätte die Nachfrage deutlich angezogen – um 70 Prozent.

Das Geschäft mit gedruckten Büchern sei indessen rückläufig, so Bezos. Auch wenn es noch wächst. "Im Dezember hatten wir die geringste Zuwachsrate in unserer 17-jährigen Geschichte als Buchhändler." Sie lag, laut Bezos: bei fünf Prozent. Details nannte er nicht. 

Auf seine langfristige Strategie, dürfte sich der Jahresverlust kaum auswirken. Den nimmt Bezos in Kauf – er investiert in Wachstum und kommt da allem Anschein nach auch nicht ins Schlingern. Dass Amazon zum Beispiel sein Logistiknetz weiter ausbaut, wird von Analysten ausdrücklich begrüßt. Dadurch verkürzten sich die Vertriebswege, und die Kosten würden sinken. Das eröffne Chancen auf neue Gewinne.

Wie es um den Ausbau des Logistiknetzes in Deutschland steht und welche neuen Standorte angeblich im Gespräch sind - erfahren Sie in unserem Hintergrundbericht.