Börsengang von Springer Nature

Kühne Kapitaljäger

Börsengänge von Verlagen haben in der Vergangenheit nicht immer die Erwartungen erfüllt – Springer Nature geht die Sache trotzdem an: Ab morgen werden die Aktien des Konzerns an der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt.  MICHAEL ROESLER-GRAICHEN

Symbole für die Kursentwicklungen von Aktien: Die Skulpturen Bulle und Bär vor der Deutschen Börse in Frankfurt

Symbole für die Kursentwicklungen von Aktien: Die Skulpturen Bulle und Bär vor der Deutschen Börse in Frankfurt © picture alliance / SvenSimon

Springer Nature geht an die Börse 

Ab morgen werden erstmals Aktien der Verlagsgruppe Springer Nature an der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt. Die Notierung soll im Prime Standard erfolgen, dem regulierten Segment der Börse, das erhöhte Transparenzstandards verlangt und damit auch für Investoren aus den USA und anderen Staaten, die Börsengänge mit strengen Auflagen versehen, attraktiv ist.

Am 8. Mai, einen Tag vor dem "IPO" (initial public offering) gaben Springer Nature und seine Gesellschafter den Ausgabepreis für die Aktien bekannt: Er sollte – auch in Abhängigkeit von der Nachfrage – zwischen 10,50 Euro und 14,50 Euro pro Aktie liegen. Abhängig von der Zahl der in Umlauf gebrachten Aktien könnte der Streubesitz auf bis zu 44 Prozent steigen.

Die Holtzbrinck Publishing als Hauptgesellschafter (53 Prozent) kündigte an, im Zuge des Börsengangs ein Aktienpaket im Wert von 100 Millionen Euro zu erwerben. Diese Order wurde wenige Tage vor dem Handelsstart um weitere 100 Millionen Euro aufgestockt.

Es geht um 1,6 Milliarden Euro

Je nach Platzierungspreis und einer möglichen Mehrzuteilung von Aktien will der Wissenschaftsverlag bis zu rund 145 Millionen Aktien zum Verkauf anbieten, die einem Gesamtvolumen von 1,6 Milliarden Euro entsprechen. Ob es dazu kommt, hängt von der Nachfrage ab. Und diese orientiert sich nicht nur an den möglichen Perspektiven des Börsengangs für die Geschäftstätigkeit des Unternehmens, sondern auch an den Risiken, die ihr drohen. Der Aktienprospekt, den Springer Nature auf seiner Website veröffentlicht hat, listet allein mehr als 20 Risiken auf, die die Geschäftstätigkeit des Konzerns negativ beeinflussen könnten. Hier eine kleine Auswahl:

  • Die Entwicklung des Internets und sonstige branchenspezifische sowie regulatorische Entwicklungen könnten den Mehrwert, den der Verlag als Intermediär hat, auch künftig verringern.
  • Änderungen des Vertriebs- und Preismodells könnten in der Öffentlichkeit negativ wahrgenommen werden und die Ertragslage des Verlags beeinträchtigen. 
  • Die Nutzung von Filesharing-Plattformen könnte die Erlöse schmälern.

Nicht jeder Börsengang eines Verlags oder Medienunternehmens mit Buchsparte hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zum Erfolg geführt. Dennis Krämer, Redakteur im Ressort "Geld & Mehr" der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", bezeichnet das Vorhaben von Springer Nature in einer Analyse daher als "geradezu wagemutig". Vor allem die Tatsache, dass der Konzern mit dem geplanten Bruttoerlös von 1,2 Milliarden Euro vor allem seine Schuldenlast reduzieren will, scheint die Attraktivität für potenzielle Investoren nicht gerade zu steigern.

Daniel Ropers

Daniel Ropers © Springer Nature

Ob es die Aussicht auf das stetig wachsende Zukunftssegment Open Access Publishing sein wird, das die Anleger motiviert, dürfte sich in den Tagen und Wochen nach dem Handelsstart zeigen.

Springer Nature-CEO Daniel Ropers gab sich 14 Tage vor dem Börsengang jedenfalls zuversichtlich: "In den vergangenen Wochen haben wir hervorragende Rückmeldung von Inves­toren erhalten. Mit der finanziellen Flexibilität erlangen wir zusätzliche Möglichkeiten, Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, die unsere Communitys im Forschungs- und Bildungsbereich und in der Fachwelt benötigen, um mehr zu entdecken und mehr zu lernen."

Bastei Lübbe fährt Wertverlust ein  

Als Bastei Lübbe im Oktober 2013 an die Börse ging, wurde der Ausgabepreis von 7,50 Euro pro Aktie bereits am ersten Handelstag unterboten. Die im Prime Standard platzierte Aktie notierte zum Börsenstart bei 7,40 Euro, wie die "Wirtschaftswoche" damals meldete, kletterte aber in den Tagen und Monaten danach auf über acht Euro. Das ursprüngliche Ziel der Verlagsgruppe, durch die Emission rund 58 Millionen Euro einzunehmen, wurde verfehlt (es waren dann etwa 30 Millionen).

