Bilderbuch-Highlights

Sehen, staunen, lachen

Die Bilderbuchproduktion hat auch qualitativ zugelegt: Wir zeigen die besten aus dem Bücherherbst. STEFAN HAUCK

Alles so schön sauber!

Da reißen die Betrachter die Augen auf, wenn der ordnungsliebende Dachs nach vielerlei Putzaktionen den Wald zubetoniert. Bis er dann merkt, dass er gar nicht mehr in seine Höhle kann. Gravett setzt hier  einen hyperaktiven "Macher" in Szene, der seine Umwelt und die Bedürfnisse aller um ihn herum nicht mehr im Blick hat - und sich selbst auch nicht mehr.

Emily Gravett: "Aufgeräumt!" Sauerländer, 40 S., 14,99 Euro, ab 4

Vom Suchen und Finden

Marianne Dubuc entführt in den Mikrokosmos eines Baums: Da findet Eichhörnchen Otto ein kleines, hilfesuchendes Wesen, das dann ständig wächst und bald viel zu groß für die Baumhöhle ist. Das wird Otto bald zuviel, aber so sehr er sucht - eine dazugehörige Mama findet er nicht. Und schließlich gesteht er sich ein, dass es zu zweit doch schöner ist als allein.

Marianne Dubuc: "Nenn mich nicht Mama", Beltz & Gelberg, 68 S., 14,95 Euro, ab 3

Hilfreiche Geister im Schrank

Oskar soll schlafen, während die Eltern Freunde zu Gast haben ... Raus aus seinem Zimmer soll er nicht, sondern schlafen. Aber aus dem Schrank bekommt Oskar immer wieder phantastische Unterstützungen, denen Isabel Kreitz ebenso Gestalt verleiht wie dem kleinen, äußerst selbstbewussten "Ich will ...!"-Kater.

Sabine Ludwig, Isabel Kreitz: "Die Tür bleibt zu!", Dressler, 32 S., 12,99 Euro, ab 4

Jeder hat seine Geheimnisse

Lange haben Tove Jansson und Freunde an einem Muminhaus gebaut: ein idealer Ort, damit die kleine Mü sich auf die Spurensuche nach einem möglichen Gespenst machen kann. Dreidimensional wirkt die Geschichte um den geheimnisvollen nächtlichen Gast ganz anders als gezeichnet, allein die Ausleuchtung im Dunkel erzeugt Spannung. Wie alle im Haus in helle Aufregung versetzt werden und wie dann am Ende um Wahrung mancher Geheimnisse gerungen wird, das macht die Lebensklugheiten der Tove Jansson aus.

Tove Jansson, Per Olov Jansson: "Die Mumins. Überraschung im Muminhaus", Arena, 40 S., 9,99 Euro, ab 5

Zauberwelten

In geometrischen Figuren und melodisch gereimt entführt Hilde Krüger in den geheimnisvollen Widiwondelwald und zeigt den wundersamen Flug eines Jungen auf einer Wolke. Ein Buch mit zwei Covern, das man auch von zwei Richtungen lesen kann, und Bauhausähnliche Bilder auf besonderem Papier: eine Wiederentdeckung von 1926.

Hilde Krüger: "Der Widiwondelwald / Hurleburles Wolkenreise", J.H. Dietz, 56 S., 20 Euro, ab 5

Ballast abwerfen

Fliegen können möchte König Ambrosius - und sämtliche einfallsreichen Versuche dazu scheitern. Christoph Mett bereitet der Phantasie ein Fest auf poulent gestalteten Seiten: Es gibt viel zu sehen und entdecken, auch das Geheimnis des Fliegens.

Cghristoph Mett: "König der Lüfte"; Bohem Press, 36 S., 16,95 Euro, ab 5

Riese auf Reisen

Unheimlich scheint der große Riese, die Tiere flüchten, bis drei Mäuse ihn zur Party einladen. Wie viel Spaß alle zusammen haben können, beweist Astrid Henn in heiteren Szenen zu Heinz Janischs gereimtem Plädoyer für ein Miteinander jenseits aller Vorurteile.

Heinz Janisch, Astrid Henn: "Der Riese Knurr", Ravensburger, 32 S., 13 Euro, ab 4

Was nachts alles los ist

Was machen die Großen, wenn ich im Bett bin? Schon Joachim Ringelnatz hat die Frage eines jeden Kindes hinreißend beantwortet, und Günther Jakobs dekliniert Papas Antwort durch und zeichnet sie in den schillerndsten Farben -  da werden die wildesten Partys gefeiert! Aber als der kleine Junge sich später ins Wohnzimmer schleicht, bietet sich ihm ein sehr schlaftrunkenes Bild.

Günther Jakobs: "Wenn Du im Bett bist", Boje, 32 S., 12,90 Euro, ab 5

Wer bin ich?
"Hase", "Blödmann", "Schatzi", "Knirps" – Bruno hat viele Namen, bis er beschließt, das zu ändern und an jedem Wochentag tatsächlich in eine andere Rolle zu schlüpfen. Claudia Burmeister zeigt in gelungenen Bildfolgen, wie Kinder sich immer wieder neu ausprobieren.

Brigitte Werner, Claudia Burmeister: "Der kleine Murps", Freies Geistesleben, 36 S.,16 €, ab 4

Reimspaß
Zu den flotten Janisch-Versen setzt Helga Bansch eine Kindergartentruppe quirlig in Szene. Der Rhythmus animiert dazu, selbst Reimworte auf Namen zu finden.

