Frankfurter Buchhandlung Carolus muss umziehen

Kirchenverband will mehr Miete

Die zum Herder Verlag gehörende Buchhandlung Carolus ist in Frankfurt am Main eine Institution. Nun soll sie sich bis Ende 2015 einen neuen Standort suchen: Der Vermieter des 500 Quadratmeter großen Ladengeschäfts in der Innenstadt, der Gesamtverband der katholischen Kirchengemeinden Frankfurts, will mit der Immobilie mehr Geld erwirtschaften.

Wie der Verband der 42 Frankfurter Kirchengemeinden gegenüber boersenblatt.net bestätigte, wolle er zwar gerne Carolus als Mieter halten, müsse aber wirtschaftlich arbeiten. Für die 1A-Lage beim Liebfrauendom können derzeit durchaus Mietpreise bis 120 Euro pro Quadratmeter verlangt werden. Eine solche Miete (bis 60.000 Euro pro Monat könnten auf den Nachmieter zukommen) kann die Buchhandlung Carolus aber nicht stemmen, obwohl sie gerade mit ihrem - neben dem allgemeinen Sortiment - bis ins Umland bekannten Angebot religiöser Literatur und Devotionalien von Taufkerzen bis Rosenkränzen erfolgreich ist (siehe auch das aktuelle Börsenblatt-Video, das im Rahmen für unsere multimediale E-Paper Ausgabe des Börsenblatts Spezial Religion 30/2013 entstanden ist).

Carolus-Geschäftsführerin Karin Lademann gibt sich angesichts des Umzugs, den zuerst die "Frankfurter Neue Presse" am 23. Juli meldete, gelassen: "Wir stehen wirtschaftlich gut da und haben Kraft für Innovationen." Derzeit suche die Buchhandlung nach einem neuen Standort in der Altstadt, so dass Geschäftsführerin in den neuen Räumen keinen Umsatzrückgang erwartet. Vorstellbar ist, dass das neue Ladenlokal kleiner als die bisherige Fläche (500 Quadratmeter) sein wird: "Im Moment sind wir sehr großzügig aufgestellt", räumt Lademann ein.

Auch die "FAZ" meldete in ihrem Regionalteil den geplanten Umzug - seit dem die Zeitungen die Nachricht verbreitet hätten, werde die Buchhandlung von Sympathiebekundungen geradezu überschwemmt, freut sich Lademann. Auch mehrere Vermieter sollen bereits vorstellig geworden sein.

Die Buchhandlung Carolus ist seit 1983 am Liebfrauenberg ansässig und eine der wenigen Buchhandlungen in der Mainmetropole, die sich in der Innenstadt behaupten konnten.

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13 Kommentar/e

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  • Gesche Erbrich

    Gesche Erbrich

    Die Buchhandlungen Frankfurter Bücherstube, Herder, Kohl, Montanus, Hase, Blazek und Bergmann, Naacher, Mühlhausen, Weber, Harri Deutsch, Bockenheimer Bücherwarte, Huss’sche Buchhandlung, Fachbuchhandlung für Psychologie – all diese Buchhandlungen sind in der Buchstadt Frankfurt in den letzten Jahrzehnten gestorben . Da ist man mehr als entsetzt, dass hier wieder eine Buchhandlung den hohen Mieten weichen muss, und noch dazu mit der Kath. Kirche als Vermieter. Da ist die geforderte Armut von Papst Franziskus wohl doch nur Geschwätz.

  • Christian Kathan

    Christian Kathan

    Der Gesamtverband der katholischen Kirchengemeinden Frankfurts will also mehr Geld erwirtschaften - wie so viele Vermieter in großen Städten. Wann begreifen die Menschen nur endlich, dass Geld nicht automatisch glücklich macht? Und von gelebter, sozialer Verantwortung hat der Verband offenbar auch noch nichts gehört. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen immer kirchenkritischer werden.

  • H. Kraft

    H. Kraft

    Die von der Buchhandlung Carolus geforderte neue Miete ist von diesem kath. Kirchenverband in Frankfurt doch eine glatte Erpressung. Man sieht doch da auch, dass es der Kirche hier um knallharte finanzielle Geschäfte geht.
    Gegenüber dem angesehenen Herder Verlag in Freiburg/Breisgau, zu dem diese Buchhandlung Carolus gehört, ist diese Forderung doch sehr übertrieben.
    Ich finde es gut, dass die Buchhandlung Carolus jetzt positive Zeichen bekommt und auch darunter von Vermietern.
    Die Kirche hier in Deutschland muss gewaltig noch ein Umdenken lernen, denn mit dem neuen Papst Franziskus werden sich noch einige Dinge in Bezug zur Kirche ändern müssen.
    Es bleibt zu wünschen und zu hoffen, dass die Buchhandlung Carolus an einem anderen Platz in Frankfurt gut beginnen kann.
    Auch sollte noch mehr Solidarität bei den Kunden dieser Buchhandlung gefunden werden.
    Gerade kirchliche Buchhandlungen sind in unserer hektischen und auch nach einem tieferen Lebenssinn Ausschau haltenden Menschen wichtig.
    Und Arbeitsplätze sollten erhalten bleiben.
    Deshalb ist diese Denkweise des Kirchenverbandes nicht zu verstehen.
    H. Kraft

  • H. Kraft

    H. Kraft

    Diese Forderung des Kirchenverbandes stellt damit doch seine eigene Glaubwürdigkeit in Frage.
    Es wäre deshalb sehr zu wünschen, wenn die Buchhandlung Carolus noch mehr Zustimmung bekommen würde.
    H. Kraft

  • Amazonkunde

    Amazonkunde

    Redaktion: Kommentar gelöscht. Bitte äußern Sie sich zur Sache.

