Auseinandersetzung mit Alfred Kerr

"Feinde mit Kriegslyrik geschmäht"

6. Juli 2015
Redaktion Börsenblatt
Mit Alfred Kerr, Namensgeber auch für einen Preis, den das Börsenblatt seit 1977 vergibt (Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik), hat sich Gerhard Henschel in der gedruckten Ausgabe der "FAS" vom 4. Mai befasst (Seite 9). Dabei stellt er die Frage, ob Kerr heute noch als Namensgeber für Preise taugt.

Kerr habe, so Henschel, im Ersten Weltkrieg Feinde mit Kriegslyrik geschmäht. Daraus entbrannte später ein Streit mit Karl Kraus, den Henschel anhand von Zitaten spiegelt.

"Und dennoch gibt es in unseren Tagen einen Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik und einen Alfred-Kerr-Darstellerpreis", schreibt Henschel. Sie würden Jahr für Jahr von Kritikern und Schauspielern entgegengenommen. "Wissen sie alle nicht, dass der Namensgeber kriegsgefangene Russen einst als Wachsstockfresser verhöhnt hat? Oder ist das den Preisträgern gleichgültig?", so Henschels Frage zum Abschluss des Textes.