Einstweilige Verfügung gegen Joerg Pfuhl

Barbara Laugwitz wehrt sich

Joerg Pfuhl, der CEO der Holtzbrinck Buchverlage, darf nach einer einstweiligen Verfügung des Berliner Landgerichts nicht mehr behaupten, dass Rowohlt-Geschäftsführerin Barbara Laugwitz nach ihrer Entlassung keine Kontaktsperre auferlegt worden sei. Andernfalls droht Pfuhl ein Ordnungsgeld bis 250.000 Euro. Update: Joerg Pfuhl erklärt, dass er Widerspruch gegen die Entscheidung eingelegt habe, die damit nicht rechtskräftig sei.

Neue Eskalationsstufe im Streit nach der Entlassung: Joerg Pfuhl und Barbara Laugwitz

Neue Eskalationsstufe im Streit nach der Entlassung: Joerg Pfuhl und Barbara Laugwitz © Claus Setzer, Thorsten Wulff (von links)

Das teilt die Berliner Kanzlei Zapfe Legal mit, die für Barbara Laugwitz die einstweilige Verfügung gegen öffentliche Aussagen von Holtzbrinck Buchverlage-CEO Joerg Pfuhl erwirkt hat. Dabei geht es um Pfuhls Aussage, es hätte keine Kontaktsperre gegeben, sondern es hätte sich nur um ein Missverständnis gehandelt.

Der Berliner Rechtsanwalt Kai Zapfe bestätigt nun, was bereits vielfach berichtet wurde: dass Barbara Laugwitz seit der Presseerklärung vom 29. August 2018, in der ihre Abberufung als verlegerische Geschäftsführerin des Rowohlt Verlages bekannt gegeben wurde, weder für die Autorinnen und Autoren noch Mitarbeiter des Rowohlt Verlages erreichbar war. "Grund hierfür war eine mit E-Mail vom 28.08.2018 ausdrücklich durch den CEO der Holtzbrinck Buchverlage, Herrn Dr. Joerg Pfuhl, verhängte unbefristete Kontaktsperre", erklärt Zapfe.

Barbara Laugwitz habe sich an diese von Pfuhl verhängte Sperre gehalten, um ihre dienstvertraglichen Pflichten gegenüber dem Rowohlt Verlag nicht zu verletzen.

Laugwitz kämpft um ihre Glaubwürdigkeit

Nachdem jedoch durch Joerg Pfuhl am 12. September 2018 öffentlich behauptet wurde, bei der verhängten Kontaktsperre handele es sich wohl um ein "Missverständnis", habe sich Laugwitz gezwungen gesehen, so der Rechtsanwalt weiter, "ihre durch diese wahrheitswidrige Behauptung in Mitleidenschaft gezogene Glaubwürdigkeit gegenüber den Autorinnen und Autoren des Verlags wiederherzustellen".

Aus diesem Grund hat Zapfe für seine Mandantin Barbara Laugwitz beim Landgericht Berlin einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen Joerg Pfuhl eingereicht.

Einstweilige Verfügung erlassen

Mit einstweiliger Verfügung vom 27. September 2018 (Az.: 27 0 453/18) habe das Landgericht Berlin Joerg Pfuhl untersagt, "wörtlich oder sinngemäß die nachfolgenden Behauptungen aufzustellen und/oder zu verbreiten und/oder öffentlich zugänglich zu machen und/oder aufzusteffen, verbreiten oder öffentlich zugänglich machen zu lassen", zitiert RA Zapfe die Entscheidung des Berliner Landgerichts und nennt noch einmal die Textpassage von Pfuhl: "Die Tatsache, dass Frau Laugwitz zunächst nicht erreichbar war, basiert vermutlich auf einem Missverständnis: Es bestand eine Vertraulichkeitsregelung bis zur Veröffentlichung der Pressemitteilung. Natürlich wollten wir die Beziehung zwischen Ihnen und Frau Laugwitz nicht unterbinden."

