Interview mit Douglas-Chef Henning Kreke

"Advent ist ein sehr engagierter Gesellschafter"

3. Juli 2015
von Börsenblatt
Wie es sich anfühlt, mit einem neuen Mehrheitsgesellschafter zu arbeiten, was es heißt, nicht mehr an der Börse notiert zu sein − und wie die Prognosen für das Weihnachtsgeschäft bei Thalia aussehen: Darüber spricht Douglas-Chef Henning Kreke im Interview mit boersenblatt.net.

Sie haben gesagt, dass Sie von Advent, Ihrem neuen Mehrheitseigner, jede Menge lernen können. Was genau können Sie für Thalia mitnehmen?
Die Lernprozesse gelten für alle Unternehmensbereiche. Generell arbeiten wir jetzt noch systematischer und prozessorientierter. Das macht Freude und sorgt für Geschwindigkeit, sodass wir mit neuen Ideen schneller durchstarten können – auch bei Thalia.

Wie fühlt es sich an, wieder ohne den Druck der Börse und ohne die ständige Beobachtung durch die Öffentlichkeit zu agieren, dafür aber mit einem Investor? Weht nun ein anderer Wind im Unternehmen?
Advent ist nicht operativ tätig, aber ein sehr engagierter Gesellschafter, der wichtige und interessante Fragen stellt. Fragen, bei denen man sich manchmal wundert, warum man sie selbst nicht längst gestellt hat. Advent fragt aber nicht nur, sondern fasst auch nach und will unser Geschäft richtig verstehen.

Wird Advent Ihnen langfristig die Treue halten?
Das Unternehmen hat jetzt deutlich langfristiger orientierte Anteilseigner, als es der übliche Aktionär war, der täglich verkaufen konnte. Advent hält seine Beteiligungen üblicherweise fünf bis sieben Jahre, für einen Investor ist das eine vergleichsweise lange Zeit.

Thalia befindet sich auf gutem Weg, wie Sie sagen, die Restrukturierung erfolgreich zu stemmen. Bleibt es dabei: Schwarze Zahlen wie geplant ab Mitte 2014?
Wir haben nun die Freiheit, nicht mehr alle Zahlen veröffentlichen zu müssen. Deshalb nur so viel: Der Cash-Flow von Thalia war immer positiv und ist es auch jetzt. Und Umsatz und Ertrag waren im abgelaufenen Geschäftsjahr besser als erwartet. Darauf kann man aufbauen.

Als ideale Filialgröße für eine Buchhandlung haben Sie 600 bis 800 Quadratmeter ausgemacht und daraufhin einige Läden auf diese Größe "geschrumpft". Fahren Sie gut damit?
Ja, diese Flächen funktionieren gut im Brot- und Buttergeschäft. Das heißt aber nicht, dass nicht auch größere Häuser sehr profitabel sein können. Bei uns wird es auch weiterhin große und sehr große Flächen geben.

Vor kurzem hat die MVB die Gespräche mit der Tolino-Allianz beendet. Damit wird der unabhängige Buchhandel erst einmal nicht Teil der Allianz. Führen Sie derzeit Gespräche mit anderen potenziellen Partnern?
Für Gespräche sind wir immer aufgeschlossen. Wir werden sehen, ob sich noch ein weiterer Partner dazugesellt, andere es selbst versuchen oder ganz lassen.

Mit Klaus Ortner(ehemals Conrad Electronic) haben Sie seit 1. Oktober bei der Thalia Holding ein neues Mitglied der Geschäftsführung. Ortner verantwortet den stationären Vertrieb Deutschland, das Sortimentsmanagement und den strategischen Einkauf. Hinterlässt er schon Spuren?
Herr Ortner ist eine sehr interessante Persönlichkeit, die gut im Unternehmen ankommt. Er nutzt die ersten 100 Tage, um Thalia und die Menschen kennenzulernen. Um sich ein umfassendes Bild zu machen, ist er viel in den Filialen unterwegs. Seine Erfahrung und Kompetenz beim Thema Multichannel, die bei Conrad Electronics mehrfach zu Auszeichnungen geführt haben, können für uns, besonders im Buchbereich, nur hilfreich sein.

Das Weihnachtsgeschäft steht vor der Tür. Mit welchen Gefühlen gehen Sie in die für die Einzelhändler wichtigsten Wochen des Jahres?
Ich bin wirklich sehr positiv gestimmt. Umfragen zeigen, dass es hohe Ausgaben für Bücher geben wird. Verschenkt wird allerdings nicht das digitale Buch, das ist zumindest mein Eindruck. Verschenkt wird das gedruckte Buch, das im Buchhandel gekauft wird. Das merken wir an der hohen Frequenz im stationären Geschäft und online. Durch die Werbekampagne, die wir derzeit für den Tolino fahren, erhoffen wir uns jedoch auch einen guten Abverkauf der Lesegeräte und von E-Books. Wir merken, dass viele Kunden beides machen: digitale und gedruckte Bücher lesen. Das neue Gleichgewicht muss noch gefunden werden und es wird noch einige Verschiebungen geben. Aber: Das gedruckte Buch wird uns erhalten bleiben.