Großbritannien

Hilferuf aus dem Buchhandel

In Großbritannien tobt nach wie vor ein Preiskampf, manche sehen sich bereits mit dem Rücken zur Wand. Mittendrin keimt jedoch jetzt eine neue Debatte auf: Buchhändler nehmen Anlauf, fordern von Verlagen bessere Konditionen - und von der Politik mehr Unterstützung. VON REGINE MEYER-ARLT

Ein britischer Buchhändler schlägt Alarm: Die Insolvenz der britischen Musikhandelskette HMV zeige, wohin die Reise des Buchhandels gehe, meint Sam Husain, CEO des traditionsreichen Londoner Buchhandelsfilialisten Foyles.

In einem offenen Brief an das Branchenorgan "The Bookseller" bittet er Verlage und andere Lieferanten um Hilfe: Der Buchhandel brauche bessere Konditionen, um den Preiskampf mit anderen Vertriebskanälen bestehen zu können.

"Schlechtere Konditionen als Supermärkte und Internet-Händler"

Die Endpreise könnten seit der Abschaffung des Net Book Agreement (= Preisbindung) – das war bereits 1995 – nicht mehr reguliert werden, schreibt Husain. Wenn der Buchhandel weiterhin, bedingt durch geringere Einkaufsmengen, schlechtere Konditionen als Supermärkte und Internet-Händler erhalte, drohe ihm ein ähnliches Schicksal wie es der stationäre Musikhandel jetzt erlebe. "Konsignationslager oder erweiterte Zahlungsziele sind mögliche Lösungen", meint Husain.

Das Konsignationsmodell hat für den Buchhändler den Vorteil, dass er die Kosten für seinen Lagerbestand reduzieren kann; die Ware wird erst berechnet, wenn der Buchhändler sie dem Lager entnimmt, vorher ist sie Eigentum des Lieferanten. Gegenüber dem "Bookseller" forderte Husain zudem höhere Rabatte von 60 statt bisher durchschnittlich 40 Prozent.

Und Husain trifft damit ins Schwarze: Bessere Konditionen auf der einen Seite, aber auch mehr Entgegenkommen von der Politik, das wünscht sich auch Salwa Gaspard, Leiterin von Al Saqi Books in London. Ihr Fazit: "Die betrieblichen Immobiliensteuern sind in den vergangenen beiden Jahren dramatisch gestiegen. Wir leiden sehr unter der Konkurrenz der Online-Händler, die weder Steuern noch Miete zahlen!"

Die Kennzeichen der Krise

Hohe Betriebskosten, agressive Discounter, Online-Shopping und Download-Angebote machen stationären Medienfilialisten immer mehr zu schaffen. Anfang Januar hatte in Frankreich auch die Kette Virgin Megastores Insolvenz anmelden müssen. Gerade mal eine Woche später folgte das britische Tradtionsunternehmen HMV, zu dem bis 2011 auch der britische Buchhandelsfilialist Waterstones gehörte.

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11 Kommentar/e

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  • Holger-Jochen

    Holger-Jochen

    Ob eine Buchpreisbindung da helfen würde? Auch in Deutschland schließen immer Buchhandlungen ihre Pforten, weil sich das Geschäft nicht mehr lohnt. Trotz Preisbindung!

  • Branchenbeobachter

    Branchenbeobachter

    Das sehe ich auch so. Die Buchpreisbindung hilft - wenn überhaupt - nur den Verlagen.

  • Michael Nardelli

    Michael Nardelli

    Allen Verlagen? Vielleicht den Konzernverlagen. Die werden aber auch die Rabattschlacht nach einer Aufhebung der Buchpreisbindung gewinnen. Sie haben die Medienmacht, das Netzwerk, die Beziehungen und eine volle Kriegskasse. David gegen Goliath. Oder Kampf gegen Windmühlen. Klar, wem dabei als erstem die Luft ausgehen wird. Es hängt doch immer wieder alles am Gelde.

  • Witzisch

    Witzisch

    @ Michael Nardelli

    "Es hängt doch immer wieder alles am Gelde"........ außer im Allgäu ;-))

  • Michael Nardelli

    Michael Nardelli

    @ Witzisch
    Genau, meine Worte, wenn Sie das, was ich über das "Allgäu" geschrieben habe, als pars pro toto sehen, als ein Synonym für eine andere Lebensweise, bei der eben nicht "alles vom Gelde abhängt". Dazu braucht's aber die Bereitschaft, einen Schritt zurückzugehen.
    Aber ist ein anderes Thema. Lebensphilosophisch. Wir sind hier aber bei einem Buchbranchen-Magazin :-)))
    Wenn wir dagegen über die Buchpreisbindung diskutieren, haben wir in der Tat m. E. nur die Wahl zwischen Scylla und Charybdis.

  • Horst-Eugen

    Horst-Eugen

    Wenn die Buchhändler von mir als Verlag 60% Rabatt fordern, dann kann ich meinen Laden gleich zumachen. Oder ich vertreibe nur noch Online und trenne mich vom Buchhandel als Geschäftspartner.