Heinz Janisch, Helga Bansch: "Wir sind alle nett – von A bis Z", Jungbrunnen, 40 S., 15,95 €, ab 4

Das Ungeheuer bezwingen

Durch Kitzelattacken zerlegt der Betrachter das Monster in ungefährliche Einzelteile. Ein wunderschönes Mitmachbuch gegen nächtliche Ängste.

Edouard Manceau: "Der wilde Watz", Moritz, 32 S., 14 €, ab 3

Ein Umzug vom Land in die Stadt
Das Kind hat viele gute Gründe, warum der geliebte Trecker mitmuss. Im Dialog entwickelt Finn-Ole Heinrich die Argumentation, die Halina Kirschners kraftvolle Bilder fortführen. Das Kind, so wird dem Erwachsenen schnell klar, kommt nur mit Trecker mit.

Finn-Ole Heinrich, Dita Zipfel, Halina Kirschner: "Trecker kommt mit", mairisch, 32 S., 15 €, ab 3

Den Aufstand wagen
Die spannende Däumelinchen-Version des "LasseMaja"-Autors inszeniert Illustratorin Emilia Dziubak ebenso märchenhaft – und schafft hochemotionale Bilderwelten.

Martin Widmark, Emilia Dziubak: "Linas Reise ins Land Glück", ArsEdition, 40 S., 15 €, ab 5

Einfach mal anders sein
Viel zu gucken gibt es in diesen wimmelbuchartigen Bildern mit stromlinienförmigen Hunden. Als sich die bunte Hunde­dame in der Masse nicht mehr wohlfühlt, sucht sie nach einer neuen Heimat – bis sie erkennt, dass Anderssein etwas Tolles ist.

Rob Biddulph: "Ein bunter Hund", Diogenes, 32 S., 16 €, ab 3

Dem kleinen Bären reicht's
Immer ist er schon zu groß oder noch viel zu klein, um etwas zu tun. Eve Tharlet fängt die typischen Situationen der Kinderjahre ein – bis der kleine Bär den Spieß umdreht und die Eltern in ähnliche Situationen bringt.

Catherine Leblanc, Eve Tharlet: "Zu groß oder zu klein", Minedition, 32 S., 13,95 €, ab 3

Unterhaltsames für unterwegs
Witzige Schnellsprechsätze, die sich dank humorvoller Illustrationen gut einprägen.

Moni Port, Philip Waechter: "Der Flugplatzspatz nahm auf dem Flugblatt Platz", Klett Kinderbuch, 48 S., 10 €, ab 5

Schneider mit Köpfchen
Wenn der Hase auf dem Nachhauseweg nur nicht so große Angst vorm Wolf hätte! Kurzerhand näht er sich ein Wolfskostüm – aber jetzt erkennen ihn seine Freunde nicht mehr ... Gelungene Spannungskurven, gekonnte Bildschnitte, überraschendes Ende: ein großartiges Bilderbuch.

Jadwiga Kowalska: "Ich bin ein Wolf, sagt Hase", Atlantis, 32 S., 14,95 €, ab 4

Auf gute Nachbarschaft
Auf jeder Seite ziehen neue Bewohner ins Haus und krempeln das miefige Leben der Schafe um. Stundenlanges Schauen und Staunen ist hier garantiert.

Hélène Lasserre, Gilles Bonotaux: "Tolle Nachbarn", Jacoby & Stuart, 32 S., 14,95 €, ab 5

Gemeinschaftsgefühle – ganz poetisch
Vier Zirkuswagen ziehen durch den Schnee und die Kleinstadt, bis sie am letzten Haus ankommen. Dort werden die Insassen sehnsüchtigst erwartet – und wie dann geschmückt, gekocht, gesungen, geschmust wird, zeigt Julie Völk ganz ohne Text so verträumt und poetisch, dass dem Betrachter warm ums Herz wird.

Julie Völk: "Stille Nacht, fröhliche Nacht", Gerstenberg, 32 S., 16,95 €, ab 4

Manchmal muss man etwas ausprobieren
Endlich traut sich mal wieder ein Illustrator, ein Querformat in seiner ganzen herrlichen Breite zu nutzen! Gosh schickt einen Eisbären hinaus aus der Großstadt und zusammen mit dem Leser auf die Reise: Wo gehört er bloß hin? Ein Buch zum Mitfühlen und Mitdenken.

Ronojoy Gosh: "Herr Eisbär will nach Hause", Lingen, 32 S., 12,95 €, ab 4

Ausgrenzung ist blöd
Es hätte alles so lustig weitergehen können, wäre den Pinguinen nicht aufgefallen, dass ihr Freund mit der roten Bademütze anders ist. Wie sie das erst doof finden, dann ihre Ablehnung doof finden und sich für das Andere öffnen, zeigt Isabel Pin in sorgsam komponierten, klaren Bildern auf schönstem Papier.

Isabel Pin: "Du nicht!", Hinstorff, 24 S., 16,99 €, ab 3

War doch keine Absicht
Immer soll er an allem schuld sein: Fast collagenartig wirken die Alltagssituationen, in denen für Robinhund einfach alles schiefgeht, selbst wenn er es gut meint. Hohes Identifikations­potenzial für die Jüngsten – und wie gut, dass es Brüder gibt.

Alice Lima de Faria: "Ich war's nicht, sagt Robinhund", Mixtvision, 40 S., 14,90 €, ab 3

Wer nicht fragt, bleibt dumm
Mit Fragen erobern sich Kinder die Welt: Kathrin Stangl hat sich einige wichtige vorgeknöpft und liefert mögliche Antworten. Beim Anschauen steuern die betrachtenden Kinder ganz schnell ihre eigenen Varianten bei.

Kathrin Stangl: "Schwimmt Brot in Milch?", Aladin, 32 S., 15 €, ab 3

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