Die beiden Sätze habe Pfuhl geäußert in einer E-Mail vom 12. September 2018 sowohl an die Autoren des Rowohlt­ Verlags, die ihm einen Offenen Brief geschickt hatten, als auch in einem Schreiben vom 12. September 2018 an alle Rowohlt-Mitarbeiter.

Laut RA Zapfe hat das Berliner Landgericht Pfuhl weiterhin untersagt, folgende Aussage zu wiederholen: "Dass Barbara Laugwitz sich zu den Vorgängen nicht äußern darf, scheint mir ein Missverständnis zu sein. Wir hatten eine Vertrau/ichkeitsvereinbarung, bis die Pressemitteilung herausging. Das ist ja nicht ungewöhnlich bei so einer Personalie. Aber am Tag der Verkündung ist das ausgelaufen." Damit war Pfuhl in Ausgabe 38 des "Spiegel" (unter dem Titel: "Die rausgekippte Frau") zitiert worden.

Bußgeld bis 250.000 Euro droht

Sollte CEO Joerg Pfuhl gegen diese einstweilige Verfügung verstoßen, drohe ihm ein vom Gericht für jeden Fall der Zuwiderhandlung festzusetzendes Ordnungsgeld bis zu 250.000 Euro, ersatzweise Ordnungshaft, oder Ordnungshaft bis zu sechs Monaten, fasst die Kanzlei Zapfe Legal in der Presseinformation zusammen. Die einstweilige Verfügung sei bereits zugestellt worden.

Wie zu erfahren war, hat die Gegenseite für ihren Mandanten Joerg Pfuhl bei Gericht eine sogenannte Schutzschrift hinterlegt. Ein solches Mittel dient dazu, in dem an sich einseitigen Verfahren auf Erlass einer einstweiligen Verfügung auch die Sicht der anderen Seite zur Kenntnis zu bringen. Der Argumentation in der Schutzschrift ist jedoch die 27. Kammer des Landgerichts Berlin nicht gefolgt und hat − ohne mündliche Verhandlung − die EV gegen Pfuhl erlassen. Ihm steht nun offen, gegen die Entscheidung des Gerichts auf dem Widerspruchsweg in mündlicher Verhandlung vorzugehen oder ein Hauptsacheverfahren zu erzwingen.

Update, 2. Oktober, 17:19 Uhr

In einer Mitteilung erklärt Joerg Pfuhl, Geschäftsführer der Holtzbrinck Buchverlage GmbH, dass die Entscheidung des Landgerichts Berlin vom 27. September 2018 nicht rechtskräftig sei. Er habe Widerspruch dagegen eingelegt. "In der Pressemitteilung zur Entscheidung vom 1. Oktober 2018 der Kanzlei Zapfe Legal, die Frau Laugwitz vertritt, fehlte ein Hinweis auf die mangelnde Rechtskraft dieser Entscheidung", so Pfuhl.

Pfuhl fährt fort: "Die ehemalige Verlegerin des Rowohlt-Verlags und der Verlag interpretieren die vertraglich bestehende Verschwiegenheitsverpflichtung und eine im Zuge der Entlassung ausgesprochene Kontaktregelung unterschiedlich. Die Unternehmensleitung hat bereits vor Wochen gegenüber Frau Laugwitz deutlich gemacht, dass diese Regelung in keiner Weise als generelles Kontaktverbot mit den Autoren des Verlags gedacht war."

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7 Kommentar/e

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  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Dass es bei Trennungen in der Arbeit oder im Privatleben oft zu Situationen kommt, die sich die Beteiligten nicht vorstellen konnten und auch im Nachhinein in der Regel bedauern, das ist doch üblich und sollte mit dem entsprechenden Verständnis aufgenommen werden. An der Öffentlichkeit haben diese Trennungsschmerzen nie etwas verloren.
    Da sind auch offene Briefe alles andere als hilfreich. Schon gar wenn man den Kern des Problems nicht kennt (und er ja auch niemanden etwas angeht).
    Und auch der gierige Blick der Medien (einschließlich Börsenblatt) ist weder aus dem Nachrichtenwert heraus noch aus der journalistischen Aufklärungspflicht heraus gerechtfertigt.
    Ich fände es schön, wenn wir uns mehr mit der Lösung unserer Probleme als mit dem Starren auf die Probleme anderer befassen.