  • Face_65

    Face_65

    Seit wann nutzt die Preisbindung "nur den Verlagen"? Außer den Apothekern können hierzulande nur Buchhändler mit festen Handelsspannen rechnen. Verkaufen müssen sie die Bücher dazu allerdings schon selbst. Die Preisbindung schützt den Handel mit Büchern, ist aber eher ein Regenschirm als ein Atombunker. Natürlich gehen Kaufleute auch unter ihrem Schutz insolvent, wenn sie an der Marktlage vorbei agieren.

  • Klaus Kowalke

    Klaus Kowalke

    Von der Buchpreisbindung profitiert in erster Linie der Leser! Das wird oft vergessen. Ohne Buchpreisbindung gäbe es keine Tiefe in den Verlagsprogrammen. Ohne Buchpreisbindung wären noch mehr Sortimente von der Schließung bedroht. Bsp. unsere kleine literarische Stadtteilbuchhandlung führt fast keinen Mainstream dafür aber eine ganze Anzahl kleiner aber feiner Verlagsprogramme. Was wären diese Verlagsprogramme ohne Preisbindung? Jeder Käufer (und Leser) bekäme diese Bücher bei Amazon o. ä. billiger, definitiv. Mit Amazon könnte kein Sortimenter im Preis konkurieren. Und auf Nächstenliebe ließe sich kein Geschäftsmodell aufbauen. Dank der Preisbindung kann ich aber die Welt der Literatur anbieten: zum in die Hand nehmen, zum stöbern. Wer dies nicht möchte und seine Bücher ohnehin wie alles andere im Internet kauft, der benötigt natürlich auch keine Buchhandlungen und weiß nicht um die literarische Vielfalt der Verlagslandschaft, der kann auch auf die Buchpreisbindung verzichten. Im Ergebnis sieht es dann so aus wie in der deutschsprachigen Schweiz, wie in England usw. - Das liberale Gequatsche der freien Märkte geht mir ziemlich auf die Nerven: Es gibt keine freien Märkte, es gibt stark regulierte Märkte, es gibt stark subventionierte Märkte. Der Buchmarkt hat lediglich ein Instrument (ohne Subvention) und das ist die Preisbindung!

    Ob höhere Rabatte als 40% notwendig sind, kann ich von hier aus nicht beurteilen. Doch eines muss feststehen, wer Amazon als Verlagsgroßkunden mehr Rabatt einräumt als den Barsortimenten, der beschädigt die Branche. (Und Amazon fordert viel...).

  • Branchenbeobachter

    Branchenbeobachter

    @ Klaus Kowalke:
    Dass es auch ohne Preisbindung geht, zeigt sich sehr schön in der Musikbranche. Ich kaufe gerne Musik von völlig unbekannten Kleinstlabeln. Auch ohne Preisbindung gibt es hier eine unglaubliche Vielfalt, die man aber nicht in Läden findet, sondern eher im Internet auf Special Interest Plattformen.

  • Branchenbeobachter

    Branchenbeobachter

    und noch eine Anmerkung: Es macht mich jedesmal tieftraurig und es tut mir in der Seele weh, wenn ich hier lese, dass wieder eine lokale Buchhandlung aufgegeben werden muss. In den meisten Fällen geht hier ein Lebenswerk zu Ende, in das viel Herzblut gesteckt worden ist. Es macht mich aber auch ärgerlich, wenn immer wieder behauptet wird, mit Buchpreisbindung oder schärferem Urheberrecht oder höherer Mehrwertsteuer für Amazon könne man dies aufhalten. Wahrscheinlich kann nichts und niemand mehr diese Entwicklung aufhalten.

  • Merfelle

    Merfelle

    @ Klaus Kowalke

    "Von der Buchpreisbindung profitiert in erster Linie der Leser!"

    -> Auch ohne Preisbindung würde es eine Vielzahl von Veröffentlichungen geben, von denen der Leser profitiert. Sieht man sich z.B. andere Länder an, wird dort mehr und mehr Online, z.B. in Blogs, durchaus interessantes publiziert. Und wenn ein "Titel" in Blogs erfolgreich ist, ruft das Verlag auf den Plan. Und schwupps, entsteht ein Buch...

    "Ohne Buchpreisbindung wären noch mehr Sortimente von der Schließung bedroht"

    -> Das Geschäftsmodell Sortimentsbuchhandlung steht generell zur Disposition. Vor allem hinsichtlich der elektronischen Entwicklung im Buchmarkt. Das mag "Buchpuristen" nicht schmecken aber drauf nimmt die Welt keine Rücksicht.

    "Das liberale Gequatsche der freien Märkte geht mir ziemlich auf die Nerven"

    -> warum ist eigentlich an allem immer "der freie Markt" Schuld? Wenn Buchhanldungen schließen, kann das tausend Gründe haben. Außerdem gab es vor 30 Jahren auch schon den "freien Markt", da ging es dem Buchhandel noch gut und keiner hat sich über den freien Markt beschwert. Jetzt, nachdem die Branche aufgrund von hausgemachten Fehlern und Problemen und dem "verpennen" der elektronischen Entwicklung in der Krise ist, wird gebrüllt und gejammert... "der freie Markt ist Schuld, der freie Markt ist Schuld.."

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