Bertelsmann-Geschäftspartner klagen

Streit um Club-Aus beschäftigt Gerichte

3. Juli 2015
von Börsenblatt
Die am Bertelsmann-Buchclub beteiligten Geschäftspartner haben am Montag gegen die beabsichtigte Schließung des Clubs Klage eingereicht: Sie werfen Bertelsmann massive Vertragsverletzungen vor. Am 17. Juni hatte der Medienkonzern bekannt gegeben, den Buchclub mit etwa einer Millionen Kunden aufzulösen und alle Filialen schließen zu wollen.
Hintergrund der Klage ist nach Mitteilung des Prüfungsausschusses der Bertelsmann-Club-Geschäftspartner, dass der Buchclub Bertelsmann faktisch nicht allein gehöre: „250.000 Buchclub-Mitglieder sind Kunden unterschiedlicher Buchhändler und Medienvertriebsunternehmer aus ganz Deutschland und wurden Bertelsmann lediglich zur Belieferung mit Verlagserzeugnissen überlassen. Die Verträge, die diese Überlassung regeln, sind unkündbar", so der Standpunkt der Geschäftspartner.

Guido Gebhard, Sprecher der beteiligten Kläger, sagte: „Durch die grob vertragswidrige Auflösung des Buchclubs werden die Geschäftspartner stark geschädigt. Bertelsmann zerstört mit der Schließung ein 100-Millionen-Euro-Geschäft, in das wir jahrelang erheblich investiert haben. Wir sind vorab nicht einmal konsultiert und überhaupt erst eine Stunde vor öffentlicher Bekanntgabe informiert worden. Man ignoriert schlicht und einfach die Verträge mit uns und hofft offensichtlich auf das Recht des Stärkeren."

Bereits seit 2009 habe Bertelsmann auf die schriftliche Neukundenwerbung verzichtet – und damit auf die wirksamste Art und Weise, um die Mitgliederzahl zu halten und zu steigern. „Investitionen wurden zurückgefahren; zunächst wurden einzelne, dann immer mehr Filialen geschlossen und das Erscheinungsbild der Buchclub-Filialen teils stark vernachlässigt", so Gebhard. Durch all dies habe Bertelsmann den Niedergang des Buchclub-Geschäfts in den vergangenen Jahren „aktiv herbeigeführt".

Bertelsmann hat eine außergerichtliche Einigung über einen finanziellen Ausgleich abgelehnt. Gebhard und seine knapp 250 Mitgeschädigten hoffen nach wie vor darauf, einen Kompromiss zu finden – sie machen Schäden in einem zweistelligen Millionenbereich geltend. Von der Schließung des Buchclubs sind nach Schätzung der Kläger etwa 2.000 Arbeitsplätze betroffen – im Mai dieses Jahres beschäftigte die Direct Group nach eigenen Angaben in Deutschland noch rund 600 Mitarbeiter.

Der Prüfungsausschuss vertritt gemäß vertraglicher Vereinbarung seit über 20 Jahren die aktuell 244 Bertelsmann-Club-Geschäftspartner gegenüber der Bertelsmann-Gruppe.

Wie die „FAZ" (Ausgabe 26. August, S. 22) meldet, hatte der Club sein Geschäftsmodel in den 90er Jahren (nach Kritik fragwürdigen „Drückermethoden" seiner Kundenfischer) in ein Provisionsmodell geändert: Die „Verpächter", in Fällen Buchhändler, sollen seitdem für jedes Mitglied im Schnitt 80 bis 100 Euro im Jahr erhalten. Ein Bertelsmann-Sprecher habe bestätigt, dass die Verträge mit den Geschäftspartnern kein ordentliches Kündigungsrecht vorsehen. Aufgrund des seit langem defizitären Geschäfts mit den Club-Filialen laute die Sichtweise von Bertelsmann, so die „FAZ", dass das Unternehmen seine Vertragspflichten aus dem Verlustgeschäft nicht länger erfüllen müsse.

Aktuell sind noch 52 von einst 320 Club-Buchhandlungen geöffnet.