Auszeichnung für familienbezogenen Roman

Stiftungspreis für Hannes Köhler

Der Berliner Autor Hannes Köhler (36) erhält für seinen Familienroman "Ein mögliches Leben" (Ullstein) den Buchpreis 2018 der Stiftung Ravensburger Verlag. Stiftungsvorstand Johannes Hauenstein übergibt den mit 12.000 Euro dotierten Preis am 26. November in Berlin.

Hannes Koehler

Hannes Koehler © Israel Fernandez

"Ein mögliches Leben" ist Köhlers zweiter Roman, darin lässt er Erlebnisse deutscher Kriegsgefangener in US-Camps lebendig werden. Verankert ist der Roman jedoch in der Gegenwart. Ein Enkel reist mit seinem 90-jährigen Großvater zu den US-Schauplätzen während dessen Zeit als "Prisoner of War", denkt über die Familie nach, in die er hineingeboren wurde. Er versucht seine Identität als Vater eines kleinen Kindes herauszufinden, und die Beziehung zu dessen Mutter, mit der er nicht zusammenlebt, zu klären. Für den Großvater seinerseits hatte die Kriegsgefangenschaft damals richtungweisende familiäre Folgen gehabt, die sich nicht nur auf sein eigenes Leben, sondern auch auf das von Ehefrau und Nachkommen auswirken sollten.


Begründung der Preisvergabe
"Hannes Köhler betreibt Familienarchäologie im psychologisch besten Sinne", so die Jury. In seinem Generationenroman gehe der Autor den tiefen Spuren der Erinnerung nach. "Er zeigt, wie schicksalshafte seelische Verletzungen aus Kriegszeiten vom Vater an die Kinder und von ihnen schließlich an die Enkel und sogar Urenkel weitergegeben werden können. Mit literarischem Fingerspitzengefühl und eindrucksvollen zeitgeschichtlichen Recherchen gelingt es Köhler, eine exemplarische (west-)deutsche Familiengeschichte aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu entwerfen, in der das Schweigen über die Traumata aus Krieg und Gefangenschaft und die Schuldgefühle das Zusammenleben dauerhaft überschatten – so lange, bis die bewusste Konfrontation mit dieser Vergangenheit der Familie neue Verständigungschancen über die Generationen hinweg ermöglicht. Mehr noch: Der Enkel findet erst dadurch zu seiner persönlichen Haltung in Sachen Familie."

Hintergrund
Der zum achten Mal verliehene Buchpreis der Stiftung Ravensburger Verlag soll jährlich den Autor oder die Autorin einer deutschsprachigen Publikation erzählender Prosa (Roman, Erzählung, Anthologie) auszeichnen, die maximal zwei Jahre zuvor erschienen ist. Die Preissumme von 12.000 Euro erhält eine Schriftstellerin oder ein Schriftsteller, "der mit literarischen Stilmitteln ein zeitgenössisches Bild der Familie zeichnet".

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