Esther Kinsky erhält Düsseldorfer Literaturpreis 2018

"Tief traurig und dunkel schön"

Die Jury des mit 20.000 Euro dotierten Düsseldorfer Literaturpreises hat die in Berlin lebende Schriftstellerin Esther Kinsky für ihren bei Suhrkamp erschienenen Roman "Hain" als Preisträgerin für 2018 ausgezeichnet.

Esther Kinsky

Esther Kinsky © Tobias Bohm

Als "meisterlich", "herzerhebend" und "ohne jede Absicht Trost spendend" empfindet Jury-Mitglied Hubert Winkels den Roman und begründet die Wahl wie folgt: "'Geländeroman' steht unter dem Titel von Esther Kinskys herausragendem Roman 'Hain'. Gelände meint ungenaue Landschaft. Alles ist ferngerückt und leicht verwaschen, das Nahe ebenso wie das real Entfernte. Glanzloser ist noch keine Landschaft ausgebreitet, glanzloser noch kein Roman gemalt worden. Trauer muss die Erde tragen, und voll Trauer gesellt sich die namenlose Erzählerin den spröden Erscheinungen des italienischen Winters.  Sie reist allein. Ihr Mann, mit dem sie gerne reiste, ist kürzlich gestorben. Die Trauer entindividualisiert, trägt den Einzelnen ein in eine größere Ordnung, macht ihn zum Teil einer Allegorie. Esther Kinsky bewegt sich erzählend auf dem schmalen Grat zwischen Vereinzelung und Symbolik. Auf diese Weise gerät sie auf der individuellen Seite nie ins Sentimentale und auf der bildhaften Seite nicht ins Pathetische. Langsam, fast schwerflüssig ist die Bewegung im Roman, doch äußerst beweglich die Sprache, die diese Bewegungen erzeugt, in ihrer tonalen Heruntergestimmtheit fast ohne Übergang wechselnd von den konkreten Landschaften zum Sinnbild. So entwickeln sich geisterhafte Anwesenheiten. In einem vergessenen Fach einer alten Fototasche findet die Erzählerin ein altes Filmnegativ und erkennt darauf die Umrisse ihres Mannes.  Technische Medien und große Kunst sind Totenbeschwörungen. Auch 'Hain' ist eine Totenbeschwörung, ein literarisches Requiem, eine Winterreise zu den Toten. Tief traurig und dunkel schön. Der Roman ist meisterlich und herzerhebend und ohne jede Absicht spendet er Trost."

Die Preisverleihung findet am Montag, den 11. Juni 2018 im Forum der Stadtsparkasse Düsseldorf statt.

 

Der Düsseldorfer Literaturpreis zeichnet Autoren aus, deren deutschsprachiges literarisches Werk inhaltlich oder formal Bezug auf andere Künste nimmt. Unter den bislang 16 Preisträgern sind Patrick Roth, Christoph Peters, Katharina Hacker, Ulrich Peltzer, Ursula Krechel, Thomas Hettche, Michael Köhlmeier, Marcel Beyer und zuletzt Marion Poschmann.

Schlagworte:

0 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • ...

    Informationen zum Kommentieren

    Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

  • ...
    Mein Kommentar

    Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

    (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
    CAPTCHA image
    Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

    * Pflichtfeld