eBuch und Libri schieben Genialokal.de an den Start

Ein Marktplatz für alle

3. Juli 2015
von Börsenblatt
Die Planungsphase für den neuen gemeinsamen Internet-Marktplatz ist abgeschlossen, jetzt geht es für eBuch an die Umsetzung. Schulter an Schulter mit dem langjährigen Partner Libri bereiten sich die Genossen bereits auf die Eröffnung der Plattform vor – zur Frankfurter Buchmesse (8. bis 12. Oktober 2014) soll es soweit sein. Der Name: Genialokal.de. Auch Buchhändler, die nicht Mitglied der eBuch sind und branchenfremde Einzelhändler sollen sich in einem späteren Schritt beteiligen können. Zunächst kommen die 600 eBuchhändler zum Zug.

eBuch schafft sich mit Genialokal.de eine Infrastruktur, um die viele im E-Commerce bisher einen Bogen gemacht haben: Nicht Individualität und Design-Unikate sind aus eBuch-Sicht Trumpf, sondern Mehrwerte, Komfort  – und eine große Reichweite. „Man sieht es ja an Amazon“, sagt eBuch-Aufsichtsrätin Angelika Siebrands. „Die Leute wollen es einfach und komfortabel haben, Schönheit ist für sie eher ein Nebenaspekt.“

Auf Basis dieser Überlegungen ging es dann weiter: Die Genossen von eBuch entwickelten und einigten sich auf ein Konzept, redeten mit dem Partner Libri, holten eine Agentur für die Softwareentwicklung an Bord.    

Genialokal.de: Wie es auf dem Marktplatz aussieht, wie Kunden einkaufen können, wie eBuch und Libri ihn finanzieren   

eBuch bindet sich. Die Genossen und Libri stehen kurz davor, ihre Verbindung amtlich zu machen: Siebrands zufolge wollen die Partner ein Unternehmen gründen, um für die Entwicklung und den Betrieb der Plattform einen festen, gemeinsamen Rahmen zu haben. Vorgesehen ist, die Anteile zu dritteln - ein Teil geht an die Genossenschaft (eBuch e.G.), eins an die eBuch-Wirtschaftstochter (eBuch GmbH) und eins an Libri. Wie das Unternehmen heißen wird, ist allerdings noch offen. Siebrands: „Wir klären derzeit die letzten Dinge – auch den Namen.“     
 
Der Shop ist Siebrands zufolge eine Neuentwicklung – also nicht mit dem Libri-Shop identisch. Libri unterstütze den gesamten Prozess zwar, „das Konzept kommt aber von der Basis“. Ansonsten ist das Barsortiment in erster für die Logistik zuständig, wickelt künftig auch die Versandbestellungen ab, die über genialokal.de bei den Buchhandlungen eingehen.  

Ein Shop für alle - die eBuch will nicht unter sich bleiben

Buch denkt daran, die Plattform über mehrere Stufen zu öffnen. Zum Start, der zur Frankfurter Buchmesse im Oktober erfolgen soll, gehen zunächst die eBuch-Buchhandlungen ans Netz, in einem zweiten Schritt – ein Termin steht noch nicht fest – können sich dann auch Nicht-Mitglieder zuschalten , in einem dritten Schritt auch Händler anderer Branchen, vom Schuhgeschäft bis zum Blumenladen. Siebrands: „Alle, die in einer ähnlichen Marktlage sind wie wir, also ohne eine solche Marktplatz-Präsenz für sich keine Chance sehen, im Internet in größerem Umfang wahrgenommen zu werden, passen uns zu.“

Neben der Domain genialokal.de (Schreibweise mit einem "L") hat sich die eBuch auch ähnliche Seiten gesichert (geniallokal.de), die auf den Marktplatz umleiten sollen.

Wie Kunden auf dem Marktplatz einkaufen: Auf der Hauptseite (genialokal.de, siehe Abb.) suchen Kunden durch Eingabe der Postleitzahl oder des Ortes einen Händler - oder finden ihn über Geolocation – klicken sich weiter bis zu dessen Webshop, wo sie schließlich einkaufen.

Verfügbarkeitsanzeige: Ob ein Buch gerade im Laden vorrätig ist, erfahren sie am Bildschirm nahezu in Echtzeit (Zeitverzögerung beim Datenabgleich mit den Warenwirtschaftssystemen im Hintergrund: ca. 10-15 Minuten).

Für Kunden, die gern per Smartphone oder Tablet einkaufen wollen, wurde für den Shop eine Web-App entwickelt.    

Wichtig ist den Genossen, dass Kunden die Plattform mit all ihren Einzelshops – im Idealfall alle knapp 600 eBuch-Mitglieder – stets so wirkt, als wäre sie aus einem Guss. Was bedeutet: Vom individuellen Look müssen sie sich weitgehend lösen, Einheitlichkeit im visuellen Auftritt (und damit in der Funktionsweise des Shops) geht vor. Raum für Individualität bleibt allerdings auf den Unterseiten der Shops: für Buchempfehlungen, Veranstaltungen etc.

 

Zur Finanzierung: Die Entwicklung der Plattform stemmen Libri und eBuch jetzt gemeinsam; später – sobald sie ihren Betrieb aufnimmt – soll sie sich selbst tragen. Wer mitmacht, zahlt als Gebühr 40 Euro (netto) pro Monat.

Zur Umsatz-Verteilung: Jeder Shop agiert selbstständig. Wird ein Buch zum Abholen im Laden geordert (was laut Siebrands der Normalfall ist), läuft der Umsatz zu 100 Prozent über die Kasse der Buchhandlung. Bei Versandbestellungen sieht der Verteilungsschlüssel anders aus: Der Umsatz wird zunächst dem Gemeinschaftsunternehmens zugebucht – das sich dafür ums Marketing (Werbematerial für alle Läden, Web-Marketing etc.) und den Betrieb der Plattform kümmert. Sollte dabei ein Überschuss entstehen, wird er Siebrands zufolge unter allen Genialokal-Händlern geteilt. „Wir entwickeln dafür ein ganz klassisches Bonussystem.“