Agent Werner Fuchs über George R.R. Martin

"'Game of Thrones' hat ihn in die Stratosphäre geschossen"

Werner Fuchs ist Literaturagent von George R.R. Martin – die beiden kannten sich schon lange vor "Game of Thrones". Martin ist heute ein Star. Und Fuchs? Ein Gespräch über die Folgen des Erfolgs.  INTERVIEW: TAMARA WEISE

George R. R. Martin (rechts) und Agent Werner Fuchs 2017 auf einem Treffen der World Science Fiction Society in Helsinki

George R. R. Martin (rechts) und Agent Werner Fuchs 2017 auf einem Treffen der World Science Fiction Society in Helsinki © Nico Mendrek/Orkenspalter-TV

Kein Autor ist im Segment Science-Fiction / Fantasy derzeit so erfolgreich wie George R. R. Martin. War das für Sie absehbar?
Ich habe ihm diesen Erfolg immer sehr gewünscht, weil ich auch selbst von seinem Werk begeistert bin. Dass er in diesem Ausmaß eintreten würde – ich weiß nicht, ob das absehbar war. Bei solchen Dingen, habe ich gelernt, ist Glück oft der Hauptfaktor. Andere Autoren schaffen auch großartige Werke und werden nicht so berühmt. 

Wie haben Sie sich kennengelernt?
Das war 1974, ich hatte gerade mit zwei Kollegen eine kleine Agentur im Bereich Science-Fiction gegründet. Wir schrieben jede Menge junger Autoren aus den USA an – auch George R. R. Martin. Irgendwann stellten wir dann fest, dass wir nicht nur das Faible für Science-Fiction und Fantasy teilen, sondern auch den gleichen Background haben, die gleiche Musik und die gleichen Comics gut finden. So wurden wir Freunde. 

Beruflich kam der große Durchbruch für ihn 2011 mit "Game of Thrones". 
Richtig. George hatte zwar auch schon vorher viel Erfolg, war unter anderem mit mehreren Titeln auf Platz 1 der "New York Times"-Bestsellerliste vertreten. Aber was nach dem Start von "Game of Thrones" passierte ... diese Fernsehserie hat ihn wirklich in die Stratosphäre geschossen. Ich muss aber dazu erwähnen, dass ich sein Literaturagent bin. Mit seinem Erfolg beim Sender HBO, den Filmen und dem Merchandising habe ich nichts zu tun. 

Fans bedauern, dass die Serie nicht fortgesetzt wird. Verstehen Sie das?
Ich wäre schon froh, wenn er die beiden abschließenden Bände von "Das Lied von Eis und Feuer", der Basis von "Game of Thrones", schnell fertigbekommt, an eine Fortsetzung denke ich gar nicht. Außerdem: George, der dieses Jahr 70 wird, ist so talentiert, schreibt so unglaublich spannend: Wenn er sich nur noch in diesem Kosmos bewegen sollte, wäre das vielleicht etwas ermüdend.  

Hat der Erfolg auf Sie abgefärbt? 
Finanziell? Ich partizipiere da zu einem gewissen Grad, natürlich. Es ist jedoch nicht so viel, wie manche vielleicht glauben. Das Beste an Georges Erfolg für mich ist die Bestätigung, dass ich tatsächlich ein gutes Näschen für die Themen habe. Für Aktien beispielsweise habe ich das nicht.

Was schätzen Sie an seinen Bücher besonders? 
Am Anfang waren seine Helden meist Looser, die sich nicht durchsetzen konnten, Nerds würde man sie heute nennen, Träumer. Doch unter dem Einfluss von Hollywood, wo er zehn Jahre lang Serien wie "Beauty and the Beast" und "Twilight Zone" betreute, hat sich das verändert. In Hollywood weht ein rauer Wind – um sich hier durchsetzen zu können, muss man sich schon auf die Hinterbeine stellen, auch mal zu härteren Themen greifen. Was ich besonders an Georges Büchern schätze, ist aber etwas anderes: Das ist die epische Wucht, mit der er seine Geschichten erzählt. Königshäuser, die sich untereinander bekriegen, dann diese wahnsinnigen Wechsel der Gefühle, denen man beim Lesen unterworfen ist. Im Prinzip verbindet George das Drama mit der Tragödie und bedient sich dabei historischer Stoffe  – viele Leute sagen, der Einfluss von Shakespeare sei deutlich zu erkennen. George ist ein Amateurhistoriker, recherchiert wie ein Wahnsinniger. Er kann die römischen Kaiser mit ihren Regierungszeiten auswendig aufsagen, er kennt sich aus in der deutschen Mittelaltergeschichte, natürlich in der englischen, schottischen, irischen, italienischen ... überall kennt er sich aus. 

Und schaut sich alles auch selbst an? 
Alles, was man sich noch ansehen kann, ja. Er interessiert sich auch für unsere Burgen. Vor 18 Jahren hatte ich ihn vier Wochen nach Deutschland geholt – eine Woche waren wir nur unterwegs, um uns historische Sehenswürdigkeiten anzusehen, das Pergamonmuseum, Nürnberg, Rotenburg, Nördlingen, Schloss Neuschwanstein undsoweiter… 

Reist George R.R. Martin gern? 
Unbedingt, auch wenn er eigentlich gerade gar keine Zeit dafür hat. Als Kind und Jugendlicher ist er kaum über New Jersey rausgekommen, das holt er jetzt alles nach. 

Wissen Sie schon, welches Projekt Sie als nächstes mit ihm angehen?   
"Nightflyers". FanPro, so heißt der Verlag, den ich gemeinsam mit meiner Tochter betreibe, veröffentlicht vorraussichtlich eine bebilderte Sammlerausgabe davon – einige Exemplare wird George sicher wieder gern signieren.

George R.R. Martin: Der Erfolg in Zahlen / Link zur Top25 

5,9 Millionen Exemplare seiner Bücher hat George R. R. Martin laut Random House bislang im deutschsprachigen Raum verkauft. Besonders viele Fans hat seine Serie "Das Lied von Eis und Feuer" – fünf Bände schafften es in die Top 25 Science-Fiction / Fantasy (Januar bis April / im Bestsellerressort von boersenblatt.net ). Im November erscheint bei Penhaligon die Vorgeschichte. Titel: "Feuer und Blut".

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