  • Harry-Horst Hirschmann

    Harry-Horst Hirschmann

    Redaktion: Kommentar gelöscht. Bitte äußern Sie sich zur Sache.

  • Wissenschaftliche Buchhandlung Theo Hector

    Wissenschaftliche Buchhandlung Theo Hector

    Bitte nicht noch eine Fachbuchhandlung in Frankfurt die schließen müsste aus rein finanziellen Interessen.
    Wir haben immer in dieser Fachrichtung guten Gewissens auf die Kollegen von Carolus verweisen können, da würde sehr viel fundiertes Know-how verloren gehen. Wir drücken feste die Daumen für ein neues Domizil, viel Glück!

  • Märchentante

    Märchentante

    Die Kirchen sind Wirtschaftsunternehmen, vor allem die katholische Kirche.
    Das war schon immer so, seit Jahrhunderten.
    Entsprechend werden sie geführt, wer etwas anderes glaubt ist weltfremd.

  • Verkaufnix

    Verkaufnix

    Wo ist mein Kommentar hin? 2. Anlauf
    @Gesche Erbrich: Ja, das Buchandlungs-Sterben in Frankfurt ist absolut bedauerlich! Begonnen hat das allerdings mit der Eröffnung der Hugendubel-Filiale in der Innenstadt. Diese Eröffnung hat ziemlich schnell zur Schliessung der alteingesessenen Buchhandlungen geführt. Auch der Bücherkorb ist letztlich durch die Filialisten-Eröffnung im Nord-West-Einkaufszentrum in Bedrängnis geraten, genauso wie Bruckmann im Main-Taunus-Zentrum.Das hat sicherlich auch etwas mit den Mieten zu tun, mehr aber mit fehlenden Kunden. Harri Deutsch, Bücherkorb Uni, Bockenheimer Bücherwarte, Montanus Leipziger waren im Uni-Viertel. Hier liegen die Gründe sicherlich anders. Es ist nicht neu, daß auch die Kirche wirtschaftlich arbeitet. Bisher hat man die Buchhandlung sozusagen subventioniert und im Gegenzug einen kompetenten Anbieter für religiöse Literatur, Devotionalien und Veranstaltungen gehabt. Dieser Gegenwert scheint -aus Sicht der Kirche- die niedrigeren Mieteinnahmen nicht mehr zu kompensieren. Letztlich Schade, aber es zeigt mal wieder die Problematik der Innenstädte: Die Mietpreise können nur noch von wenigen Ketten erwirtschaftet werden - wobei im Buchhandel selbst die Ketten an ihre Grenzen stoßen - und Filialen wieder dicht machen!

  • H. Erlemann

    H. Erlemann

    @ 9

    Ein sachlich fundierter Kommentar. Der Besitz einer Immobilie muß sich rechnen, Betriebs- und Unterhaltskosten müßen erwirtschaftet werden. Ist dieses auf längere Sicht nicht der Fall, bekommt man Ärger mit dem zuständigen Finanzamt. Dann werden die Abschreibungen gestrichen und die Subventionen werden besteuert, weil eine Gewinnerzielung nicht mehr schlüßig nachgewiesen werden kann.

  • leseratte

    leseratte

    Zu H.-Erlemann
    Seit wann zahlt die Kirche Steuer? Die Kirche erhält Steuern und zusätzlich noch viel weiteres Geld aus der Staatskasse zu Erhaltung ihrer Bauwerke und Kindergärten und Krankenhäuser usw.

    Es fehlen noch die kürzlich geschlossenen Buchhandlungen Kerst am Gericht und die Buchhandlung König am Dom

  • Bernhard Schappert

    Bernhard Schappert

    Ich selbst bin auch Stammkunde bei Carolus. Ob ich Sammelbestellungen für meine Schüler, private Bücher, sogar Musiknoten, CD´s, Kruzifixe, Rosenkränze oder Weihwasserbehälter bestellt und gekauft habe, ich bin immer zuvorkommend und freundlich bedient und beraten worden. Die Lage direkt neben dem Kapuzinerkloster passte auch zu einer christlich orientierten Buchhandlung. Nur die Mieterhöhung finde ich unchristlich. Aber das stecken wir Kunden weg und bleiben dieser Buchhandlung treu, egal wo sie sich 2015 niederlässt. Freundlichst, Bernhard Schappert

  • Michael Nardelli

    Michael Nardelli

    Mäaaaaähhh, liebe Schäflein_Innen, habt Ihr es nun endlich bemerkt? Die Hl. Kirche schiebt den imaginären Herrgott nur vor. Auch sie holt es nämlich von den Lebenden, also Euch. Cleveres Geschäftsmodell!

    BTW: Hat jemand von Euch diesen Herrgott eigentlich schon mal gesehen? Also, ich nicht. Mir reicht zu wissen, wo sein(e) Stellvertreter auf Erden überall ihre (schmutzigen) Finger drin haben. Heilige Vatikanbank, bitte für uns!

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