Einen Einbruch verzeichnete das Wertpapier Mitte 2016, nachdem der Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2015 und 2016 bekannt wurde: Nicht nur der Umsatz ging seinerzeit um sieben Prozent auf 102,5 Millionen Euro zurück, sondern auch das Ergebnis um 2,8 Millionen Euro auf 14,9 Millionen Euro. Im Zuge der geplanten Verkäufe und Restrukturierungen (unter anderem bei oolipo) gab der Kurs der Bastei-Lübbe-Aktie weiter nach. Aktuell wird das Papier im elektronischen Börsenhandel (Xetra) für rund 2,60 Euro angeboten. Der Fall der Aktie wirkte sich – im Zusammenspiel mit der Geschäftsentwicklung – auch auf die Dividende aus: Wurden für das Geschäftsjahr 2016 noch 0,10 Euro pro Anteilschein ausgeschüttet, fiel die Dividende 2017 komplett aus. Für 2015 hatten die Aktionäre noch 0,30 Euro pro Stammaktie erhalten.

Es war einmal: Eichborn

In wenig rühmlicher Erinnerung dürfte der Börsengang des Eichborn Verlags im Jahr 2000 geblieben sein. Damals brachte Verleger Matthias Kierzek das Unternehmen an den SMAX der Frankfurter Wertpapierbörse – ein ehemaliges Segment der Börse, das für kleinere börsennotierte Unternehmen mit erhöhten Transparenzanforderungen geschaffen worden war.

Während der Zeichnungsfrist empfahlen Anlageberater und Analysten den Kauf der Aktie, der Ausgabepreis wurde auf 12 Euro festgelegt. Doch die Freude währte nicht lang: Bereits im November 2000 näherte sich der Kurs 5,50 Euro, und Anfang 2005 lag er bei 1,20 Euro, bevor sich das Wertpapier mehr oder weniger pulverisierte. Spätestens seit der Insolvenz von Eichborn 2011 wurde der Handel mit dem Papier dann ausgesetzt, die Reste des Börsenkapitals flossen bei der Übernahme an Bastei Lübbe.

Edel-Aktie steigt  

Bessere Erfahrungen hat die Hamburger Edel AG mit der Börsenkapitalisierung gemacht. Das Hamburger Medienunternehmen ging bereits 1998 an die Börse; notiert werden die Aktien im Scale-Standard, dem Börsensegment für kleinere und mittlere Unternehmen. Insgesamt wurden etwa 22,7 Millionen nennwertlose Stückaktien ausge­geben, die beim derzeitigen Kurs (ca. 3,50 Euro) einer Marktkapitalisierung von 78 Millionen Euro entsprechen.

Seit einigen Jahren ist die Aktie, die zwischenzeitlich stark abgefallen war, im Aufwind – woran auch die Erfolge im Buchgeschäft der AG Anteil haben dürften. Die Inhaber von Edel (Vorstandschef Michael Haentjes und sein designierter Nachfolger Jonas Haentjes), die im Übergang zur nächsten Generation gerade einen Formwechsel zur Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) vorbereiten, wollten sich nicht zu den Börsenerfahrungen äußern. Schließlich bewege man sich in einer ganz ­anderen Größenordnung als Springer Nature. 

Börsennotierte Verlage und Medienunternehmen im Überblick

Springer Nature

Bis zu 145 Millionen Aktien will die Wissenschaftsverlagsgruppe Springer Nature bei ihrem Börsengang am 9. Mai im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse platzieren. Der Ausgabepreis liegt zwischen 10,50 Euro und 14,50 Euro pro Aktie. 1,2 Milliarden will der Verlag für seinen Hauptgesellschafter (Holtzbrinck Publishing Group) erlösen, 400 Millionen sollen an den Anteilseigner BC Partners gehen.

Bastei Lübbe

Beim Börsengang 2013 gab Bastei Lübbe 5,3 Millionen Aktien in den Verkauf – zum Ausgabepreis von 7,50 Euro und damit am unteren Rand der Angebotsspanne. Statt der ursprünglich erhofften bis zu 58 Millionen Euro konnte der Verlag nur 30 Millionen Euro Börsenkapital verbuchen. Nach mehreren Rückschlägen und Einschnitten im Portfolio schwankt die Aktie derzeit bei etwa 2,60 Euro pro Stück.

Edel AG 

1998 ging der Medienkonzern an die Börse – damals waren die Hamburger noch überwiegend im Musik-Business aktiv, das um die Jahrtausendwende in schwere Turbulenzen geriet. Die rund 22,7 Millionen Stückaktien, die damals ausgegeben wurden, entfernten sich rasch vom Ausgabekurs (101 D-Mark) und stürzten zwischenzeitlich ins Bodenlose. Seit einigen Jahren erholt sich das Wertpapier und liegt aktuell bei ca. 3,50 Euro pro Stück.

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