  • Lutz Kettmann

    Lutz Kettmann

    Bei nüchterner Betrachtung wird man nicht umhinkommen, Herrn Ulmer zuzustimmen: Er argumentiert so überzeugend, und es kann ja nicht Aufgabe von Autorinnen und Autoren sein, auf „die Probleme anderer“ zu starren. Sie sind ja nur Schriftsteller. Schon deshalb sind Elfriede Jelinek und Daniel Kehlmann, sind alle Mitverfasser des „Offenen Briefes“ ernsthaft zu rügen. Wie auch den Medien im Allgemeinen und dem „Börsenblatt“ im Besonderen in diesem Fall keinesfalls eine „journalistische Aufklärungspflicht“ obliegt, zumal eine Berichterstattung „aus dem Nachrichtenwert heraus“ nicht „gerechtfertigt“ ist. „Personelle Veränderungen bei Rowohlt“ hätten es auch getan.

    Nein, nein - die von Herrn Ulmer beschworene leicht ächzende Atmosphäre vergangener herrschaftlicher Zeiten trifft am Ende dann doch nicht „den Kern des Problems“.

    Ein Problem aber bleibt dies: Courage ist im Deutschen nicht zufällig ein Fremdwort.

  • Torsten Casimir

    Torsten Casimir

    Lieber Herr Ulmer, nun kommen ja mittlerweile Pressemitteilungen zu dieser Sache in die Redaktionen, nicht nur offene Briefe. Es bedarf also für die öffentliche Erörterung der Trennung gar keines medial-gierigen Blicks mehr. Man wird, nolens volens, versorgt. Was den Nachrichtenwert anlangt, liegen Sie meines Erachtens auch verkehrt. Erstens sind hier mit so klassischen Nachrichtenfaktoren wie Überraschung, Konflikt, Prominenz, Schaden, Dauer, Nähe (in jüngerer Zeit zählen auch Gefühle dazu) ungefähr die Hälfte aller Eigenschaften im Spiel, die Journalisten regelmäßig in die Tasten greifen lassen (was wir dank der Arbeiten von Johan Galtung und Mari Ruge seit mehr als 50 Jahren wissen). Zweitens gibt es publikumsseitig ebenfalls keine Hinweise auf Desinteresse: Sie können seit Wochen zur Causa Rowohlt/Laugwitz bringen, was Sie wollen - es schießt binnen Tagesfrist auf Platz 1 der meistgelesenen Beiträge. Da sich nun auch noch Juristen Briefe schreiben und ein Landgericht eine mündliche Verhandlung anberaumen muss, wird sich die Öffentlichkeit noch ein Weilchen halten - dies schon mal als Vorab-Entschuldigung meinerseits für absehbare nächste Beiträge zu dieser in mancherlei Hinsicht ungewöhnlichen Angelegenheit.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Lieber Herr Casimir, nahezu alles was Sie schreiben gilt auch für Nacktfotos vom Papst. Mir reicht das nicht als Begründung für eine Dauerrubrik im Börsenblatt.

