Polnischer Buchfilialist sucht Investor

Kampf um Matras

3. Juli 2015
von Börsenblatt Online
Polens zweitgrößte Buchhandelskette Matras (183 Buchhandlungen) steht vor dem Verkauf. Erschwert wird die Suche nach frischem Kapital und einem Investor durch einen Machtkampf zwischen dem von den Mehrheitsaktionären gestützten aktuellen Matras-Präsidenten Mariusz Rutowicz und dem Verwaltungsrat.

Nach Berichten polnischer Medien wird der Wert des Unternehmens auf bis zu 42 Millionen Zloty geschätzt (rund 10 Millionen Euro). Wie die polnischen Tageszeitungen „Dziennik Polski" und „Puls Biznesu" meldeten, soll es vier Interessenten geben, darunter der Buchdistributor FK Olejesiuk und eine Gruppe polnischer Verlage unter Leitung des Verlagshauses Prószyński. Ein neuer Eigentümer oder Investor wird dem Vernehmen nach noch für dieses Quartal gesucht – besonders Polens größter Buchhändler Empik und der landesweit größte Onlinehändler Merlin.pl zählen zu den schärfsten Konkurrenten von Matras. Zudem leidet auch Matras unter der Krise im polnischen Buchhandel.

„Dziennik Polski" berichtet über einen „Bürgerkrieg" im Unternehmen. Beim Machtkampf zwischen Präsident Mariusz Rutowicz und dem Verwaltungsrat soll es unter anderem um den seit Jahren laufenden Sanierungskurs gehen und um umstrittene Methoden beim Abbau von Mitarbeitern. Polnischen Medien wurde in diesem Zusammenhang ein Video mit dem Präsidenten zugespielt mit der Betreffzeile „Mobbing bei Matras". Es soll zeigen, wie der Präsident den Rauswurf eines unliebsamen Mitarbeiters entgegen geltender Rechtsgrundlagen fordert. Die polnischen Medien reagierten verhalten. Es soll bereits ein Rechtsstreit in der Sache anhängig sein.

Kratzer im Lack hat das Unternehmen durch eine Strafe von Polens Wettbewerbsbehörde UOKiK erhalten: Weil der Onlineshop mehrfach gegen Kundenrechte verstoßen habe (etwa wurden Kunden mehrfach die Portokosten für den Rückversand nicht zurückerstattet), wurde 2013 eine Strafe von 425.000 Zloty für Matras fällig.

Matras unterhält 183 Filialen in 95 polnischen Städten mit einer Fläche zwischen 50 und 500 Quadratmetern. Gestartet ist das Unternehmen 1991 nach der Wende. 2013 lag der Umsatz laut „Publishing Perspectives" bei 220 Millionen Zloty (rund 52 Millionen Euro) bei einem Gewinn von 2 Millionen Zloty (rund 480.000 Euro).