Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen

avj-Vorstand im Amt bestätigt

Der neue Vorstand der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen avj ist der alte: Im Berliner Ullstein-Haus wurden heute Renate Reichstein (Oetinger), Angelika Schaack (Hörcompany), Mathias Berg (Titania) und Ralf Rebscher (Magellan) mit überwältigender Mehrheit in ihrem Amt bestätigt.

Lobbyarbeit, Fortbildung, die Bücherbox, „Kinder- und Jugendbuchverlage von A-Z“, avj- Medienpreis, neue Website, Leseförderung, Buchmessen in Leipzig, Bologna, Frankfurt - die zahlreichen Aktivitäten, die die avj-Vorsitzende Renate Reichstein zuvor Revue passieren ließ, hatten beeindruckt: Die 45 Kinder- und Jugendbuchverleger, die im Ullstein-Musiksaal in der Berliner Friedrichstraße zur Mitgliederversammlung gekommen waren, bedankten sich mit Applaus für das Engagement des Vorstands. Auch die Finanzen hatten sich den Planungen gemäß entwickelt, nur die Fortbildungsangebote wurden noch zu selten genutzt: "Wenn aus den Cash-Kälbchen Cash-Cows werden sollen, müssen die Angebote noch fleißiger genutzt werden", so Reichstein.

Ralf Rebscher (Magellan Verlag) berichtete von einem positiven Start des avj-Gemeinschaftsstands auf der Spielwarenmesse Nürnberg in diesem Jahr, sechs Verlage nahmen teil. Für 2016 will sich der Vorstand  um eine bessere Standlage bemühen.

„Vertrieb ist das Thema schlechthin“, leitete die avj-Vorsitzende Renate Reichstein den Impuls „Online Sales – neue Wege vom Verlag zum Kunden in der digitalen Umbruchsituation“ von Susanne Lange-Wissinger (Verlagsberatung SLW-Consult) ein. Die reflektierte das veränderte Verhalten von Käufern und Lesern: „Der immer schwerer zu berechnende Endkunde wird jetzt zum aktiven Gestalter der Wertschöpfungskette.“ Bislang hatten Verlage ihre Kunden überwiegend über den Handel erreicht, inzwischen kommunizieren sie zunehmend selbst mit der Zielgruppe.

Die Käufer seien autonomer geworden, sie entschieden selbst, wann und wo sie konsumierten, so Lange-Wissinger. „Das bedeutet: Inhalte sind dann erfolgreich, wenn sie hochgradig individuell angeboten werden. Die Restaurantkette Vapiano etwa bietet sehr einfache Zutaten, bereitet sie aber vor den Augen des Käufers frisch zu – das überzeugt vor allem jüngere Leute und Familien.“ Generell seien die Kundenansprüche höher geworden – entscheidend sei herauszufinden, wie der digitale Kunde tickt. Und als Folge: Die B2B-Verkaufskanäle müssen um digitale Wege ergänzt werden.

Lange-Wissinger führte eine Reihe von Fakten auf: Der Onlinehandel ist 2014 nominell um 17 % gewachsen, also neunmal so schnell wie der stationäre Handel. Laut Prognose des Handelsverbands Deutschland HDE wird 2020 ein Fünftel des Gesamtumsatzes im Onlinebereich realisiert – „die Händler sind derzeit total unter Druck. Der IFH prognostiziert, dass 2020 bis zu 50.000 Einzelhändler pleite gegangen sind, das muss man sich mal vorstellen.“ Wolfgang Förster vom Coppenrath Verlag warnte vor einer Dramatisierung: „Ich habe mir jüngst die Zahlen von vor 15 Jahren angeschaut, da lag der Anteils des stationären Buchhandels bei über 50 Prozent. Jetzt liegt er bei 48,6%, das ist kein Sinkflug.“ Allerdings gehe auch der Gesamtumsatz zurück, gab Lange-Wissinger zu bedenken.

Die Zahl der Internetnutzer nimmt nicht mehr zu, aber die Online-Käufer kauften häufiger und gäben mehr aus; die Hälfte von ihnen mehr bis zu 50 Euro, führte sie aus. Interessant dabei: „Die Buchhändler gewinnen Online Umsätze hinzu, das ist ermutigend – und auffällig, dass viele Kunden ihre Onlinebestellung offline im Laden abholen möchten.“ Die Buchhändler müssten sich klar sein, dass die Kunden Professionalität auch in den Onlineshops erwarteten. Und: Der Sortimenter müsse aufpassen, dass er sich nicht vom Informationsverhalten der Kunden abkoppele. „Er braucht Konzepte, wie er online und offline zusammenbringt – dankenswerterweise geben die Branchenmagazine dazu immer wieder Anregungen aus der Praxis.“ Bei der Produktentwicklung für eine Community sei der Kopf eines Verticals meist ein redaktioneller Enthusiast (etwa zum Thema Heimwerker-Bücher) mit einem Team von Enthusiasten für das Vertical-Thema.

Lange-Wissingers Tipps:

  • Bieten Sie relevante Interaktionen
  • Erkennen und führen Sie Kunden zu Touchpoints
  • Lernen Sie Ihre Zielgruppen ausführlich und intensiv kennen: Wer sind unsere kaufenden Kunden?
  • Nutzen Sie Ihre Daten zur Optimierung von Aktionen

Die – auch provozieren wollende - Behauptung, dass die Verlage ihre Endkunden immer weniger kennen würden, sorgte denn doch für Widerspruch bei den Jugendbuchverlegern, hatten zwei avj/Börsenvereins-Studien doch akribisch die Kunden, Käufer und Leser samt Sinus-Milieus untersucht. Bei der Frage, wie die Zielgruppe angesprochen wird, gab Lange-Wissinger zu bedenken: „Wir haben eine große Neigung zu verlagseigenem Vokabular, da müssen wir uns viel mehr auf die Zielgruppe einstellen. Die Verlagswebsite muss bei ihrer Struktur bedenken, dass die Endkunden keinen bestimmten Verlag suchen, sondern sie nach Titel und Themen schauen.“

Auch Kultur gehört dazu: Die Jugendbuchverleger ließen sich zum Ausklang fachkundig den unter "Wilhelm Zwo" erbauten Berliner Dom erklären. Morgen wird im Ullstein-Haus dann weiter getagt.

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