  • Torsten Casimir

    Torsten Casimir

    Nun liegen mir gerade keine Nacktfotos vom Papst vor. Aber die 27. Zivilkammer des Landgerichts Berlin wird in den nächsten Wochen über die Frage zu Rate sitzen, ob der CEO einer Buchverlagsgruppe den Autoren eines seiner Verlage (in deren Worten) "ins Gesicht gelogen" hat, was der CEO (nach meinem Gefühl: glaubwürdig) von sich weist. Vielleicht möchten Sie bei dem Stand der Dinge wenigstens zwei Unterschiede zugestehen. Der eine Fall ist hübsch ausgedacht, der andere hat sich leider zugetragen. Und ein Papst, ungewandet, betrifft nicht direkt die deutsche Buchbranche (außer Herder), der Zoff zwischen Holtzbrinck und Laugwitz hingegen spielt mittendrin. Sie mögen das ganze Bohei irgendwie nicht, dafür habe ich ja Verständnis. Auch Edo Reents von der FAZ hat die Tage versucht, an den Wert der Diskretion zu erinnern. Aber wollen Sie ernsthaft auf Idiosynkrasie abstellen? Das würde nun mir als Begründung nicht reichen, um eine beliebte "Dauerrubrik" vor der Zeit dichtzumachen. Courage, wie Kettmann schreibt, ist ein viel zu schönes, edles Wort dafür, dass Medien hier einfach ihren Job machen. Fairness reicht mir schon als Selbstanspruch. Aber Nichtstun, weil Trennungsschmerz was Privates sein soll - och nö.

  • Matthias

    Matthias

    Es ist letztlich die Frage, ob einer Fachzeitschrift ein bisschen BUNTE gut tut oder nicht. Vor einiger Zeit haben wir in unsäglicher Breite eine Schlammschlacht von Gesellschaftern um das Haus Suhrkamp mitbekommen müssen. Man konnte in Zeitungen und Fachzeitschriften das Gefühl bekommen, dass hier die Zukunft der deutschen Kultur auf dem Spiel stünde. Und während dieser schmerzhaften Phase haben die Mitarbeiter bei Suhrkamp brilliante Arbeit gemacht und sich vom täglichen Abgesang in den Medien auf sich selbst nicht irre machen lassen. Die ganze mediale Beobachtung hat außer Verletzungen nichts hinterlassen. Und ich meine, sie hat auch nichts besser gemacht, so sie überhaupt die Intention hatte etwas zu bessern.
    Und: wenn ich überempfindlich bin, dann bei der Frage der öffentlichen Erörterung der Privatheit Dritter. Wir ziehen die Grenze der unabwehrbaren Einmischung schon viel zu eng. Und ich wage die Behauptung, dass in einer Abwägung positive Auswirkungen des "Öffentlichen Interesses" vernachlässigbar sind gegenüber den dadurch verursachten Verletzungen. Ich will eigentlich nur anregen, über die angemessene Grenzziehung nachzudenken.

    PS: und dass ein Landgericht sich mit einer solchen Frage befassen muss, um eine einstweilige Verfügung zuzulassen, die schon jetzt mehr historische Wirkung hat? Wer selbst vor Gericht seit Jahren auf den Fortgang eines Verfahrens wartet, der kann da nur den Kopf schütteln.

  • Matthias Krüger

    Matthias Krüger

    Also, ich finde es hochspannend, wie sich die Causa Laugwitz / Pfuhl entwickelt und bin dem Börsenblatt für seine recht sachlich-nüchterne Berichterstattung dankbar. Sicherlich hat das Ganze auch eine gewisse "Faszination des Grauens", weniger weil man hier in menschlich tiefe Abgründe schauen und darüber den Kopf schütteln kann, sondern weil der Fall fast mustergültig zeigt, wie richtig schlechte, fast beschämend unprofessionelle PR-Arbeit, die man in einer großen und renommierten Verlagsgruppe nicht unbedingt erwartet hätte, unweigerlich zum kommunikativen Super-GAU führt und in ohnehin unruhigen Umbruchzeiten den in der ersten Jahreshälfte erfolgreichsten deutschen Publikumsverlag ohne Not in die Krise stürzt. Ich bin darüber hinaus sehr erstaunt, dass noch immer keine oder kaum ernsthafte Ansätze der Schadensbegrenzung zu erkennen sind (und das eine Woche vor der Frankfurter Buchmesse!), stattdessen die Eskalation der Auseinandersetzung stetig vorangetrieben wird. In jedem Fall möchte ich schon wissen, wie diese vertrackte "Geschichte" enden wird, und gebe auch gern zu, die Berichterstattung in den Branchenmedien darüber aufmerksam und mit nicht nachlassendem Interesse genau zu verfolgen. Man kann einiges daraus lernen und ableiten.

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