Claudia Paul über Kulturschaffende im postfaktischen Zeitalter

"Wir haben Verantwortung!"

In Zeiten von Trump und AfD müsse man sich zwar empören, meint Claudia Paul, bis September 2016 Pressesprecherin des Börsenvereins und seither Leiterin der Kommunikation im Technoseum in Mannheim. Noch wichtiger aber sei die Verbreitung von Begeisterung und Leidenschaft für eine Welt der Fakten.

Claudia Paul

Claudia Paul

Trump, Trump, Trump. AfD, AfD, AfD. Postfaktisch. Fake-News. Alternative Fakten. Die andere Seite: Aufregung. Trockene Fakten. Ironie, Schadenfreude, Seufzen.

Hessels "Empört euch"!

Die Zeitungen, das Fernsehen, Freunde auf Facebook, Follower auf Twitter – alle arbeiten sich an Trump und Co ab. Ich kann es nicht mehr sehen und hören. Eigentlich. Denn uneigentlich ist mir klar, dass darüber gesprochen werden muss. Dass man nicht schweigen darf, dass man sich – wie Sascha Lobo auf "Spiegel online" indirekt den verstorbenen französischen Résistance-Kämpfer und Essayisten Stéphane Frédéric Hessel zitiert – (fundiert) empören muss!

Das ist das eine. Das andere aber ist: Es liegt an uns zu überzeugen, vor allem aber auch zu begeistern. Für die Welt der Fakten, der gut recherchierten Fakten. Für die Welt der Vielfalt, in der nicht jedem alles gefallen muss. Für die Betrachtung der Zusammenhänge („ta metá ta physiká“), also für das, was hinter den Dingen steht. Man könnte so vieles aufzählen.

Diese Werte muss man leben, davon überzeugt sein, Leidenschaft entwickeln und diese Leidenschaft zeigen. Ja, natürlich kann man sich auch an den Trumps und Petrys dieser Welt auch ironisch abarbeiten. Das gehört dazu.


Was jetzt wichtig ist

1. Wir dürfen auf keinen Fall schweigen.

2. Wir müssen Zeit und Geld investieren zum Recherchieren, wir müssen immer wieder nachfragen, nicht alles glauben, was man uns sagt, Belege liefern. Nicht als Besserwisser, sondern als diejenigen, die Fragen stellen. Es ist die Stunde der gut recherchierten Inhalte, die Stunde der Geschichten, die mehr sind als ein Plot.

3. Wir müssen unsere Werte leben. Und das auch zeigen. Voller Begeisterung. Offensiv. Nicht die Abgrenzung, die Verteidigung, die Defensive ist der Weg. Es ist die Begeisterung, für die Vielfalt und ihre Schönheit, für Recherche und die Suche nach Wissen. Und es ist die Begeisterung für das, was wir auch faktisch auf die Beine stellen. Wir, die Verlage, Autoren, Buchhandlungen. Wir, die Medien und Journalisten. Wir, die Museen, die Literaturhäuser, die Universitäten.

Wir haben Verantwortung, und die sollten wir übernehmen. Mit Freude und Lust. Nicht: Die anderen sind hässlich. Sondern: Wir sind schön!

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