Alfred-Kerr-Preisträger empfehlen

Mit assoziativer Kühnheit

Kunst im Buch - zwei Bände mit Werken des französischen Fotografen und Filmemachers Chris Marker. Es versteht sich, dass ein Buch über diese Kunst in durchdachter Ausstattung auftreten sollte. Eine besondere Ausgabe würdigt Markers Arbeit in besonderer Form. Eine Kurzkritik.  VON GREGOR DOTZAUER

Als Grenzgänger zwischen Film, Fotografie und Literatur ist er drei Jahre nach seinem Tod lebendiger denn je. Erst 2014 widmete ihm die Londoner Whitechapel Gallery eine umfassende Schau, die seine ungebrochene Modernität vor Augen führte, und im Netz wird sein Werk von kenntnisreichen Fans gepflegt. Chris Marker, 1921 in Paris geboren, montierte Wort und Bild mit assoziativer Kühnheit zu poetisch-ethnologischen Essays, deren Material er zwischen Japan und China, Russland und Kuba zusammentrug.

Zu seinen eigenwilligsten Arbeiten gehören die beiden Bände der "Kommentare": Text-Foto-Installationen, die mehrheitlich filmische Zwillinge haben, wie "Amerika träumt" oder "Soy Mexico" aber auch als imaginäre Filme angelegt waren. Ein halbes Jahrhundert nach den Originalen erscheinen die "Kommentare" nun zum ersten Mal auf Deutsch – in einer verschwenderisch schönen Ausgabe mit dem ursprünglichen Layout. Hier lächelt die Tokioter Schönheit Kumiko ihr geheimnisvolles Lächeln, dort geht es um die Spiritualität der Mönche auf dem Berg Athos, und noch ein paar Seiten später steht man am Grab des Komponisten Anton Webern.

Chris Marker: "Kommentare 1 / Kommentare 2".
Aus dem Französischen von Erich Brinkmann und Rike Felka. Brinkmann und Bose, Berlin 2015. Je 176 Seiten, je 28 Euro. 

Gregor Dotzauer (Jahrgang 1962) ist seit 1999 Literaturredakteur des “Tagesspiegel”, weiterhin arbeitet er für den Deutschlandfunk Köln oder das Deutschlandradio Kultur. Daneben moderiert Dotzauer Podiumsdiskussionen und Autorengespräche und war Mitglied in mehreren Jurys, unter anderen seit 2010 für den Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert-Bosch-Stiftung, für den Internationalen Literaturpreis Haus der Kulturen der Welt 2010 und den Deutschen Buchpreis 2011. 2014 war Dotzauer Writer-in-Residence des Goethe-Instituts Peking. Gregor Dotzauer wurde 2009 mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik ausgezeichnet und lebt in Berlin. 

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